Elternkolumne : Die Hand am Bremshebel

Der Sohn will Führerschein machen, der Vater nimmt ihn mit auf den Verkehrsübungsplatz. Tagesspiegel-Redakteur Andreas Austilat beschreibt eine Übung in Vertrauen.

Andreas Austilat

Diesmal habe ich einen richtigen Tipp. Da kann man was lernen über sich und seine Mitmenschen, und außerdem gibt es Nervenkitzel pur.

Der Junge will nämlich seinen Führerschein machen. Junge, habe ich also gesagt. Lass uns zusammen aufs Autoübungsgelände, da kriegst du schon mal ein Gefühl fürs Fahren. Wir sind also nach Hohenschönhausen, dort ist ein Übungsplatz, auf dem Anfänger ohne Führerschein ihre Runden drehen dürfen. Auf 30.000 Quadratmetern ist mit Reifenstapeln ein richtiger Parcours abgesteckt.

Die Beifahrer auf diesem Areal sind übrigens alle Männer. Es gibt sie dort in zwei Kategorien: Väter mit ihren Söhnen oder Töchtern und Männer mit ihrer Partnerin. Und alle diese Männer sitzen wahrscheinlich sonst auf dem Fahrersitz. Es ist also eine Menge Konfliktpotenzial unterwegs. Dafür ist es erstaunlich ruhig.

Manche bewegen sich keinen Meter. Zum Beispiel die junge Frau in dem tiefer gelegten Sportwagen. Sie kam gar nicht zum Fahren, wie auch, der Mann neben ihr redete unaufhörlich auf sie ein. Nur einmal, da machte sie einen Riesensatz. Dann stand sie wieder. Eine ältere Frau mit Kopftuch fegte derweil mit einem in Taxifarbe lackierten Touran übers Gelände, als hätte sie einen dringenden Termin. Der Mann an ihrer Seite blieb stoisch stumm. Muss eine super Ehe sein. Man sieht Mädchen, die weinen und solche, die ihre Väter fest im Griff haben. Man sieht bockende Autos, und blinken tut sowieso keiner. Und man sieht solche wie mich, die hektisch den Kopf hin- und herdrehen, weil sie versuchen, gleichzeitig die Frau im Touran im Blick zu behalten und den Sportwagen. Könnte ja sein, dass er noch mal so einen Satz macht.

„Macht echt Spaß“, sagte der Junge irgendwann. Hmm, habe ich gesagt und die Finger vom Handbremshebel genommen. Der Junge soll doch spüren, dass ich ihm vertraue.

Übungsplatz in der Ferdinand-Schultze-Straße 95-99, Berlin-Hohenschönhausen, Mi 15–17 Uhr, Sa–So 10–17 Uhr, 60 Minuten 12 Euro (inkl. Haftpflicht)

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