Schule : Elternausschuss will Umfrage zu Gewalterfahrungen verhindern

Schulen sollen den Fragebogen des niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer boykottieren

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Jetzt will auch Landeselternsprecher Günter Peiritsch eine Befragung von Neuntklässlern durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) verhindern. Denn die Fragen, die den Schülern vorgelegt werden sollen, sind – wie bereits berichtet – drastisch. Zum Beispiel: „Du wurdest mit Gewalt oder durch Androhung von Gewalt zu sexuellen Handlungen oder zur Duldung gezwungen … Wie oft in den letzten Monaten?“. Oder: „Jetzt geht es um das letzte Mal, als dir Gewalt angetan wurde. Denke also an die Tat, die am kürzesten zurückliegt: schwere Körperverletzung, sexuelle Belästigung … wo, wie viele Täter, Geschlecht, Alter der Täter?“ Peiritsch zitiert einen Psychologen, der wegen der Fragen vor einer „Retraumatisierung“ von Gewaltopfern warnt. Es sei schlimm genug, dass es eine derartige Umfrage des bundesweit bekannten Kriminologen Christian Pfeiffer schon einmal gegeben habe. Peiritsch hat nach eigenen Angaben erreicht, dass die Landeskommission gegen Gewalt an der Befragung Zweifel hegt. Er appelliert an die Kommission, offiziell Abstand zu nehmen.

Der Landeselternsprecher beanstandet auch, dass auf dem 30-seitigen Fragebogen die Klassenbuchnummer des Schülers vermerkt werden soll. Zwar habe das KFN ein „nachvollziehbares Konzept“ vorgetragen, wie die Anonymität gewahrt werden soll, „aber letzten Endes hält es der Landeselternausschuss mit dem Grundsatz, dass keine zuzuordnenden, persönlichen Daten eines Schülers das Schulgebäude verlassen dürfen“, so Peiritsch weiter. Zudem beanstandet er, dass die Schüler auch nach ihren Lehrern und Eltern befragt werden. Zu den Aussagen, die bearbeitet werden sollen, gehört etwa: „Ich habe gesehen, wie ein Elternteil den anderen mit dem Fuß getreten oder geschlagen hat.“

Der Landeselternausschuss fordert jetzt von der Landeskommission gegen Gewalt, die Befragung zu stoppen und spricht den Schulleitern die Empfehlung aus, einer solchen Befragung „nicht zuzustimmen“. Wie sich die Bildungsverwaltung zu der Befragung und den Bedenken der Eltern verhält, war am Montag nicht zu erfahren. Susanne Vieth-Entus

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