Schule : Es geht auch anders als mit Partikelfilter

Verbindlicher Maßstab kann nur die Erfüllung der geltenden Norm sein

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„Kein Diesel ohne Filter“ fordert ein Bündnis aus Umwelt, Gesundheits- und Kinderschutzorganisationen zusammen mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD). Und als Bundesumweltminister Trittin Anfang April in Berlin ein Konzept zur steuerlichen Förderung rußfreier Diesel-Personenwagen vorstellte, bekam er von diesen Beifall. Seit sich am Montag der Bundeskanzler mit den Spitzen des europäischen Automobilverbandes ACEA getroffen hat, ist dieser Vorschlag allerdings vom Tisch. Kein deutscher Alleingang, so wurde es vereinbart. Vielmehr solle eine gesamteuropäische Lösung gefunden werden - und das sei letztlich die nächste Stufe EU5 der europäischen Abgasnormen. Die allerdings wird erst um etwa 2010 in Kraft treten können, denn erst einmal wird im nächsten Jahr die Norm EU4 wirksam werden.

Eine Norm, in deren Erfüllung von den Motorenentwicklern Milliarden investiert wurden. Denn ihre gegenüber der bisherigen Norm erheblich strengeren Grenzwerte erforderten zum Teil ganz neue Motorengenerationen – insbesondere bei den Dieseln. Entwicklungen, die nicht von heute auf morgen geschehen, sondern Jahre dauern, bestimmt durch die Gesetze der Physik und nicht beeinflussbar durch kurzfristig aufkommende populistische Forderungen. Technik funktioniert nun einmal anders als Politik und ist das klare Gegenteil von deren immer größerer Beliebigkeit.

Die EU4 legt Grenzwerte fest für alle relevanten Schadstoffe. Wie allerdings, mit welchen Techniken, welchen Verbesserungen bei der Verbrennung und bei der Abgasnachbehandlung diese Werte erreicht werden, ist den Ingenieuren überlassen. Die kommen zu durchaus unterschiedlichen Lösungen. So gehört zum Beispiel der Toyota Avensis D-Cat zu den saubersten Dieseln, der mit seiner derzeitigen Technik wahrscheinlich auch eine sehr viel strengere EU5 erfüllen könnte. Aber er arbeitet nicht mit einem klassischen Partikelfilter, sondern einem neuen System, das Stickoxide und Partikel gleichzeitig unschädlich macht – wäre also auch nicht förderungswürdig. Und viele Hersteller von Dieseln haben es inzwischen geschafft, die Werte der EU4 auch ohne Partikelfilter zu erreichen, was insbesondere bei kleineren Fahrzeugen möglich ist. So präsentierte Volkswagen schon 2002 einen EU4-tauglichen Diesel ohne Partikelfilter. Auch die modernsten kleinen Diesel von Fiat, General Motors und vielen weiteren Herstellern erfüllen die EU4 ohne Filter.

Dagegen sind viele größere Diesel in schweren Fahrzeugen nur in Verbindung mit einem Filter auch EU4-tauglich. Blickt man in die aktuelle Liste des VCD, dann sieht man, dass alle deutschen Hersteller, die Partikelfilter anbieten, damit ausnahmslos die EU4 erfüllen – was Peugeot heute noch nicht schafft. Und auch Peugeot wird neben Dieseln mit Filter auch in Zukunft solche ohne anbieten.

Was nötig ist, ist eine sachliche Debatte, die zu vernünftigen technischen Lösungen und einem Optimum an Schutz für Abgase ausgesetzten Menschen führt. Hier allerdings sind allein im letzten Jahrzehnt so große Fortschritte gemacht worden, dass das Abgasproblem bei Autos im Prinzip so gut wie gelöst ist.

Und die in der letzten Zeit immer wieder ins Feld geführten 18 000 Toten im Jahr durch Dieselruß sind alles andere als seriös. Es handelt sich lediglich um eine Hochrechnung aus möglicher Lebensverkürzung bezogen auf die Bevölkerungszahl – eine rein statistische Größe also, mit der man nicht Stimmung machen sollte. ivd

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