Schule : Entscheidend ist, was hinten reinkommt

Ab Samstag steht der neue Golf Variant bei den Händlern. Optisch irritiert er etwas – überzeugt aber mit altbekannten Golf-Tugenden

Eric Metzler

Entscheidet man sich dafür, der Vernunft den Vorrang zu geben, dann beginnt man die Vorstellung des neuen Golf Variant so: Der bietet einen formidablen Laderaum. Der hat das beste Fahrwerk seiner Klasse. Und: Der kommt mit einer Auswahl an Motoren, bei der die Käufer eine Menge richtig und wenig falsch machen können. An diesem Samstag kommt die Kombi-Variante des deutschen Volkswagens Nummer eins, des VW Golf, in die Läden.

Anders beginnt die Geschichte, wenn man sich erlaubt, den ersten, subjektiven Eindruck wiederzugeben: Rundherum schön ist der nicht. Irgendwas ist nicht in Ordnung mit dem Heck dieses Kombis. Irgendwas stört. Der lange Überhang hinten vielleicht? Die ums Eck gezogenen Rückleuchten? Schwer zu sagen. Vielleicht muss man sich an die Optik einfach nur gewöhnen. Fürs Reinsetzen und Fahren gilt das aber nicht: Da passt alles auf Anhieb. Der Variant ist ein Golf durch und durch. Alles, was ihn im Original auszeichnet, findet sich auch bei diesem Ableger wieder. Im Nu rückt man sich und das Lenkrad in die richtige Position; man findet Schalter und Hebel, bevor man sie gesucht hat. Was man fühlt und sieht, ist nicht sonderlich schick, aber gut verarbeitet. Unterwegs fragt man nicht, ob der Golf hart oder weich, sportlich oder komfortabel abgestimmt ist: Er fährt sich einfach unproblematisch, bleibt bei hohem Tempo genauso ruhig und gelassen wie auf schlechten Straßen, er drängt sich nicht auf, gibt einem aber auch nie das Gefühl, ein Opa-Auto zu fahren.

Wer den Golf liebt, aber einen Kombi braucht, hat lange warten müssen: Dieser Variant dritter Generation kommt mindestens ein Jahr später als von vielen erhofft. Alle, die nicht zur Konkurrenz übergelaufen sind, werden nun mehrfach entschädigt. Zum einen ist das Modell gewachsen; der absolut ebene Laderaum ist bis zu den Vordersitzen 1,74 Meter lang; Gegenstände bis zu einem Meter Breite lassen sich problemlos einschieben. Fährt man zu zweit, schluckt der Variant bis zu 1550 Liter Gepäck, bei aufgestellter Rückbank sind es 745 Liter. Für den Krimskrams gibt es 17 Ablagen und Fächer, das liebevollste davon in der Mittelkonsole: Getränke werden hier von einem Teil fixiert, das sich auf den zweiten Blick als Flaschenöffner entpuppt. Zum anderen sind die zunächst vier lieferbaren Motoren durchweg besser als beim Vorgänger – und zum Teil günstiger. Die meistverkaufte Dieselmaschine, der 1.9 TDI, ist nun für 20 975 Euro zu haben. Das Vorgängermodell hätte bei gleichem Mehrwertsteuersatz und trotz schlechterer Ausstattung einen halben Tausender mehr gekostet. Der erwähnte Diesel ist eine gute Wahl, seine Kraft stellt er in nahezu jeder Alltagssituation leise und souverän zur Verfügung. Wer flotte Benziner favorisiert, sollte den mit 140 PS probieren. Der schöpft seine Power zwar „nur“ aus 1,4 Liter Hubraum, fährt sich aber dank Direkteinspritzung und doppelter Aufladung (Turbolader und Kompressor) viel stärker. Bei einer ersten Ausfahrt lag der Verbrauch des 22 700 Euro teuren Mobils knapp unter acht Litern, der CO2-Wert wird mit 169 g/km angegeben.

Auch wenn vergleichbare Renault oder Opel etwas günstiger zu haben sind, ist der neue VW-Sprössling ein faires Angebot – wer sich für den Variant entscheidet, bekommt ein brandneues Modell, das absolut ausgereift ist. So was nennt man praktisch.

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