Schule : Ein Tag reicht für Neugierige kaum aus

Richtige Überraschungen sind zwar selten bei der IAA - aber attraktive Neuheiten gibt es mehr als genug

Ingo von Dahlern

NEUES VON DER INTERNATIONALEN AUTOMOBILAUSSTELLUNG

So richtige Überraschungen zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main sind selten geworden. Denn die meisten Neuheiten werden heute bereits in den Wochen vor der immerhin größten und wichtigsten Autoausstellung weltweit gezeigt. Gewiss, da wird dann zur Eröffnung noch die eine oder andere Studie und auch manches attraktive Showcar vorgestellt. Aber viele der diesjährigen IAA-Neuheiten konnten wir bereits kurz vor der Eröffnung bei ersten Probekilometern fahren – etwa den kompakten neuen Citroën C2, den Mazda 3 in der Golf-Klasse, den neuen Fiat Panda, das Cabrio Coupé sowie den geräumigen Kombi und das Stufenheckmodell des Renault Mégane – oder bereits in allen Details betrachten, wie den neuen Golf bei seiner Weltpremiere in „Golfsburg“ und den neuen Opel Astra mit seinem besonders attraktiven und sehr dynamischen Design. Und selbst so überraschende Studien wie der Roadster Concept R von Volkswagen zeigten sich schon wenige Tage vor der IAA.

Die behält trotzdem ihren ganz besonderen Reiz. Denn nirgendwo anders kann man in den nächsten Tagen alles, was neu ist in der Automobiltechnik weltweit, an einem Ort finden. Und nirgendwo hat man so viele Möglichkeiten, sich über neue Techniken unterm Karosserieblech unserer Autos so umfassend zu informieren wie auf der IAA, die zahllose Blicke hinter die Kulissen erlaubt und auch viele kompetente Gesprächspartner aufbietet, die man befragen kann. Und fasst man alles zusammen, dann gibt es in diesem Jahr in Frankfurt eine solche Fülle von Neuheiten, dass ein Tag auf der Schau für Neugierige kaum ausreicht.

Opel will zurück in die Oberklasse

Schon vorgestellt haben wir Golf V und Opel Astra, die einmal mehr bestätigen, dass auch in der kompakten Mittelklasse heute Ausstattungen, die früher der gehobenen Klasse vorbehalten waren, Standard geworden sind – wie die aufwändige Klimaautomatik beim neuen Golf oder aber auch das adaptive Kurvenlicht beim neuen Astra. Zu den Neuheiten bei VW zählen neben der Studie eines GTI mit rund 147 kW (200 PS) auch der Polo Fun mit Off-Road-Touch und die Langversion des Phaeton mit zwölf Zentimeter längerem Radstand. Opel zeigt den geräumigen Vectra Caravan und untermauert mit der Studie Insignia das Ziel, in die gehobene Klasse zurückzukehren.

40 Jahre 911 feiert man bei Porsche mit einem Sondermodell und der GT2 zeigt sich mit auf 208 kW (283 PS) erstarktem Triebwerk. Ford lockt mit der Coupé-Studie Visos und präsentiert seinen soeben erst in den Verkauf gegangenen kompakten Minivan C-Max, für den es auch einen Diesel mit Partikelfilter gibt, sowie den facegelifteten Mondeo mit seinem SCi-Benzindirekteinspritzer. Aus München kommen der kleinere Bruder des in Amerika gebauten X5, der neue X3, der bei Magna-Steyr in Graz gebaut wird und das Luxuscoupé 645 Ci. Der nicht weit entfernte Ingolstädter Konkurrent zeigt den S4 als Cabrio, das Top-Modell 3.2 Quattro des A3 mit Direktschaltgetriebe und als Blickfang den Hochleistungssportler Audi Le Mans mit seinem 449 kW (610 PS) leistenden 5,0-l-Zehnzylinder mit Benzindirekteinspritzung und seinen eigenwilligen LED-Scheinwerfern, der durchaus Chancen hat, in Serie zu gehen.

