E-Twinning an Berliner Schulen : Schnell mal mit der Slowakei chatten

Über Internet-Plattformen lernen Berliner Schüler gemeinsam mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern. Über 70 E-Twinning-Projekte gibt es in Berlin.

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Europäischer Rollcontainer. Schüler der Marcel-Breuer-Schule in Pankow haben mit Schülern aus Ungarn, Spanien und aus der Slowakei ein Möbelstück entworfen.
Europäischer Rollcontainer. Schüler der Marcel-Breuer-Schule in Pankow haben mit Schülern aus Ungarn, Spanien und aus der...Foto: Christian Mang

Die unteren Module des Rollcontainers kommen aus Ungarn und der Slowakei, Berliner haben sich das oberste Element mit einer Ablage für den Laptop ausgedacht und der Dreh-Beschlag, der alles zusammenhält, kommt aus Spanien. Um ein mobiles Möbelstück für Präsentationen mit Laptop, Beamer und anderer Technik zu gestalten, haben Schüler der Marcel-Breuer-Schule in Pankow (Oberstufenzentrum für Holztechnik, Glastechnik und Design) mit Partnerschulen aus Pécs in Ungarn, Liptovský Hrádok in der Slowakei und Catarroja in Spanien kooperiert – über Online-Lernplattformen. Hand angelegt wurde dann in mehrtägigen gemeinsamen Workshops in den Partnerschulen.

In sogenannten E-Twinning-Projekten lernen sich Schüler aus unterschiedlichen EU-Ländern über Online-Lernplattformen kennen und tauschen dort in Blogs, Wikis oder Fotogalerien ihre Arbeitsergebnisse aus. Gefördert wird das von der Europäischen Union. Im letzten Jahr wurden acht Berliner Schulen für ihre Internetprojekte ausgezeichent. Die Marcel-Breuer Schule ist eine davon.

Die Schulen müssen bei europäischen Partnerprojekten nicht nur die geografische Distanz überwinden. Eine wesentliche Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist eine gemeinsame Sprache. Als Grundlage für die gemeinsame Arbeit wurde beim Projekt der Marcel-Breuer-Schule ein fünfsprachiges Fachwörterbuch angelegt. Darin finden sich unter anderem die ungarischen, slowakischen, spanischen und englischen Namen für Bambus, Birke und Ahorn und für Werkzeuge wie Raspel, Lochbrett und Schraubenschlüssel. Einige der teilnehmenden Lehrer haben zur Vorbereitung des Projekts auch noch einen Englischkurs besucht.

Fast zwei Drittel der derzeit über 70 in Berlin aktiven E-Twinning-Projekte finden an Sekundarschulen statt. Reine E-Twinning-Projekte seien an Grundschulen schwierig umzusetzen, sagt Ronald Pieper, stellvertretender Rektor und IT-Verantwortlicher der Dunant-Grundschule in Steglitz, die seit dem Schuljahr 2004/2005 mit E-Twinning arbeitet und ebenfalls ausgezeichnet wurde. Die meisten Schüler seien in diesem Alter noch nicht sicher in einer anderen Fremdsprache. Manchen Eltern bereite es Sorge, wenn ihre Kinder in einer Online-Lernplattform arbeiten, auf die sie selbst nicht zugreifen können. Themen, bei denen man auch gut nonverbal oder mit Tabellen und Zeichnungen arbeiten könne wie Umweltschutz und Wettervergleich, lassen sich seiner Erfahrung nach aber auch für Grundschüler über die Plattform bearbeiten. Im laufenden Projekt „Curtain up for European Talents“ stellen Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse Clips, in denen sie tanzen, singen oder Theater spielen, online. Schulintern werden die sechs besten Clips gewählt und diese Schüler können eine der Partnerschulen besuchen. Im April kommen die Partnerschulen dann zu Besuch nach Berlin. Auch die Lehrer würden durch das E-Twinning-Projekt andere Schulen kennenlernen, das helfe Abstand zum Berliner Schulalltag zu entwickeln, sagt Pieper.

Die ebenfalls für ihre Online-Projekte prämierte Siegerland-Grundschule in Spandau setzt im Moment ganz auf die Online-Plattform. Kinder mit nicht deutscher Muttersprache im Alter zwischen 7 und 9 Jahren aus Berlin und Wien üben mithilfe von künstlerischen Tierdarstellungen Schreiben und Lesen.

Auch im Alltag laufen mittlerweile viele Kontakte der Kinder über Online-Dienste wie Skype, Chat oder E-Mail, sagt Schulleiterin Christiane Meisenburg. Daher funktioniere auch der Schüleraustausch über die Lernplattform sehr gut. Ein Teil ihrer ehemaligen Schüler hätte auch nach Projektende noch Kontakt zu englischen Gleichaltrigen. Allerdings über eine andere Plattform, nämlich über Facebook.

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