Schule : Eine berufliche Perspektive geben

Wie sich eine bisherige Hauptschule zur Sekundarschule wandelt

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Hauptschule ade, Start frei für neue Unterrichtsideen. Die Heinz-Brandt-Schule gehört zu den 15 Hauptschulen, die nicht mit Realschulen fusionieren, sondern die Umwandlung zur Sekundarschule aus eigener Kraft stemmen sollen. Rektorin Miriam Pech sieht darin weniger Nachteile als viele andere. „Es ist eine Aufwertung, mit der wir die Möglichkeit haben, unser Schulprogramm auszubauen und auch für andere attraktiv zu werden.“

Längeres, gemeinsames Lernen in kleineren Klassen, Praxisstunden und die Zusammenarbeit mit Betrieben und Oberstufenzentren sollen Schülern eine berufliche Perspektive geben. Das seien die Stärken der Sekundarschule, heißt es. Die Weißenseer Heinz-Brandt-Schule hat sich die Berufsvermittlung schon lange ganz oben auf die Agenda gesetzt. Was sie jetzt verändern will? „Unser Profil mehr im Sinne einer Berufsakademie schärfen“, sagt Pech. Kontakte zum Wirtschaftskreis Pankow sind schon geknüpft.

Duales Lernen, wie die Reform es vorsieht, praktiziert die Schule ebenfalls schon länger. Im Rahmen ihres Berufsorientierungskonzepts verbringen die Siebtklässler zwei Wochenstunden mit gemeinnütziger Arbeit in einem Heim, einer Suppenküche oder Behindertenwerkstatt, um soziale Kompetenz zu lernen. In Klasse acht und neun absolvieren sie je ein dreiwöchiges Betriebspraktikum, bevor sie sich in der zehnten Klasse in einem Tagespraktikum einmal wöchentlich in die Abläufe eines Betriebs einarbeiten. „Wir hatten schon Kinder, die trotz schlechter Noten den Ausbildungsplatz in ihrem Praktikumsbetrieb bekommen haben, weil sie dort überzeugt haben“, sagt Pech.

Um allen Schülern innerhalb einer Lerngruppe gerecht zu werden, bekommen alle Schüler wöchentlich einen Förder- bzw. Forderungsplan, den sie mitentwickeln können und in dem ihre Stärken und Schwächen berücksichtigt werden. Im Blockunterricht werden die Inhalte vermittelt: Basisstunden in Mathe, Deutsch und Englisch. Neu wird dabei das sogenannte Logbuch sein, in dem das Programm eines jeden Schülers dokumentiert wird. „Lernbüromethode unter fachlicher Betreuung nennt sich die Unterrichtsform“, sagt Konrektorin Daniela Strezinski. Ziel sei es, bei den Schülern das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen in speziell dafür eingerichteten Fachräumen zu fördern. Das sei zwar aufwendig, aber mit maximal 25 Schülern möglich. Zum Blockunterricht hinzu kommt fächerübergreifendes Arbeiten zu einem Thema, wie zum Beispiel Klimawandel. Trainieren, Fordern, Fördern heißt es dann täglich am Nachmittag für 40 Minuten vor Schulschluss um 15.40 Uhr, wenn die Schüler den Tag nacharbeiten, Vokabeln lernen und am Ende ohne Hausaufgaben nach Hause gehen.

Auf den Wechsel zum Nachmittagsbetrieb hat sich die Schule vorbereitet. Den gibt es dort bereits an zwei Tagen pro Woche – finanziert aus dem Schulbudget. An den Nachmittagen wählen die Schüler zwischen AGs. Den Bandunterricht in Rock- und Popmusik leitet die Rektorin selbst. Jetzt entsteht noch für drei Millionen Euro ein Neubau mit Mensa.

„Uns ist klar, dass wir erst einmal keinen Massenandrang von Gymnasiasten zu erwarten brauchen“, sagt Pech. Wir richten unseren Fokus auch nicht nur auf mögliche Abiturienten, die kommen. Wir sind eine Schule für alle.“ Ein besonderes Angebot für zukünftige Gymnasialkinder ist ab der siebten Klasse Russisch oder Spanisch als zweite Fremdsprache – im erweiterten Wahlpflichtunterricht von vier statt drei Stunden pro Woche. Für die Schüler, die nach der zehnten Klasse weitermachen und das Abitur ansteuern wollen, kooperiert die Schule mit der angesehenen Marcel-Breuer-Schule, einem Oberstufenzentrum für Holztechnik in Weißensee. Hadija Haruna

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