Ehrenamtliche Helfer an Schulen : Die unermüdlichen Paten

Ehrenamtliche geben Nachhilfe, machen Ausflüge und begrünen Schulgärten. Die Helfer sind beliebt, doch die Finanzierung vieler Projekte ist unsicher.

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Senatorin Dilek Kolat mit Schülerin und Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, in der Lehrschmiede des OSZ Konstruktionsbautechnik, das eine Schulpatenschaft mit der Otto-Wels-Grundschule eingeht..
Senatorin Dilek Kolat mit Schülerin und Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, in der Lehrschmiede des OSZ...Foto: Promo

Begonnen hat Reinhard Kurczynski mit ein paar Tonnen Erde im Schulgarten. Dann kam die erste Begrünung. Und dann, weil er sich dachte, die Schüler sollen noch während ihrer Schulzeit einen Fortschritt sehen, organisierte er einen hochgewachsenen Apfelbaum. Seit eineinhalb Jahren ist der frühere Tischler und Ausbilder als „Kümmerer“ an der Otto-Wels-Grundschule in Kreuzberg aktiv. Er ist einer aus der wachsenden Gruppe von Berlinern, die sich – vermittelt durch Vereine und Initiativen – als Paten für Berliner Schüler engagieren.

Die Paten geben Nachhilfe, lesen vor, organisieren Ausflüge oder graben den Schulgarten um. Dabei sollen sie Schülern aus sozial benachteiligten Familien volle Aufmerksamkeit und einen Blick über den Tellerrand geben. Das Modell erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Trotzdem haben Projekte oft mit der Finanzierung zu kämpfen.

BERLINER SCHULPATEN

„Spielerisch Berufsbilder aufzeigen“ sollen die Schulpaten laut Arne Lingott, Geschäftsführer der Berliner Schulpate gemeinnützige GmbH. 15 Grundschulen in neun Bezirken, die häufig von hoher Arbeitslosigkeit geprägt sind, sind derzeit an dem Projekt beteiligt. 90 Prozent der Schüler der Otto-Wels-Grundschule kennen Arbeitslosigkeit aus der eigenen Familie. Häufig sei schon die zweite oder dritte Generation arbeitslos. Diesen Montag wurde eine neue Partnerschaft mit dem benachbarten OSZ für Konstruktionsbautechnik vorgestellt. Die Schüler sollen in Zukunft Schnupperstunden in der Lehrschmiede bekommen. Die Berliner Schulpaten gehen auf eine Initiative der Handwerkskammer Berlin zurück und starteten nach ersten Patenschaften im Januar 2013 offiziell. 50 Berliner sind derzeit aktiv, 4500 Grundschüler wurden seit Projektstart laut Organisatoren erreicht. Zehn weitere Schulen stehen auf der Warteliste.

SCHÜLERPATEN DEUTSCHLAND

Häufig entstehen Patenschaften nicht über die Schulen, sondern über Kieztreffs, Beratungsstellen oder Freizeiteinrichtungen. Der Verein Schülerpaten Deutschland etwa hat sich vor fünf Jahren gegründet, weil sich Mütter bei Al Nadi, einer Beratungsstelle für arabische Frauen, nach Nachhilfe für ihre Kinder erkundigt hatten. Es gründeten sich die ersten Tandems mit Studierenden. Was eigentlich aus Platzmangel entstand, nämlich für die Treffen direkt in die Wohnungen der Familien zu gehen, ist nun Teil des Konzepts: Durch die Patenschaften sollen die Schüler bessere Bildungschancen haben und Begegnungen zwischen den Familien und den Paten entstehen. Etwa 180 Tandems betreut der Verein nach eigenen Angaben gerade, seit Projektstart waren es 350.

„In der Eins-zu-Eins-Situation der Nachhilfe erkennt man oft erst, womit sich ein Schüler eigentlich schwertut“, erklärt Karim El-Helaifi, Mitbegründer des Vereins und aktuell Pate eines 14-Jährigen. Liegt es wirklich an Mathe oder versteht der Schüler vielleicht die Textaufgabe nicht richtig? Das werde in der Schule teilweise übersehen.

NIGHTINGALE

Nightingale, ein langjähriges Berliner Patenprojekt, weiß wegen Finanzierungsproblemen gerade nicht, wie es im nächsten Schuljahr weitergehen soll, weil Fördermittel auslaufen und bisher keine neuen Gelder in Sicht sind. Schon seit acht Jahren bringt Nightingale sozial benachteiligte acht- bis zwölfjährige Schüler mit Migrationshintergrund von drei Kreuzberger Grundschulen und Studierende der Freien Universität zusammen. Derzeit treffen sich etwa 50 Tandems einmal pro Woche am Nachmittag, um gemeinsam die Stadt jenseits der gewohnten Straßenzüge zu entdecken, um zu kochen, mal eine Uni zu besuchen oder den Fernsehturm anzuschauen. „Es geht um alternative Rollenvorbilder und um uneingeschränkte Aufmerksamkeit“, erklärt Petra Wiehler, Professorin für Grundschulpädagogik an der FU, die das Projekt koordiniert. Auch die teilnehmenden Studierenden aus dem Fachbereich Grundschulpädagogik profitieren ganz praktisch von ihrem Engagement, denn sie können es sich als Studienleistung anrechnen lassen.

Das Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften bietet einen Überblick über Vereine und Ansprechpartner Berliner Patenschaftsprogramme. Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte, etwa interkulturelle Tandems, Patenschaften für spezielle Wohnsiedlungen, für Kinder psychisch oder alkoholkranker Eltern oder für Heim- und Pflegekinder. Fast alle Programme suchen weitere Paten. Mehr unter ww.kipa-berlin.de.

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