Schule : Ein Wohlfühlfahrerlebnis

Der neue Hyundai Grandeur ist ein Auto für Menschen, die genießen möchten

Helmut Schümann

Der Aschenbecher des neuen Hyundai Grandeur ist viel zu klein. Der Aschenbecher ist ein Witz. Völlig unbrauchbar.

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, der Autotester sei völlig durchgeknallt, dass er sich über so eine Nichtigkeit wie einen winzigen Aschenbecher echauffiert – gemach. Das hat seine Gründe.

Der Autotester hat den Hyundai Grandeur an einem durchwachsenen Herbsttag in Brandenburg getestet. Das heißt, er ist ihn gefahren. Test setzt Kompetenz und Kenntnisse voraus, in beiden Punkten reicht es nur zur Autofahrfähigkeit. Trotzdem, schon mal vorweg: Es war ein Wohlfühlfahrerlebnis. Ab und an hat der Tester angehalten, ist rechts ran gefahren und hat sich ein paar Notizen gemacht. Auf dem Block steht zum Beispiel: Viel Platz im Innenraum. Um es deutlich zu sagen, es ist viel Luxus im Innenraum. Luxussitze, die sind aus Leder und mehrstufig beheizbar, was im Herbst in Brandenburg sehr angenehm sein kann. Super bequem sind sie auch. Lederlenkrad mit Wurzelholz-Dekor, das ist auch Luxus. Luxus Raumangebot, soll heißen, es ist viel Platz. Einmal hat sich der Tester auch spaßeshalber hinten reingesetzt - also, er hat schon eingeschränkter gewohnt. In den Kofferraum passen 523 Liter, Herd und Kühlschrank wären also schon mal untergebracht.

Dann steht auf dem Block der etwas kryptische Satz: Das Auto gibt nicht an. Also, der Wagen hat alles, was eine Limousine der Oberklasse braucht. Komfort, CD-Audioanlage mit sechs Lautsprechern, acht Airbags, aktive Kopfstützen, ein elektronisches Stabilitätsprogramm. Solche Sachen halt. Was der Grandeur nicht hat, er hat keinen Schnickschnack, er hat nichts, was die Welt des Autos nicht braucht, also etwa Kameras, die beim Rückwärtsfahren das rückwärtig Geschehen live nach vorne übertragen. Dieses Understatement, mit dem das Auto auch optisch daher kommt, ist sehr angenehm.

Noch eine Notiz vom Notizblock: Irre Beschleunigung. Von 0 auf 100 km/h geht es ja noch, da ist er in 7,8 Sekunden, schneller ist auf Brandenburgs Landstraßen eh nicht erlaubt, und die 237 km/h Spitzengeschwindigkeit, konnte nicht ausprobiert werden, der Tester nimmt aber mal an, dass es dann innen nur unwesentlich lauter ist als sonst auch im Luxus geräuschgedämmten Fahrzeug. Aber dann: Kurz vor Rheinsberg nervt ein LKW auf der Landstraße. Überholmöglichkeiten sind selten. Aber wenn sie da sind, hui, dann geht es dahin im Hyundai Grandeur. Ausgeschert, angetippt, eingeschert, von 60 km/h auf 100 km/h braucht er lediglich 4,6 Sekunden. Und schon ist Schoss Rheinsberg in Sicht. Gut anzunehmen, dass Tucholsky auch seinen Spaß gehabt hätte mit so einer hübschen Landpartie.

Nun zum Aschenbecher. Autopräsentationen haben meist Eventcharakter. Das stählt das Urteilsvermögen der angenehm unterhaltenen Tester. Und das soll irgendwie in Einklang zu bringen sein mit dem Image des Autos, was wiederum wichtig ist für die Zielgruppe. Die Grandeur-Präsentation nannte sich kulinarischer Dreisprung. „Für den einen zeigt sich Luxus in einem erlesenen Glas Wein“, stand in der Einladung, „der andere findet ihn in einem wohlschmeckenden Käse und wieder andere schwören auf das besondere Aroma einer ganz bestimmten Zigarrensorte.“ Die Zigarren gab es in Kremmen. Sie wurden handgedreht, Coronas, ein Genuss. Was wollen uns die koreanischen Autobauer damit sagen?

Dass der Grandeur ein Auto ist für den Mensch, der genießen möchte, ohne angeben zu brauchen. Wer möchte da nicht zugehören? Wollen wir nicht alle Hedonisten sein, die den Käse am Geschmack erkennen, die Frucht im Abgang identifizieren und im Rauch der Corona Kuba riechen? Wollen wir nicht? Dann nicht, das Auto eignet sich mit seinem großzügigen Innenraum auch zur Familienkutsche. Gedacht ist er gleichwohl für die, deren Kinder schon groß sind. Die gelassen durch die Welt gehen, nicht auffallen, aber gut essen, gut trinken, gut rauchen. 4 Meter 90 ist der Grandeur allerdings lang, damit fällt man schon ein wenig aus dem normalen Parkplatzrahmen. Trotzdem, wenn der Tester ohne Einstimmung notiert, dass der Wagen nicht angibt, scheint das Ziel ja erreicht zu sein. 250 solcher Hedonisten, sprich Käufer, will Hyundai noch in diesem Jahr finden, das Ziel für 2006 ist bei 500 Genießern erreicht. Für einen nichtangeberischen Luxusliebhaber ist im Übrigen der Preis angemessen: 36 450 Euro. Man will ja nicht protzen.

Nur, was machen mit der Corona? Die passt unter gar keinen Umständen in den Aschenbecher. Man könnte sogar sagen, dass eine Corona und der Aschenbecher des Hyundai Grandeur komplett unvereinbar sind. Man könnte aber auch sagen, dass der Genuss einer Corona im Grandeur überflüssig ist. Den Grandeur genießt man auch ohne Corona, Wein und Käse.

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