Exkursionen : Ein anderer Blick auf die Hauptstadt

Die Broschüre "Berlin in drei Tagen" bietet gute Tipps für Exkursionen mit Schulklassen.

Stefan Jacobs
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Was unternimmt man als Lehrer mit seinen Schülern, wenn die das Regierungsviertel, die Mauergedenkstätte und auch das Stasi-Gefängnis schon kennen? Und auch auf der Museumsinsel und am Roten Rathaus schon waren? Dann muss man nur in das Heft „Berlin in drei Tagen“ von Rainer Brieske aus dem Westermann-Verlag schauen. Es liefert reichlich Stoff für die nächsten Exkursionen. Die führen nicht unbedingt in die naheliegendsten, aber durchweg in interessante Ecken und eignen sich genau deshalb vielleicht sogar eher für Einheimische als für Berlin-Besucher.

Zunächst geht es in die beiden „Rixdörfer“ in Neukölln, also ins deutsche und ins böhmische. Und weil man ja einmal in Neukölln ist, führt gleich noch ein Schlenker durch die arabisch geprägte Sonnenallee. Zwischendurch müssen Infotafeln studiert, Fragen beantwortet, Schilder abgemalt und Details fotografiert werden.

Nach diesem Mitmachprinzip funktionieren auch die sechs anderen Touren. Sie führen auf DDR-Spuren nach Prenzlauer Berg, in die von Stalins Zeiten geprägte Karl-Marx-Allee, zum Sowjetischen Ehrenmal nach Treptow, zum Checkpoint Charlie, ins Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt nach Mitte sowie zu dem, was von Hitlers Germania-Wahnsinn übrig geblieben ist – also beispielsweise der aus der Reichskanzlei recycelten Marmorvertäfelung im U-Bahnhof Mohrenstraße. Langeweile ist angesichts dieses Programms nicht zu befürchten. Eher schon, dass die anvisierten drei Tage, die das Heft im Namen trägt, arg knapp bemessen sind für die vielen Ausflüge. Und während der Einstieg – eine Seite zum Thema Currywurst – noch wirklich originell ist, zeigt sich an anderer Stelle zumindest ein Hauch von unfreiwilliger Komik: Das Foto einer Laterne aus DDR-Zeiten wird ironiefrei mit „Leuchtmittel“ untertitelt, und zwei ganz normale vorwendische Treptower Straßenschilder dienen als Aufhänger für die vielleicht absurdeste Aufgabe auf den ganzen 48 Seiten: „Fotografieren Sie ein typisches Straßenschild aus Ost-Berlin und kleben Sie das Foto ein. Finden Sie noch eine passende Unterschrift für das Motiv.“ Da möchte doch man dem Autor gerne entgegnen: „Putzen Sie die West-Brille. Und probieren Sie mal, ob Sie ohne die auch was erkennen können.“ Denn bis auf die etwas unterschiedlichen Schrifttypen sind ost- und westdeutsche Schilder mittlerweile so gut wie identisch. Stefan Jacobs


Rainer Brieske:  Berlin in drei Tagen. Exkursionen für Schulklassen. WestermannVerlag, 2009. 48 Seiten, broschiert.  4,95 Euro.

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