Viersitziges Coupé mit vier Türen

Bleibt aus deutschen Fabriken noch Mercedes-Benz mit dem Showstar SLR McLaren. Viel interessanter für breitere Kreise ist allerdings die Studie Vision CLS – ein viersitziger Viertürer in der Linie eines Coupés, das zwischen E- und S-Klasse angesiedelt ist und zeigt, in welche Richtung sich das Mercedes-Design entwickeln wird. Und neben den neuen Top-Modellen CL und S 65 AMG tritt bei den klassischen Vans der neue Viano an und bei der Tochter Smart zeigt sich der viersitzige Viertürer Forfour in seiner Serienversion.

Obwohl die deutschen Hersteller den Inlandsmarkt in weiten Bereichen beherrschen, ist die Konkurrenz der Importeure zusehends stärker geworden. Und besonders erfolgreich sind unsere westlichen Nachbarn aus Frankreich, Sowohl Renault als auch PSA Peugeot/Citroën schwimmen auf einer wahren Erfolgswelle, zu der sicher auch eine erheblich verbesserte Qualität und ein sehr attraktives Design beitragen. Sehr gut angekommen auch bei uns ist der neue Renault Mégane, dessen Modellpalette nun um ein Stufenheckmodell und den Kombi Mégane Grandtour erweitert wird und außerdem um ein wegweisendes Cabrio-Coupé, dessen stabiles versenkbares Vario-Dach erstmals aus Glas gefertigt ist.

Dem neuen kompakten Minivan Scénic tritt nun, wie bereits beim klassischen Espace, eine größere Version mit verlängertem Radstand und sieben Sitzen zur Seite. Und auch bei den Dieselmotoren hat sich Renault eine Spitzenposition erarbeitet, bietet erstmals auch ein Partikelfilter an, das ohne Additive arbeitet. Erstmals die Abgasnorm EU4 erfüllt Peugeot mit einem 100 kW (136 PS) leistenden Zweiliter-Turbodiesel im 307 und mit dem 307 CC tritt neben den 206 CC nun ein vollwertiger Viersitzer mit metallenem Vario-Dach. Sehr viel attraktiver nach einem Facelift zeigt sich zudem das 406 Coupé.

Bei Fiat mehren sich die Anzeichen, dass Turin die schwere Krise überwinden kann. Mit dem neuen Panda sowie dem Minivan Idea auf Punto-Basis unterstreicht Fiat seine führende Rolle bei den Klein- und Kompaktwagen. Und der moderne 51 kW (70 PS) leistende 1,3-Liter-Multijet-Turbodiesel als derzeit kleinster Common-Rail-Diesel arbeitet nicht nur unter Fiat- und Alfa-Motorhauben und künftig auch bei Lancia, sondern auch in zahlreichen Opel-Modellen. Während bei Alfa das viersitzige GT Coupé nun in seiner endgültigen Version Premiere hat und sich der große 166 mit neuer Optik präsentiert, zeigt Lancia neben dem kompakten aber trotzdem edlen Ypsilon eine Studie des klassischen Fulvia.

Aus Spanien kommt von der VW-Tochter Seat die sehr attraktive und sportliche Kompaktvan-Studie Altea, die von der Serienversion nicht mehr weit entfernt ist. Und aus dem hohen Norden bringt Volvo die neue Generation des kleinen S40, die sich optisch an die größeren Modelle S60 und S80 anlehnt. V50 soll sich eine im nächsten Jahr erscheinende Kombi-Variante nennen, ein Gebiet auf das sich auch Saab mit einer Kombi-Studie des 9-3 wagt, die dem künftigen Serienmodell bereits sehr nahe ist. Nach der Einführung der ersten Diesel in der Markengeschichte kommt von Jaguar nun mit dem X-Type Estate auch ein Kombi. Und Ford-Tochter Land-Rover zeigt den Freelander in neuem Outfit, das ihn näher an die übrigen Modelle heranrückt.

