Engagement : Mission possible

Auf der Bühne können sich Schüler mit dem Schicksal inhaftierter Kinder auseinandersetzen. Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär engagieren sich bereits seit fast zehn Jahren für das Projekt "Tatort - Straßen der Welt".

Simone Schmollack
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Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt: Gemeinsam für Kinder in Gefängnissen. -Foto: dpa

Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt haben eine Mission. Die Schauspieler, die vor allem als Kölner Tatort-Kommissare Max Ball und Freddy Schenk bekannt sind, nutzen jede Gelegenheit, um für ihr Projekt zu werben: „Knastkinder“, ein Theaterstück über Kinder, die in asiatischen Gefängnissen gehalten werden wie Tiere. Einfach von der Straße weggefangen und ohne Urteil unbefristet inhaftiert, oft grundlos oder wegen Bagatellen. „Erschütternd“, sagt Dietmar Bär. Laut Unicef sollen weltweit eine Million Kinder betroffen sein, allein auf den Philippinen rund 20 000. Die Kinder haben keine Lobby. Das wollen Bär und Behrendt ändern. Mit dem Stück „Knastkinder“ geben sie den Häftlingen eine Stimme .

Lehrer können mit ihren Schülern das Stück inszenieren „und sich so auf spielerische Weise dem Thema nähern“, sagt Klaus J. Behrendt. Daher gibt es bewusst kein in Szene gesetztes Stück, das Schülern und Lehrern jedes Wort vorschreibt. Aber es gibt ein Textbuch, das ab sofort über den Verein zu bekommen ist. Jede Klasse kann daraus „ihr Stück“ fertigen, sagt Ingo Ferrari, Vorstand des Vereins „Tatort – Straßen der Welt“, der die Idee für „Knastkinder“ hatte.

Die beiden in Berlin lebenden Schauspieler Bär und Behrendt sind Schirmherren der bundesweiten Bildungsaktion. „Schüler hierzulande sollen erfahren, wie es Gleichaltrigen anderswo auf der Welt ergehen kann“, sagen Bär und Behrendt. Das Theaterprojekt wird durch das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit gefördert und vom Bundesverband Darstellendes Spiel in der Schule unterstützt. In Workshops erhalten Lehrer Anregungen für die Inszenierung, die für jeden Schultyp gedacht ist und überall umgesetzt werden kann.

Die Vorgeschichte des Engagements der Schauspieler begann 1998. Damals drehten sie für die Tatort-Folge „Manila“an Originalschauplätzen. Während der Drehzeit in den Slums wurde die fiktive Filmwelt für die Schauspieler zur Wirklichkeit. Täglich stießen sie auf Straßenkinder, die stahlen und Klebstoff schnüffelten, um ihren Hunger zu stillen, auf junge Mädchen, die sich für ein Brötchen verkauften. „Das Elend persönlich mit anzusehen ist etwas anderes, als einer Fernsehdokumentation zu folgen“, sagt Bär.

Zurück in Deutschland hat das Filmteam in Köln den „Tatort“-Verein gegründet, der seitdem eine philippinische Kinderschutzorganisation unterstützt, die mit Geld, Medikamenten und Kleidung regelmäßig in die Gefängnisse geht. Im Dezember 2005 waren Bär und Behrendt sowie ihr Krimi-Kollege, der Pathologe Jo Bausch, noch einmal vor Ort. Bausch, auch im richtigen Leben Mediziner, hat Kinder in den Haftanstalten behandelt und ihnen Medikamente verabreicht, Bär und Behrendt wurden als „medizinische Helfer“ eingeschleust.

Lehrer, die das Textbuch bestellen oder sich für einen Workshop anmelden möchten, können dies über folgende Adresse tun: www.knastkinder.de

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