Schule : Eine ganze Klasse größer geworden

Der Mitsubishi Lancer der neunten Generation muss auch den Carisma ersetzen

Ingo von Dahlern

Lancer, das ist ein Modell im Mitsubishi-Programm, dessen Name einen guten Klang hat – seit nunmehr drei Jahrzehnten. Seit 1977 gibt es dieses Modell auch in Deutschland. Und mit 205 000 Zulassungen gehört der Lancer zu den erfolgreichsten Modellen der Marke mit den drei Diamanten auf dem deutschen Markt. Besonders interessant ist, dass von diesen Autos immer noch mehr als 110 000 fahren – das spricht für Robustheit und lange Haltbarkeit des Lancer, der zudem zu den Erfolgsmodellen im Rallyesport gehört. Doch trotz so vieler Pluspunkte verschwand er 2001 aus dem Programm – ohne einen Nachfolger. Eine schmerzliche Lücke, die nun allerdings geschlossen wird.

Denn an diesem Wochenende kehrt der Lancer zurück. Nach dem im Frühjahr eingeführten überarbeiteten Pajero und dem erst im Mai eingeführten Crossover-Modell Mitsubishi Outlander können die deutschen Mitsubishi-Händler damit in diesem Jahr bereits die dritte Modellneuheit präsentieren. Und die füllt nicht nur die seit 2001 bestehende Lücke, sondern tritt zugleich auch als Nachfolger für den im niederländischen Mitsubishi-Werk in Born gebauten Carisma an. Denn der muss Platz machen für den viersitzigen Smart Forfour und den mit diesem die Plattform teilenden neuen europäischen Mitsubishi Colt.

Um seine Doppelrolle zu erfüllen, musste der Lancer wachsen. Und so machte seine nunmehr neunte Generation einen gewaltigen Sprung in die nächsthöhere Klasse. Allein in der Länge wuchs der Lancer um 19 Zentimeter und legte bei der Höhe fünf und beim Radstand zehn Zentimeter zu. Mit nunmehr 4,48 Meter Länge, knapp 1,70 Meter Breite, 1,45 Meter Höhe und einem Radstand von 2,60 Meter ist aus dem bislang kompakten Lancer ein ausgewachsenes Mittelklasseauto geworden, das seinen Passagieren vorn und hinten sehr bequemen Platz bietet.

Als Stufenhecklimousine und Kombi

Ein Auto, das auf den ersten Blick erkennen lässt, dass es zur neuen Mitsubishi-Generation gehört. Denn es trägt das neue Mitsubishi-Familiengesicht mit geteiltem Frontgrill, großem silberfarbenen Markenlogo und der unübersehbaren Sicke in der Motorhaube. Gleich in zwei Karosserievarianten tritt der neue Lancer an – als klassische Stufenhecklimousine und als geräumiger Kombi, der, gerade einmal fünf Millimeter länger, in seinen Außenmaßen mit der Limousine so gut wie identisch ist.

Mitsubishis sehr ansprechendes neues Design gibt der japanischen Marke, die inzwischen zum weltweiten DaimlerChrysler-Verbund gehört, endlich einen eigenen Charakter – aber es ist insgesamt eher zurückhaltend, setzt auf Solidität statt auf modische Akzente. Das spürt man vor allem, wenn man im neuen Lancer Platz nimmt. Denn der wirkt mit seinen klaren Linien, dem übersichtlichen Instrumentenbrett mit seinen großen Rundinstrumenten, der Bedienung für Audio sowie Heizung und Lüftung auf der Mittelkonsole und den dezenten Applikationen in Anthrazit-Optik oder schwarzer Holz-Optik sehr elegant und solide – aber er lässt der Herz nicht spontan schneller schlagen.

Das vermag eher das kräftigste Triebwerk im Programm für den Lancer – der Zweiliter-Benziner mit einer Leistung von 99 kW (135 P), der vorerst allerdings dem Kombi vorbehalten ist. In einer Variante allerdings, die besonders sportlich und das auch durch die „Sport“-Ausstattung ausdrückt. Das bedeutet praktisch eine um 30 Millimeter tiefer gelegte Karosserie, eine Federbein-Domstrebe vorn, 16 Zoll große Fünfspeichen-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Dimension 195/50 und ein Momo-Lederlenkrad. Und dank der Fahrwerksmodifikationen lassen sich mit diesem Kombi auch enge Kurven flott und sicher umrunden und die Kraftreserven des stärksten Triebwerks im Lancer-Programm ausspielen. Das liefert bei 4500/min ein höchstes Drehmoment von 176 Nm und lässt den sportlichen Kombi binnen 10,0 Sekunden Tempo 100 und maximal 199 km/h erreichen. Allerdings hat diese Variante mit durchschnittlich 8,7 l/100 km auch den höchsten Verbrauch.

