Elternarbeit im Schulgarten : Grüne Oase neben dem Klassenzimmer

An der Treptower Bouché-Schule haben Eltern ein kleines Wunder vollbracht. Mit Fördergeldern und Sponsoren gelang es ihnen, eine ehemals öde Fläche neben der Grundschule in einen Erlebnisgarten umzuwandeln.

Beate Brehm
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Pflanzen, gießen, spielen. So hat sich Wolfgang Gässler (oben) das vorgestellt. Zweimal pro Woche trifft sich die Eltern-...

Bevor es losgehen kann mit der eigentlichen Gartenarbeit, wird im Garten der Treptower Bouché- Schule erst einmal gewässert. Kräftig, denn die Sonne hat die neuen Pflanzen ausgetrocknet und der Regen zwischendurch versickert schnell. Auch heute ist es warm, und da passt es den wartenden Schülern gut, dass der größte Teil des Gartens nachmittags im Schatten liegt.

Im hinteren Teil hat sich ein Grüppchen Drittklässler auf Holzstämmen niedergelassen und sortiert die Sammlung lebender Schnecken einer Mitschülerin. Weiter vorne, auf einem mit Bambus, Haselnuss- und Hartriegelsträuchern bewachsenen Hügel sitzen Lily, Jenny und Anna und tratschen. Eine massive Holzbrücke verbindet ihren Hügel mit einem zweiten, und auf dem stehen Schulleiter Thilo Rosenkranz, Landschaftsarchitekt Ulrich Godejohann und Wolfgang Gässler, Vater eines Zweitklässlers. Sie beraten, was zu tun ist, denn heute sind wieder Eltern und Schüler gekommen, um ihren Garten noch schöner zu machen – wie jede Woche.

Das alles war nicht immer so. Bis vor zwei Jahren gab es hier nur zwei kahle Hügel, verbunden durch die Holzbrücke, und ein paar Bäume. Aber dann kam Wolfgang Gässler, dessen Sohn gerade eingeschult worden war. Er sah das karge Stückchen Grün und dachte sich: „Da muss doch mehr drin sein.“ Der zweifache Vater wusste auch schon, was: Schüler und Eltern sollten gemeinsam einen Garten gestalten. Das kannte er bereits aus dem Kreuzberger Ölberg-Kindergarten, wo es seit sieben Jahren Gartennachmittage gibt. Spaß gemacht habe ihm das, sagt er, Gemeinschaftsgefühl gegeben natürlich auch, und er habe viel über Gartenarbeit gelernt. Deshalb wollte er so an der Grundschule weitermachen. Die Unterstützung für seinen Plan fand er schnell: Ein Grüppchen Eltern, deren Kinder ebenfalls den Ölberg-Kindergarten besucht hatten, und Rektor Rosenkranz.

Also machten sich Gässler und seine Mitstreiter auf die Suche nach Sponsoren und Fördergeldern. Sie wurden fündig: Pflanzen, Erde, Ausstattung und Honorar sind mittlerweile finanziert. Bei alldem, betont Rosenkranz, hätten die Eltern stets alles alleine gemacht.

Das Gartenprojekt der Bouché-Schule gibt es seit immerhin eineinhalb Jahren. Rund 100 Kubikmeter Lehm- und Mutterboden haben die ehrenamtlichen Gärtner in Handarbeit inzwischen auf die Hügel geschafft, 500 Büsche gepflanzt. Die Kinder haben immer mit angepackt, Rindenmulch gestreut, Löcher gegraben und Pflanzen eingesetzt.

Seit kurzem begrenzt ein bepflanzter Wall den Garten nach hinten hin. Hier entsteht das „Amphitheater“: Eine erste Reihe im Halbkreis angeordneter Baumstämme soll bald durch eine zweite ergänzt werden. Ebenfalls noch nicht ganz fertig, aber schon gespannt bestaunt ist das Iglu aus Weidenruten: Sie wurden an der Spree gesammelt, in den Boden gesteckt und zusammengebunden. Jetzt treiben sie neue Blätter.

Ein „Naturerlebnisgarten“ soll es werden, sagt Landschaftsplaner Godejohann, die einzige Honorarkraft hier. Die Kinder sollten „nicht nur das Optische, sondern auch den Nutzen“ der Pflanzen im Blick haben. Konkret heißt das: keine reinen Zierpflanzen, keine Blumenbeete – stattdessen Pflanzen, aus deren Ästen und Halmen später wieder gebaut werden kann, Haselnuss und Bambus zum Beispiel. Wie einen Gebirgsbach möchte Godejohann bald ein Rinnsal den Hügel hinunterfließen lassen, in einem Staubecken unter der Brücke auffangen und in einem „Versickerungsbecken“ mit speziellen Sumpfpflanzen wieder in die Erde laufen lassen. Die Schüler könnten dann den Kreislauf der Natur real beobachten.

Auf den beiden Hügeln tummeln sich mittlerweile Schüler mit Gießkannen. Andere verteilen Rindenmulch auf freie Stellen. Wolfgang Gässler steht in der Sonne, ein Strohhut schützt ihn, und beobachtet das Treiben. So habe er sich das vorgestellt, „alles auf freiwilliger Basis“. Auch die Namenspatronen der Grundschule wären wohl zufrieden gewesen, denn die Mitglieder der Berliner Familie Bouché waren allesamt Baumschulenbesitzer, Landschaftsplaner oder Gärtner. Beate Brehm

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