Elterninitiative : Kampf ums Gymnasium

Frau Gysi und andere Eltern sind auf Schulsuche. Sie wollen, dass ihre Kinder auch nach der sechsten Klasse nicht vom Gymnasiumauf die Gesamtschule wechseln müssen.

Susanne Vieth-Entus

Der Streit ist so alt wie die Europaschulen in Berlin: Sollen die Kinder nach der sechsten Klasse einer Europa-Grundschule zwischen Gymnasien und Realschule wählen können oder gemeinsam auf eine Gesamtschule wechseln? Aktuell wird diese Debatte an der Märkischen Grundschule in Reinickendorf geführt: Die Eltern kämpfen darum, dass ihre deutsch-französische Europa-Grundschule am Romain-Rolland-Gymnasium weitergeführt wird, das sich als Spezialschule für Französisch bewährt hat.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Es gibt bereits eine weiterführende deutsch-französische Europaschule, und zwar die angesehene Schöneberger Sophie-Scholl-Gesamtschule. Die allerdings befürchtet jetzt, dass sie künftig einen Teil des leistungsstarken Nachwuchses verlieren wird, wenn es eine direkte Konkurrenz durch ein Gymnasium gibt. Deshalb will sie, dass eine zweite Gesamtschule gefunden wird, die die steigende Nachfrage befriedigen kann.

Davon wollen die Reinickendorfer aber nichts wissen. Die Gesamtschulen im Bezirk böten doch gar nicht die Voraussetzung für die Übernahme der Europakinder, die in mehreren Fächern auf Französisch unterrichtet werden müssten: Keine der Gesamtschulen habe Französisch als erste Fremdsprache, gibt Brigitte Bach, Konrektorin der Märkischen Grundschule, den Eltern Rückendeckung.

Diese Argumentation allerdings verärgert die Leiterin der benachbarten Bettina-von-Arnim-Gesamtschule, Monika Beuerle: Sie biete sehr wohl Französisch als erste Fremdsprache, sei aber bisher erst einmal gefragt worden, ob sie Interesse habe, Europaschule zu werden.

Was den Streit pikant macht, ist der Umstand, dass die stärkste Kämpferin seitens der aufs Gymnasium drängenden Eltern ausgerechnet Gregor Gysis Ehefrau Andrea Gysi ist: Sie ist nicht nur Gesamtelternvertreterin, sondern auch selbst Betroffene, da für ihre Tochter gerade die Versetzung auf die Oberschule ansteht.

Dass sich für die Gymnasialversion ausgerechnet Frau Gysi starkmacht, die zwar längst aus der PDS ausgetreten ist, aber jahrelang für die Sozialisten im Bundestag saß, wundere sie nicht, meint dazu süffisant Katrin Schultze-Berndt, CDU-Bildungsstadträtin im Bezirk. Es sei doch bei den Linken üblich, „dass sie Wasser predigen und Wein trinken“.

Der Vorsitzende des Schulfördervereins, Johannes Ahrens, findet diesen Seitenhieb „nicht zielführend“. Es gehe doch nicht darum, den Gesamtschulen zu schaden, sondern darum, das Ausbluten des Europaschulzuges zu verhindern: Zurzeit verlasse ein Großteil der Kinder die Märkische Schule nach der vierten Klasse und wechsele auf grundständige Gymnasien ohne Europaschulzweig. Um sie zu halten, müsse man ihnen im Bezirk eine gute Alternative bieten.

Das letzte Wort hat nun die Senatsverwaltung für Bildung. Dem Vernehmen nach gehen ihre bisherigen Überlegungen dahin, einer Gesamtschule den Vorzug zu geben – allerdings nicht in Reinickendorf, sondern im Ostteil, da sich eine weitere Deutsch-Französische Europa-Grundschule in Mitte befindet. Susanne Vieth-Entus

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