Schule : Eine Glocke verbindet

Wie Christen und Muslime gemeinsam feiern

Vivien-Lisa Bermel[Solenn Imbert],Chantal Hochgräber[Solenn Imbert],Efflamine Mazé[Einstein-Gymnasium]

Jeden Tag kommt Monsieur Rougé frühmorgens in die Kirche in Le Vieux Marché in der Bretagne und sieht nach dem Rechten. Es ist seine Leidenschaft, sich um die Erhaltung der dortigen Kirche zu kümmern. An jedem letzten Juliwochenende muss er dafür einen ganz besonderen Einsatz leisten: An diesen Tagen findet seit mehr als 55 Jahren eine christlich-muslimische Wallfahrt zur Kirche statt.

Bereits am Vormittag strömen hunderte Menschen ins Dorf. Auf dem Dorfplatz wird zum Zeichen der Vergebung ein Reisigbündel entzündet, das typisch bretonische Fest reicht bis spät in den Abend. Die erste Fürbitte bei der Messe am nächsten Morgen gilt dem Frieden zwischen Christen und Muslimen.

Bald folgt ein Spaziergang zu einer Quelle, die aus einem Stein mit sieben Löchern sprudelt. Die Legende besagt, dass sieben Brüder wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Doch da sie sich weigerten, von ihrem Glauben abzutreten, ließ der Kaiser sie lebendig in eine Höhle einmauern. Nach 177 Jahren wurden sie lebendig wiedergefunden.

Den Propheten Mohammed beeindruckte diese Geschichte so sehr, dass er den Brüdern die 18. Sure des Korans widmete. Für ihn waren sie ein Symbol der Wiederauferstehung und eines Lebens nach dem Tod – woran sowohl Christen als auch Muslime glauben.

Noch etwas anderes verbindet die Religionen: 1962 wurde Algerien eine muslimische Volksrepublik, weshalb die Glocken und Kreuze der französischen Besatzer abgebaut wurden. Die Glocke der ehemaligen Kathedrale von Algier wurde in die Bretagne verschifft.

Dort findet seit 1954 die erste christlich-muslimische Wallfahrt statt: Am 27. Juli wird sowohl der Brüder gedacht als auch das islamische Opferfest zelebriert. Ein Orientalist erkannte diese Parallele und organisierte eine Wallfahrt für die Annäherung der Religionen.

Heute gilt die Glocke als Symbol des Friedens zwischen den beiden Religionen. Jedes Jahr lockt sie hunderte Gläubige. Wir finden, dass die Idee der gemeinsamen Wallfahrt Potenzial hat und mit ein wenig Engagement ein Modell der Zukunft werden könnte.

Vivien-Lisa Bermel, Chantal Hochgräber, Solenn Imbert und Efflamine Mazé, Einstein-Gymnasium

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