Schule : Doping erlaubt

Chrysler hat einigen Serienmodellen eine Kraftpille namens SRT-8 verabreicht

Henrik Mortsiefer

Probefahrten haben etwas Unwirkliches. Die Autohersteller stellen meist das PS-stärkste, verschwenderisch ausgestattete Spitzenmodell des neuen Autos zur Verfügung. So sollen sich dem Tester die Vorzüge der fabrikfrischen Produktneuheit etwas leichter erschließen. Chrysler hat gleich ein eigenes High-Speed-Label erfunden, um das Publikum mit den Power-Varianten seiner Serienmodelle 300C (Limousine und Kombi), Jeep Grand Cherokee (Geländewagen) und Crossfire (Roadster) zu beeindrucken: die SRT8-Serie.

Der dezente Hinweis SRT8 am Heck kennzeichnet die Fahrzeuge als Rennmaschinen. Das ist optisch auch schon fast alles. Die Philosophie ist klar: Chrysler setzt auf cooles Understatement. Die Modelle sind tiefer gelegt, haben 20-Zoll-Breitreifen, Frontschürze und Seitenschweller, Sportsitze und Carbon-Applikationen. Viel mehr fällt auf den ersten Blick nicht auf.

Akustisch freilich zeigen die Chryslers gleich, dass sie mehr als nötig unter der Haube haben. Der Jeep brüllt einen mit einem 426-PS-V8-Motor an, beim 300 ist es ein bärenstarkes 430-PS-Aggregat, der Crossfire wird von 335 PS angetrieben. Schon im Stehen macht das Spaß – in Bewegung sorgt es für Gänsehaut.

In fünf Sekunden wird der 2,2 Tonnen schwere Grand Cherokee mit betörendem Sound von 0 auf 100 km/h katapuliert. Das bringt Porsche-Fahrer ins Schwitzen: Braucht der Cayenne Turbo S mit 521 PS doch 5,2 Sekunden auf 100 km/h. Dass der Grand Cherokee außerdem gut 53 800 Euro (!) preiswerter als der Cayenne ist, lässt den Schmerz beim Tankstopp vergessen. Bei zügiger Fahrt strömen nämlich mehr als 20 Liter Super durch das Chrysler-Kraftwerk. Die Herkunft aus dem Land der Spritfresser kann der Jeep nicht vertuschen.

SRT steht für „street and racing technology“. Beim Fahrtraining auf dem Nürburgring betonen die Chrysler-Leute, dass die Geschosse nicht für ziviles (und strafzettelgefährdetes) Straßen-Racing gedacht sind. Man legt Wert auf das „and“ im Label: Die SRT-Serie wurde straßentauglich und für die Rennstrecke gebaut. Wer einen Chrysler der SRT8-Serie morgens zur Arbeit fährt, soll dies in dem Bewusstsein tun, jederzeit ein Autorennen gewinnen zu können.

Ob allerdings der inzwischen häufiger (vor allem als Diesel) auf deutschen Straßen zu sehende 300C die Business-Klasse irgendwann überzeugt, ist fraglich. Die Chefs fahren immer noch Mercedes, BMW oder Audi. Als Wolf im Schafspelz könnte der getunte 300 C SRT8 aber expandierende Mittelständler schwach machen – für attraktive 53 400 Euro. Außen pfui, innen hui hebt sich das Auto jedenfalls vom mausgrauen Chauffeursimage ab. Und in der Kombi-Variante wird der Auftritt im 300 C SRT8 fast filmreif: Welches familientaugliche Auto mit bis zu 1600 Liter Gepäckraum lässt sich schon in so wenigen Sekunden bis auf abgeregelte 265 km/h Höchstgeschwindigkeit treiben?

Wer so was braucht? Die Chrysler-Leute ließen sich auch auf Nachfrage keine Verkaufsziele für den deutschen Markt entlocken.

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