„Erhebliche finanzielle Anstrengung“ : Wissenschaftsrat über Eckpunkte zu Lehre einig

Gibt es im Wissenschaftsrat Streit um die „Empfehlungen zur Qualität von Lehre und Studium“? Das Gremium wollte sie nach langen Diskussionen Ende vergangener Woche endlich präsentieren, verschob den Termin aber bei seiner Sitzung in Rostock noch einmal auf Juli. Nein, es gebe durchaus einen Konsens zwischen Wissenschaftlern und Vertretern von Bund und Ländern, wie die Lehre an den Hochschulen zu verbessern ist, sagt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider. Einig sei man sich, dass die Lehre an Universitäten und Fachhochschulen „in der Breite verbesserungswürdig ist“, sagte Strohschneider in Berlin. Maßnahmen zur „Professionalisierung der Lehre“ müssten durch „erhebliche finanzielle Anstrengungen insbesondere der Länder“ flankiert werden. Konsens bestehe auch über den Finanzbedarf.

Beherzter ist der Wissenschaftsrat bei seinem Forschungsrating, ein neuartiges Verfahren zum Leistungsvergleich von Forschungsleistungen an Hochschulen und außeruniversitären Instituten. Das Gremium hat es mit zwei Probeläufen für Chemie und Soziologie getestet und will es jetzt mit zwei weiteren Pilotstudien für eine Geistes- sowie eine Technikwissenschaft fortsetzen. Der Wissenschaftsrat favorisiere die Geschichtswissenschaft und eine große Ingenieurwissenschaft wie den Maschinenbau, sagte Generalsekretär Wedig von Heyden. Entscheidend sei aber das Votum der unabhängigen Steuerungsgruppe. Es werde geprüft, ob das Forschungsrating mittelfristig alle geeigneten Fächer umfassen und turnusmäßig durchgeführt wird. Die Ende 2007 und im April dieses Jahres vorgestellten ersten Ergebnisse zeigten, dass das Verfahren „international neue Maßstäbe“ setze.

Unterdessen hat der Wissenschaftsrat weitere Ressortforschungseinrichtungen des Bundes evaluiert – und nur die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig und Berlin durchgehend positiv bewertet. Sie sei eine weltweit führende metrologische Einrichtung und trage in zukunftsrelevanten Feldern wie Präzisionsmesstechnik oder Medizin „in erheblichem Maße zur wirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland bei“. Beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock wird kritisiert, dass es seine Forschungskapazitäten massiv abgebaut hat. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln trage wesentlich zur gesundheitlichen Prävention bei, müsse aber ihre Forschung intensivieren.

Akkreditiert hat das Gremium die Bucerius Law School in Hamburg. Der privaten Hochschule für Rechtswissenschaft sei es gelungen, einen wissenschaftlichen Schwerpunkt im Wirtschaftsrecht aufzubauen. Sie erfülle allerdings noch nicht ihren Anspruch, großen Wert auf die juristischen Grundlagenfächer zu legen.

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