Ebenfalls in der Ausstattung „Sport“ verfügbar ist der Lancer 1,6. Unter seiner Motorhaube arbeitet ein 72 kW (98 PS) leistender 1,6-Liter-Benziner, der bei 4000/min ein höchstes Drehmoment von 150 Nm liefert. 12,6 Sekunden braucht der Kombi mit diesem Motor für den Spurt auf Tempo 100 und zum Stillstand kommt die Tachonadel erst bei 181 km/h. Der Durchschnittsverbrauch liegt mit 7,0 l deutlich unter dem des Zweiliter-Aggregats. Und bei ersten Probekilometern erwies sich das 1,6-Liter-Triebwerk als gut ansprechender kultivierter Motor, mit dem man den Lancer sowohl auf der Autobahn als auch in der Stadt zügig bewegen kann. Geschaltet wird wie beim 2,0-Liter mit einem sehr exakten Fünfgang-Schaltgetriebe.

Als Alternative zu diesem Schaltgetriebe gibt es sowohl für den Kombi als auch die Limousine in der Version 1,6 Comfort die intelligente Viergang-Automatik INVECS II, die sich sowohl dem Fahrstil des Lenkers als auch den aktuellen Fahrbahnbedingungen anpasst und mit der so genannten Sports-Mode-Schaltung ausgestattet ist. Ein sanft und ruckfrei schaltendes Getriebe, das sich für Lancer-Fahrer empfiehlt, die öfter im dichten Stadtverkehr unterwegs sein müssen und dafür in Kauf nehmen, dass die Beschleunigungswerte mit 13,6 Sekunden bei der Limousine und 15,1 Sekunden beim Kombi klar unter denen der Schaltgetriebeversionen mit 11,8 und 12,6 Sekunden liegen.

Dritter Motor im Lancer und nur verfügbar im Basismodell ist der bewährte 1,3-Liter mit einer Leistung von 60 kW (82 PS). Mit diesem Triebwerk ist der Lancer mit 13,7 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 171 km/h zwar kein Sprinter, aber trotzdem ein insgesamt agiles Auto, das mit durchschnittlich 6,5 l/100 zugleich der sparsamste Lancer ist. Noch sparsamer könnte dieses Auto sicher mit einem Diesel sein. Aber wie schon beim Outlander, so hat Mitsubishi auch beim Lancer keinen Selbstzünder eingeplant. Schade eigentlich, denn wenn auch bei den Limousinen, die mit dem Lancer konkurrieren, in Deutschland 94 Prozent einen Benzinmotor haben und dieser Anteil bei den entsprechenden Kombis bei 54 Prozent liegt – ein moderner Diesel könnte sicher dazu beitragen, die Lancer-Verkaufszahlen anzuheben.

Schon Basismodell komplett ausgestattet

Wie man es von Mitsubishi gewohnt ist, zeigt bereits das Einstiegsmodell eine sehr ordentliche Ausstattung. Denn ob ABS mit EBV, Front- Seiten- und Kopfairbags, Dreipunkt-Automatikgurte rundum, fünf Kopfstützen, Servolenkung, Klimaanlage mit Pollenfilter, höhenverstellbarer Fahrersitz oder Wärmeschutzverglasung – es hat bis auf Türgriffe in Wagenfarbe und Leichtmetallfelgen all das, was auch die 1,6-Liter-Comfort-Version bietet. Dazu gehört auch die asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne mit Durchlademöglichkeit zum 430 Liter fassenden Kofferraum. Wer mehr Platz braucht, der bekommt ihm im Kombi, in dem man die Neigung der Rücksitzlehne verstellen kann und den Kofferraum von 344 Liter auf maximal 1079 Liter vergrößern kann.

Bei 15 990 Euro für das 1,3-Liter-Basismodell beginnen die Preise für den Lancer, dessen 1,6-l-Comfortversion als Limousine und Kombi gerade einmal 1000 Euro mehr kostet. Mit 17 990 und 18 990 Euro stehen die beiden „Sport“-Kombis zur Wahl – das bedeutet rundum eine Menge Auto fürs Geld.

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