Japaner im Aufwind

Erstaunliche Zuwachsraten in Europa und auch Deutschland können viele Fernost-Marken verzeichnen – allen voran Toyota. Der japanische Marktführer stellt in diesem Jahr mit dem neuen Prius sowie der Roadster-Studie CS&S den Hybridantrieb in den Mittelpunkt und präsentiert außerdem im Avensis 2.0 D-Cat ein neues Abgasreinigungssystem mit Partikelfilter und die Toyota-Tochter Daihatsu zeigt den kleinen Roadster Copen. Renaults-Allianz-Partner Nissan brilliert mit dem neuen Sportler 350Z und zeigt den überarbeiteten X-Trail sowie den kompakten Micra mit neuen Dieselantrieben. Ihren ersten in eigener Regie entwickelten modernen Turbodiesel mit 140 PS präsentiert die japanische Marke Honda im Accord i-CTDi, die außerdem den kompakten Civic gründlich überarbeitet hat. Mitsubishi füllt mit dem neuen Lancer eine seit zwei Jahren bestehende Lücke im Programm und ersetzt mit dem rundum gewachsenen Modell auch den Carisma, auf dessen Produktionsbändern in den Niederlanden künftig neben dem Smart Forfour auch die Europaversion des Mitsubishi Colt gebaut werden wird. Neu bei der Marke mit den drei Diamanten ist zudem der Minivan Grandis. Und mit dem Mazda3, der seine Plattform unter anderem mit dem neuen Focus teilt, kommt aus Hiroshima, wo man mit dem RX8 die Wankel-Tradition pflegt, ein ernst zu nehmender Golf-Konkurrent.

V6 für den Legacy

Allradspezialist Subaru, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird, zeigt seinen neuen Legacy und die auf dessen Kombiversion basierende SUV-Variante Outback mit überarbeitetem Sechszylinder-Boxermotor, den es künftig auch im Legacy geben wird. Neu ist zudem der kompakte Justy, der zusammen mit seinem Schwestermodell bei Suzuki in Ungarn gebaut wird. Neuestes Modell bei Suzuki ist die neue Generation des Ignis, unter deren Motorhaube erstmals auch der 1,3-Liter-Multijet-Turbodiesel von Fiat arbeitet.

Beachtliche Zuwachsraten insbesondere auch auf dem deutschen Markt konnten die koreanischen Marken erreichen, allen voran Hyundai mit seiner Tochter Kia. Während Kia seinen neuen Kleinwagen Picanto vorstellt, zeigt Hyundai die Coupé-Cabrio-Studie CCS mit dreiteiligem Vario-Glasdach. Daewoo, inzwischen unterm GM-Dach, präsentiert nach neuem Evanda und Nubira nun den ebenfalls von Giugiaro in Italien gezeichneten Lanos-Nachfolger Lancetti. Und wieder da als unabhängige Marke ist Ssangyong mit Korando, Musso und dem neuen Rexton.

Um komplett zu sein, ist schließlich ein Blick in die Neue Welt nötig. GM-Luxusmarke Cadillac ist mit dem Allradkombi SRX dabei und Chevrolet mit einer letzten Edition des aktuellen Corvette, der im nächsten Jahr abgelöst wird. Neue Akzente gibt es bei den Amerika-Marken von DaimlerChrysler. Besonders interessant ist dabei sicher die Kombiversion der künftigen Oberklasselimousine 300 C, mit der man auf der technischen Basis der E-Klasse von Mercedes-Benz zum Hinterradantrieb zurückkehrt. Zudem feiert man 20 Jahre Voyager, ein Doppeljubiläum, denn zugleich kann man zehn Millionen Voyager feiern – den Urvater der klassischen amerikanischen Minivans, der vor zwei Jahrzehnten parallel zum europäischen Renault Espace Basis einer ganz neue Fahrzeugkategorie werden sollte.

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