Schule : Ein Rover mit indischem Blut

Der neue City Rover ist ein Tata Indica im neuen Gewand

Ingo von Dahlern

Rover steht für edle Limousinen in der gehobenen Klasse und attraktive Mittelklasseautos. Und wenn diese Modelle von MG in die Hand genommen wurden, gibt es auch besonders sportliche Versionen. Nur schwach vertreten ist Rover allerdings bei den Kompakten. Etwa jedes dritte Auto, das in Europa verkauft wird, gehört zur Kompaktklasse. Für Rover mehr als ein Grund, sich auch hier stärker zu engagieren. Zwar ist man mit dem kleinen Rover 25 mit dabei. Aber wenn man einmal an die große Bedeutung denkt, die kleine Rover vom Mini über den Metro bis zu Rover 100 einmal hatten, dann ist dieses Angebot zu bescheiden. Deshalb wird es noch in diesem Jahr ausgeweitet. Zum einen durch eine Variante auf der Plattform des Rover 25, die als Streetwise in der Optik kleiner Offroader auftritt und im Oktober auf den Markt kommt – und zum anderen durch einen neuen Stadtwagen unterhalb des Rover 25 – den City Rover, der nach dem Jahreswechsel zu den deutschen Händlern kommt.

Der ist ein 3,66 Meter langer Fünftürer mit einem Radstand von 2,40 Meter, der rund 30 Zentimeter kürzer ist als der Rover 25. Knapp 1,63 Meter breit und knapp 1,49 Meter hoch bietet er bis zu fünf Personen Platz. Dank der erhöhten Sitzposition vorn hat man als Fahrer einen ordentlichen Blick rundum. Die Passagiere im Fond sitzen noch ein wenig höher – auf einer für drei Personen ausgearbeiteten Rückbank, die asymmetrisch geteilt ist ist und umgeklappt werden kann. So lässt sich der 220 Liter fassende Gepäckraum auf bis zu 610 Liter vergrößern, wobei der dabei entstehende Laderaum einen durchgehenden Boden hat.

Optisch macht dieses Auto einen überzeugenden Eindruck und passt mit seiner schnörkellosen klaren Linie, den großzügigen Fenstern, den groß dimensionierten Scheinwerfern und dem hohen Heck mit den vertikal angeordneten Rückleuchtengruppen gut in die Landschaft. Auch innen zeigt sich dieses Auto ansprechend gestaltet. Dieses Design hat zwei Quellen. Denn die Gesamtlinie des City Rover stammt von den Mailänder IDEA-Designstudios. Die spezielle Rover-Optik wurde dazu allerdings von Rover entwickelt. Doch der City Rover ist, auch wenn er betont europäisch auftritt, kein Europäer.

Gebaut wird er nämlich bei Tata in Indien – in einem kleinen aber hochmodernen Werk in Puna. Dort hat er unter dem Namen Indica als erstes indisches Auto unter indischem Markenzeichen, das in allen technischen Elementen den aktuellen Weltstandards entspricht, bereits Karriere gemacht.Für MG Rover bot sich mit dem Indica angesichts beschränkter eigener Entwicklungskapazitäten und auch mit Blick auf die hohen Kosten, für eine Neuentwicklung eine gute Chance, durch eine Kooperation mit Tata die Lücke im eigenen Modellprogramm zu füllen – mit einem Auto, das, auch wenn es in Indien vom Band rollt, in seinen Grundelementen dank der Aktivitäten von IDEA rundum europäisch ist. Auch das Werk, in dem der City Rover entsteht, entspricht neuesten Standards. Es handelt sich um ein von Nissan in Australien errichtetes Werk, das, da Nissan es nicht mehr brauchte, von Tata erworben und in Puna wieder aufgebaut wurde.

Vier Versionen für Europa

So viel zum Hintergrund des kompakten frontgetriebenen City Rover, der erst einmal mit einem 1.4-Liter-Benziner mit einer Leistung von 63 kW (85 PS) an den Start geht, der bei 3000/min sein höchstes Drehmoment von 115 Nm liefert und den kompakten Rover bis zu 160 km/h schnell machen soll. Geschaltet wird mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe. Sehr viel Mühe hat man bei Rover aufgewandt, um das Fahrwerk mit vier einzeln aufgehängten 14-Zoll-Rädern und Federbein-Vorderachse sowie Schräglenker-Hinterachse optimal an europäische Bedürfnisse anzupassen. Dafür hat man es ein wenig tiefer gelegt und Federn und Dämpfer ganz neu abgestimmt. Das Ergebnis soll ein unkompliziertes und sicheres Fahrverhalten mit einem ordentlichen Fahrkomfort sein, wobei alle Modelle bis auf die Basisversion auch mit einer Servolenkung ausgestattet sind. Und gebremst wird mir Scheiben vorn und Trommeln hinten, je nach Ausstattungsvariante auch mit Unterstützung durch ein ABS.

