Eine Chance für afghanische Mädchen : Schöneberger Schüler sammeln für eine Schule

Katja Gartz

„Wir wollen etwas tun, den Kindern in Afghanistan helfen“, sagt Achmed. Seit zwei Jahren engagiert er sich mit 14 Schülern der Schöneberger Georg-von-Griesche-Realschule in einer Arbeitsgemeinschaft für den Aufbau einer Mädchenschule südwestlich von Kabul. Auslöser waren Fernsehbilder, die ihnen das Leben am Hindukusch näher brachten.

Über die Bildungssituation in Afghanistan haben sie sich besonders informiert. „Viele Mädchen gehen nicht zur Schule, sie müssen auf dem Feld arbeiten oder Wasser holen“, erklärt der 15-Jährige. Auch im Dorf Kohna Khomar, wo die Mädchenschule gebaut werden soll, gibt es nur eine Jungsschule. Die rund 400 Mädchen können kaum etwas lernen.

Um darauf und auf den Lebensalltag aufmerksam zu machen, konzipierten die Schüler eine Ausstellung. Fotos, Texte, Exponate sowie Gegenstände aus Privatbesitz berichten über den Islam, Flüchtlinge, Krieg und Opium. Damit die Ausstellungsbesucher erfahren, wie wertvoll Trinkwasser ist, stellen die Schüler eine stark verdreckte, schwer begehbare Leiter auf, die zu einer mit Wasser gefüllten Schatztruhe führt. „Nur ein Drittel der Menschen hat sauberes Trinkwasser“, berichtet Celvin, der sich durch Bücher, Zeitungen und Internet Wissen angeeignet hat. Dabei lernen sie nicht nur vieles über Afghanistan. „Inzwischen haben die Schüler viel mehr Interesse an Politik“, sagt Heiner Hütsch, der Leiter der Afghanistan-Ag. Der pensionierte Lehrer kennt die Situation vor Ort, er war bereits mehrmals am Hindukusch.

Ausstellungsbesucher begegnen den allgegenwärtigen Minenfeldern, wenn sie über rote Felder gehen. „Darauf reagiert ein Bewegungsmelder mit lauten Alarmsignalen als Zeichen für tödliche Gefahr“, erklärt der 15- jährige Julius. Zu sehen war die Ausstellung „Afghanistans helle Sterne – Leben und Überleben in Afghanistan“ bereits im Dresdener Barockschloss Rammenau und in der Sternwarte am Insulaner. Im Frühjahr soll sie in der Afghanischen Botschaft in Berlin gezeigt werden.

Um die Mädchenschule zu realisieren, arbeiten die Schüler mit dem Berliner Verein Afghan zusammen. Gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden und Ingenieur Safi Baborie, der in Deutschland und Afghanistan aufwuchs, hat Lehrer Hütsch den Verein 2002 gegründet. Ihr Ziel ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Die Dorfältesten befürworten die Mädchenschule und wollen tatkräftig mitwirken“, sagt Hütsch. Der erste Grundstein dafür ist bereits gelegt. Den Aufbau des Schulgebäudes finanziert Unicef. Für Inneneinrichtung, Toiletten, Solar- und Trinkwasseranlagen will der Verein mithilfe von Spenden 25 000 Euro aufbringen. Eine Schule aus Baden-Württemberg hat das Mobiliar gestiftet.

Auch die Schüler der Griesche-Schule sammeln mit ihrer Ausstellung und Aktionen auf Märkten Geld für die Mädchenschule. Für ihr Engagement sind sie beim diesjährigen Wettbewerb „Demokratisch Handeln“ der Theodor-Heuss-Stiftung ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde ihr Einsatz auch von der Bundesbildungsministerin. Derzeit erweitern die Schüler ihre Ausstellung und planen eine afghanische Nacht mit Lesungen, Musik, Filmen und landestypischem Essen.

Mehr Informationen unter: www.afghanev.de

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