"Easy Abi"-Skandal : Schulden für den Abschlussball

Eine Eventagentur bittet drei Berliner Schülerinnen wegen eines geplatzten Abiballs zur Kasse. Bei dem Vergleich sei man den Betroffenen "extrem entgegengekommen", verteidigt sich die Agentur.

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So ein Käse. Letztes Jahr wurde das Firmenschild von Easy Abi beschmiert. Foto: Rückeis
So ein Käse. Letztes Jahr wurde das Firmenschild von Easy Abi beschmiert. Foto: Rückeis

Für drei Abiturientinnen aus Berlin war die Wartezeit auf die Prüfungsergebnisse mit besonderem Stress und finanziellen Sorgen verbunden. Denn eine Eventagentur forderte tausende Euro Schadensersatz von ihnen. Im vergangenen Jahr hatten die drei 18-Jährigen bei der Berliner Agentur einen Abiball für den diesjährigen Abschlussjahrgang gebucht. Doch der Vertrag über 30 000 Euro platzte. 14 000 Euro Schadenersatz sollten die Schülerinnen der Agentur zahlen. Ganz so viel müssen sie nun doch nicht aufbringen. Denn mittlerweile hat sich ihr Anwalt mit der Gegenseite auf einen Vergleich über 4500 Euro geeinigt.

Die Schülerinnen des Max-Planck- Gymnasiums in Mitte hatten stellvertretend für ihre 181 Mitschüler mit der Firma „Berlin Event“ einen Vertrag unterschrieben. Doch dann warb David H., damaliger Geschäftsführer von Easy Abi, an der Schule für einen schickeren Abiball im Hotel Maritim. Die Schülerinnen unterschrieben einen zweiten Vertrag. H. gab vor, er kümmere sich um die Auflösung des Vertrags mit Berlin Event, die drei Mädchen verließen sich darauf. Wenige Monate später wurde David H. vorübergehend festgenommen. Die Firma Easy Abi, die in der Zwischenzeit verkauft worden war, hatte, wie berichtet, hunderttausende Euro von Schülern in Berlin und Brandenburg kassiert, ohne die Veranstaltungen auszurichten.

Das Abiball-Komitee des Max-Planck- Gymnasiums hatte zu diesem Zeitpunkt weder eine Anzahlung an „Berlin Event“ noch an „Easy Abi“ überwiesen. Die Schülerinnen nahmen an, keiner der zwei geschlossenen Verträge sei gültig. Das sei blauäugig gewesen, sagt ihr Schulleiter Herbert Schkutek heute. „Es war mitten in den Sommerferien. Die Schülerinnen hatten Angst, am Ende ganz ohne Abiball dazustehen.“ Sie unterschrieben einen dritten Vertrag, dieses Mal direkt mit dem Hotel Maritim. Als man bei Berlin Event davon erfuhr, schickte die Agentur einen Mahnbescheid über 14 200 Euro.

Der jetzt geschlossene Vergleich über 4500 Euro wird von den drei Schülerinnen abgestottert. Jede zahlt über zweieinhalb Jahre 50 Euro im Monat an Berlin Event. „Die anderen machen ihre Abireise, und die Schülerinnen kommen mit Schulden aus dem Abitur“, sagt ihr Anwalt Karun Dutta, der sieben Schulen im Fall gegen Easy Abi vertritt. Letztlich aber seien seine Mandantinnen erleichtert über den Vergleich.

Der Geschäftsführer von Berlin Event, Olaf Marsson, sagt: „Wären wir rechtzeitig informiert worden, hätten wir die gemietete Location vielleicht weitervermieten können.“ So aber sei ein hoher Schaden entstanden. „Selbstverständlich wollen wir nicht, dass die Schülerinnen auf lange Zeit finanziell beeinträchtigt sind“, sagt Marsson. Im Vergleich sei man ihnen daher „extrem entgegengekommen“.

Schulleiter Schkutek hat jetzt eine schriftliche Anleitung für seine Schüler erstellt, was sie bei der Organisation des Abiballs berücksichtigen müssen. „Wir hätten Easy Abi auch nicht verhindert“, sagt Schkutek. Dennoch soll es in Zukunft für die Schüler tabu sein, einen Vertrag zu unterschreiben, ohne dass die Schulleitung, ein pädagogischer Koordinator oder ein Elternteil ihn zuvor überprüft hat. Auch bei Berlin Event setzt man sich für eine Beteiligung von Lehrern und Eltern ein.

Wie es im Fall Easy Abi weitergeht, ist noch unklar. Derzeit wird auf die Anklage der Staatsanwaltschaft gewartet.

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