Schule : Ein königliches Vergnügen

Mit dem Super Eight kehrt Daimler als künftiges Spitzenmodell von Jaguar zurück

Ingo von Dahlern

Comeback für Daimler – das garantiert hierzulande erhebliches Stirnrunzeln. Wenn von einem „Daimler“ gesprochen wird, denkt man gemeinhin an einen Mercedes. Doch die Marke mit dem Stern ist hier nicht gemeint, es geht um den „echten“ Daimler. Diese Marke gibt es bis heute – nicht in Deutschland, sondern in England. Ja sie ist sogar die erste und damit älteste Automarke Großbritanniens. Vor 109 Jahren als Daimler Motor Company Ltd. in Coventry gegründet, wurde sie zur Keimzelle der einst so stolzen britischen Autoindustrie.

Gottlieb Daimler höchstpersönlich gehörte zum Vorstand des Unternehmens, das seine Patente 1896 für England erwarb. Und so war das ein Jahr später erste in Großbritannien gebaute Auto ein 1,1-Liter-Zweizylinder mit vier PS, Glührohrzündung, Holzspeichenrädern und Vollgummireifen. Optisch und technisch entsprach es den in Deutschland gebauten Daimlers. Als Markenzeichen trugen die „Coventry Daimler“ den Namen des Lizenzgebers. So ist es bis heute geblieben, denn mit dem Erwerb der Daimler-Lizenzen erwarb das britische Unternehmen damals auch das Recht, alle von ihm vertriebenen Konstruktionen, Fortentwicklungen eingeschlossen, unter der Bezeichnung „Daimler“ auf den Markt zu bringen.

Die Markenbezeichnung Daimler blieb auch erhalten, als das Unternehmen 1960 von Jaguar übernommen wurde und Daimler-Modelle fortan auch im Jaguar-Gewand auftraten. Allerdings trugen sie einige typische Kennzeichen wie einen geriffelten Kühlergrill, auf dem das klassische Daimler-D prangte, das man auch auf den Radkappen und im eigenständigen Interieur fand. Überdies gab es eigene Daimler-Modellnamen wie „Sovereign“ oder „Double-Six“.

So wird es auch in Zukunft wieder sein. Der neueste Daimler, mit dem die Luxusmarke im November nach sieben Jahren Pause wieder antritt, wird „Daimler Super Eight“ heißen. In der knapp 5,22 Meter messenden Langversion des Jaguar XJ wird er für Preise von 112 500 Euro an das Spitzenmodell der Jaguar-Palette sein. Das edle Auto ist auch leistungsstark: Ein 291 kW (395 PS) leistender 4,2-l-V8-Motor mit Kompressor treibt es an. Mit der Sechsgang-Automatik von ZF beschleunigt das Auto mit der komplett aus Aluminium gefertigten Karosserie in nur 5,3 Sekunden auf Tempo 100. Auf Wunsch wandert die Tachonadel weiter, bis sie 250 km/h erreicht, ehe die Elektronik sanft abregelt.

Jeder Daimler Super Eight wird ein unverwechselbares Einzelstück sein, ausschließlich gefertigt nach individuellem Kundenwunsch. Die exklusive Ausstattung präsentiert sich als gelungene Synthese aus traditioneller handwerklicher Fertigung und modernster Technik. Das bedeutet im geräumigen Interieur – mit rund einem Meter Beinfreiheit im Fond und individuell elektrisch verstellbaren hinteren Sitzen – einerseits edles Leder, wertvolle polierte Walnusswurzelholz-Furniere mit eingearbeiteten Buchsbaum-Intarsien und dicke Lammwoll-Teppiche. Zum anderen gibt es aber auch ein Multimediasystem mit in die vorderen Kopfstützen integrierten Bildschirmen, Schnittstellen für iPod- und MP3-Player, DVD-Navigation, Vierzonen-Klimaautomatik und einem großen farbigen Touchscreen im Armaturenbrett.

Zu dieser Kombination aus typisch britischem Ambiente und modernster Technik gehört zudem eine komplette Sicherheitsausstattung. Dazu zählen das fortschrittliche adaptive ARTS-Rückhaltesystem mit Positionsbestimmung der Passagiere, Front-, Seiten und Window-Airbags und die Fahrdynamikregelung DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle). Zur Technik gehören zudem das elektronisch geregelte CATS-Fahrwerk (Computer Active Technology Suspension) mit Luftfederung, eine adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) und die elektronische Parkbremse sowie Halogenlicht, Licht- und Regensensor.

Mit dem Double Eight setzt Daimler die Tradition der Pionierjahre fort. Die Coventry Daimler verschafften sich schnell einen guten Namen als Spitzenprodukte. Bereits 1897 lernte der Prince of Wales, der spätere König Edward VII., in einem Daimler das Autofahren. Dieses Auto existiert heute noch im National Motor Museum in Beaulieu, Hampshire. Als die Krone 1900 ihren ersten Daimler erwarb, konnte sich das Unternehmen fortan Hoflieferant (By Appointment to His Majesty) nennen. Daimler-Modelle, die sich bald von den deutschen Vorbildern lösten, wurden von gekrönten und ungekrönten Staatsoberhäuptern, Wirtschaftsführern und Prominenten in aller Welt gefahren.

Wenn mit dem neuen Daimler Super Eight künftig von Jaguar die alte Tradition fortgeführt wird, entbehrt das allerdings nicht einer gewissen Ironie: Die luxuriöse Traditionsmarke lebt unterm Dach eines ebenfalls traditionsreichen Unternehmens weiter: im Ford-Konzern. Dessen Erfolg basierte auf dem Gegenstück zum handwerklich gefertigten Luxuswagen – dem für jedermann erschwinglichen auf dem Fleißband gefertigten Massenautomobil.

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