Schule : Ein Kleinwagen als Renner

Der Clio V6 ist der schnellste kleine Serienwagen

Ingo von Dahlern

Dem Namen nach ist er ein Clio – der Renault Clio V6. Denn die technische Basis des neuen Hochleistungssportlers mit dem Rhombus stammt tatsächlich von Renaults so erfolgreichem Großserienmodell. Aber im Unterschied zum Clio Renault Sport, der mit einem leistungsstarken 2,0-Liter-Vierventiler mit 126 kW (169 PS) unter der Haube, exklusiven 15 Zoll messenden Leichtmetallrädern mit 195/50er-Reifen, verbreiterter Spur und tiefer gelegtem Fahrwerk ein zwar betont sportlich auftretender aber letztlich nur abgewandelter normaler Clio war, ist der jetzt neu aufgelegte Clio V6 ein völlig eigenständiges Auto.

Ein Auto, bei dem eigentlich nur die Frontpartie mit dem typischen neuen Clio-Gesicht an die Herkunft anknüpft. Denn unter der Karosserie mit ihrem eigenständigen Heck, den Klarglas Rückleuchten und dem speziellen Tankverschluss steckt ein reinrassiger Hochleistungssportler, der mit kraftvollem Dreiliter-Mittelmotor und Hinterradantrieb in eine ganz andere Welt gehört als der normale Renault Clio.

Seine Ahnen sind der in den 80ern erstmals gebaute Renault 5 Turbo, der im letzten Jahrzehnt gebaute kompromisslose Renault Sport Spider, der mit seiner offenen Karosserie mehr Fahrmaschine war, und aus jüngerer Zeit der kurz nach dem Wechsel zum Jahr 2000 präsentierte Clio Renault Sport V6. Der war ein kraftvoller Dreiliter-V6 mit 166 kW (226 PS) und einem höchsten Drehmoment von 300 Nm bei 3750/min mit Mittelmotor, der binnen 6,4 Sekunden Tempo 100 und maximal 235 km/h erreichte.

Er wurde gemeinsam mit TWR (Tom Walkinshaw Racing) entwickelt und in exakt 1640 Einheiten bei TWR im schwedischen Uddevalla gefertigt und gehört zu den ausgesprochen exklusiven Renault-Modellen. Und so soll es auch beim Nachfolger bleiben, der nun allerdings im traditionsreichen Alpine-Werk in Dieppe entsteht – ebenso in vielen Details handgefertigt wie der Vorgänger. Und wie bereits bei dem, muss man auch nun wieder ganz schnell sein, wenn man eines der für den deutschen Markt geplanten 130 Exemplare bekommen möchte, für die man immerhin 39 900 Euro auf den Tisch legen muss.

Dafür bekommt man allerdings ein Fahrzeug, das durch und durch mit reiner Rennwagen-Technik glänzt. Dennoch ist es im Unterschied zum Renault Sport Spider keine nur auf Fahrvergnügen ausgelegte puritanische Fahrmaschine, sondern ein recht komfortabel ausgestattetes und vor allen Dingen fast uneingeschränkt alltagstaugliches Fahrzeug. In Kauf nehmen muss man allerdings, dass der Zweisitzer mit seinem quer eingebauten V6-Motor, dessen Basistriebwerk bereits aus dem Renault Laguna bekannt ist, mit einem geradezu winzigen 67-Liter-Kofferraum im Bug und einer mit einem Netz geschützten 45-Liter-Gepäckablage im Heck nur ein extrem knappes Reisegepäck erlaubt.

Das wird zusammen mit Fahrzeuglenker und Beifahrer bei der Neuauflage des Clio V6 binnen 5,8 Sekunden auf Tempo 100 und maximal auf bis zu 250 km/h beschleunigt – von einem Motor, der gegenüber dem Vorgänger noch einmal kräftig zugelegt hat. Denn der Vierventiler aus Aluminium mit seinen zweistufig schaltbaren Einlass-Nockenwellen bringt es mit mit seiner auf 11,4 : 1 gesteigerten Verdichtung nun auf 187 kW (254 PS) und ein höchstes Drehmoment von 300 Nm bei 4650/min, macht den nur 3,84 Meter langen Clio V6 zum schnellsten Serienfahrzeug auf Kleinwagenbasis.

An die Hinterachse gelangt die Motorkraft auf kurzem Weg über ein sorgfältig überarbeitetes Sechsgang-Schaltgetriebe, das mit einem besonders hoch platzierten Schalthebel mit massivem Aluminiumknauf betätigt wird und im sechsten Gang bei Langstreckenfahrten für ein akzeptables Drehzahl- und Geräuschniveau sorgt, und auch dazu beiträgt, dass sich der Verbrauch in Grenzen hält, der im Durchschnitt bei 11,9 l/100 km liegt. Bei dem Abgasen erfüllt der Clio V6 die Normen EU4 und D4.

Dass man mit dem Clio V6 ein ganz besonderes Auto vor sich hat, zeigt schon der erste Blick auf dessen besonders breite Karosserie, die mit ihrem großen Lufteinlass vorn und den seitlichen Lufteinlässen für den Mittelmotor die besondere Rolle dieses Auto unterstreicht, das auf exklusiven 18-Zoll-Felgen steht, die mit ebenso exklusiven 18-Zoll-Reifen von Michelin der Größe 205/40 (vorn) und 145/40 (hinten) bestückt sind. Gegenüber dem Großserienmodell hat der Clio V6 einen 61 Millimeter längeren Radstand und eine vorn um 112 und hinten um 90 Millimeter breitere Spur. Vorn und hinten mit Federbeinen ausgestattet hat er ein lupenreines Sportfahrwerk. Das sorgt in Verbindung mit dem höheren Dachspoiler und der ausgefeilten Aerodynamik von Front- und Heckstoßfängern sowie der dank Mittelmotor besonderen Gewichtsverteilung dafür, dass die Motorkraft optimal auf die Straße kommt und der Clio V6 auch bei extrem flotter Fahrt stets optimale Bodenhaftung hat. Entsprechend der geballten Kraft des Motors hat dieses Auto eine besonders leistungsstarke Bremsanlage mit vier großen innenbelüfteten Scheibenbremsen, die von einem modernen Bosch-ABS aktiviert werden.

Den Innenraum des Clio V6 prägt ein sportlich-elegantes Design mit hochwertigen und sehr sorgfältig verarbeiteten Materialien, besonders guten Halt gebenden Leder-Alcantara Sportsitzen mit Fahrersitz-Höhenverstellung, Lederlenkrad mit Daumenauflage und vielen Alu-Elementen, der sich klar von den Großserienversionen unterscheidet. Die hohe Alltagstauglichkeit unterstreichen solche Komfortelemente wie Regensensor, Lichtsensor und Klimaautomatik und das hochwertige CD-Radio mit Lenkradfernbedienung. Und komplett zeigt sich die Sicherheitsausstattung dieses Ausnahmeautos, das gemessen an seinen Fahrleistungen alles andere als aggressiv auftritt – umso größer ist die Überraschung, wenn man das in ihm steckende Kraftpotenzial mit einem Tritt aufs Pedal aktiviert.

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