Vier Versionen hat Rover für den europäischen Markt vorgesehen – die Basisversion Solo, die besser ausgestatteten Versionen Sprite und Select, von denen Sprite mehr sportlich und Select mehr komfortbetont ausgelegt ist, und die Spitzenversion Style, die unter anderem auch mit Lederausstattung verfügbar sein wird.

Die Basisausstattung wird unter anderem Fahrer-Airbag und Gurtstraffer vorn, ein Audio-System mit Cassetten-Teil, ein abschließbares Handschuhfach, einen Heckscheiben-Wischer, getönte Scheiben, eine vierstufige regelbare Heizung und Belüftung und Fernentriegelungen für Heck- und Tankklappe bieten. Die drei besser ausgestatteten Varianten haben durchweg eine Servolenkung, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und ein Audio-System mit CD-Player und als Sprite unter anderem Leder-Lenkrad, Leichtmetallräder, Nebelscheinwerfer und Heckspoiler und als Select vier elektrische Fensterheber und eine Klimaanlage. Das Top-Modell Style hat auch ABS und Beifahrer-Airbag. Allerdings ist derzeit noch nicht exakt festgelegt, wie die Ausstattungen für den deutschen Markt genau aussehen werden, denn für den Indica sind zum Beispiel auch Seitenairbags und viele weitere Ausstattungsdetails verfügbar. Deshalb gibt es auch noch keine endgültigen Preise. Doch auf jeden Fall wird die Preisliste unter 11 000 Euro beginnen. Und das macht den City Rover zu einem durchaus interessanten Angebot in seiner Klasse.

Bevor der allerdings zu den Rover-Händlern rollt, werden die eine attraktive aufgemacht neue Variante auf der Plattform des Rover 25 in ihre Verkaufsräume stellen – den Streetwise. Optisch gibt der sich wie ein kleiner Off-Roader. Stattet man diese offenbar sehr beliebten kompakten Sports Utility Vehicles (SUV) allerdings mit Allradantrieb aus, dann werden sie automatisch recht teuer. Doch nur die wenigsten Käufer brauchen die Allrad-Technik – ihnen reicht die passende Optik, da sie eigentlich nur auf ausgebauten Straßen fahren. Und in genau diese Lücke zielt MG Rover mit dem neuen Rover Streetwise. Denn er begnügt sich mit zwei angetriebenen Rädern.

Nur die Optik ist Offroad

Doch optisch tritt er mit straff gefedertem höher gelegtem Fahrwerk mit groß dimensionierter Bereifung, vergrößerter Bodenfreiheit und Frontgrill und Stoßfängern mit auffallender Optik, die aus unlackiertem grauen Kunststoff bestehen, wie ein kleiner Geländewagen an. Das ist eine für Rover völlig neue aber nach den ersten Bildern durchaus attraktive Optik. Vom Rover 75 übernommen hat der Streetwise die Dachreling, so dass man auf dem Fahrzeugdach bis zu 65 Kilogramm Gepäck transportieren kann. Je nach Ausstattungsvariante – es gibt insgesamt drei – steht der Rover Streetwise auf 15-Zoll-Stahlrädern oder 16-Zoll-Leichtmetallrädern. Innen hat er vier Sportsitze, im Fond zwischen den Sitzen eine spezielle Mittelkonsole eine asymmetrisch geteilte Rückbanklehne. Wer den Streetwise als Fünfsitzer nutzen möchte, bekommt auf Wunsch eine Rückbank für drei Personen mit drei Dreipunkt-Sicherheitsgurten. Und wer sich für die höchste Ausstattungsversion entscheidet, bekommt unter anderem Ledersitze statt der sonst angebotenen Stoffsitze.

Bei den Motoren setzt man für den Streetwise zunächst auf Benzinmotoren, denen schon bald auch ein Diesel folgen wird. In Großbritannien geht das Auto mit 1,4-Liter-Benzinern aus Aluminium aus der K-Serie mit 62 und 76 kW (84 und 103 PS) an den Start. Außerdem gibt es den 74 kW (101 PS) leistenden Turbodiesel der L-Serie. Alle drei Motoren sind mit einem Fünfganggetriebe kombiniert. Diesen drei Motoren tritt später ein 1,8-l-Benziner der K-Serie mit stufenloser Automatik zur Seite. Noch ist nicht exakt festgelegt, wie die Varianten für den deutschen Markt aussehen werden, wo der Streetwise am 2. Oktober antreten wird. Und auch die Preise sind noch offen. Sie werden aber bei rund 15 995 Euro beginnen.

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