Schule : Federgabel-Gepäckträger

Ingenieurleistung mit viel Handarbeit

Ulf Hoffmann

Die längst abgeebbte Mountainbike-Welle hat eines bewirkt: Die Federung, vor allem am Vorderrad, ist selbst bei Alltagsrädern nicht mehr wegzudenken. Nur gab es bisher keine vernünftigen Gepäckträger für Federgabeln. Das hat sich zum Glück geändert. Schon einige Jahre auf dem Markt waren Trägersysteme, die wie bei einer starren Gabel an die Holme geschraubt wurden. Diese Position ist nicht ideal. Durch das angehängte Gepäck steigt die ungefederte Masse. Das führt zu einem negativen Fahrverhalten.

Seit ein paar Jahren basteln einige Ingenieure an einer besseren Lösung. Mittlerweile konkurrieren mehrere Systeme untereinander. Die meisten machen schon auf den ersten Blick einen nicht sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Zwei Gepäckträger haben aber den ersten kritischen Blick überstanden. Das sind der Swing von Tubus und der Faiv Hoogar des Kölners Ulrich Artmann.

Ich habe mich für den Test des Faiv entschieden – aus zwei Gründen. Der Faiv ermöglicht die Anbringung der Taschen an der gewohnten Position mit tiefem Schwerpunkt, also in der Nähe der Vorderradachse. Der Swing der Firma Tubus sieht dagegen eher wie ein verkleinerter Hinterradgepäckträger fürs Vorderrad aus. Und auch der zweite Grund spricht für den Faiv: Beim Swing gibt es ein zusätzliches bewegliches Element, welches man am oberen Gabelschaft befestigen muss. Das kann zu Problemen mit Lenkertaschen führen. Und es gibt noch ein Argument, das jedenfalls mich bewog den Faiv zu montieren. Die Konstruktion ermöglicht die zusätzliche Montage eines kleinen Gepäckträgers oberhalb des Vorderrads. Somit können leichte Sachen wie Isomatte oder Schlafsack dort verstaut werden. Der Faiv Lowrider wird aus Stahl gefertigt und ist sehr teuer. Während der Tubus Träger 100 Euro kostet, muss man für den Faiv 152 Euro bezahlen. Dafür darf man dann aber auch ein Kilo mehr Gepäck transportieren. Insgesamt darf dieser mit 16 Kilogramm belastet werden. Die patentierte Aufhängung erfolgt durch eine Schraube am Gabelkopf. Dieses starre Teil ist mit parallel zur Federgabel verlaufenden beweglichen Gleitstangen verbunden. Die Gleitelemente sind genial. Sie erinnern ein wenig an die Gleitverbindungen bei Hausbartüren von Schrankwänden.

Ich habe mittlerweile zwei anspruchsvolle Touren mit dem Träger absolviert. Eine Winterradtour durch Island und einen Sommertrip über fast ausschließlich holprige Waldwege in Mittelschweden. Zwar weisen die Gleitrohre deutliche Schleifspuren auf (und auch ein manchmal auftretendes Quietschen beim Einfedern kam nach etwa 1000 Kilometer dazu), doch das Wichtigste: Der Träger hat gehalten.

Angesichts des Preises hätte alles andere auch zu deutlichen Verstimmungen geführt. Denn für 152 Euro kaufen sich viele Deutsche ein ganzes Fahrrad. Es steckt viel Handarbeit im Faiv und die Entwicklung hat viel Zeit kostet. Noch vertreibt der Kölner Ingenieur Ulrich Artmann seinen Träger in Eigenregie. Denn bisher haben sich nur wenige Fahrradhersteller für die serienmäßige Montage dieses Gepäckträgers entschieden. Es kann nicht an der Qualität liegen, eher am Preis oder auch an der Montageanleitung. Es ist wirklich einfacher, einen Ikea-Schrank aufzubauen, als die Strich-Zeichnungen auf Anhieb zu verstehen. Nun muss man den Träger nur einmal montieren, weshalb die mangelhafte Beschreibung nur zu einem klitzekleinen Punktabzug führt.

Einige Probleme bleiben aber. Da wäre zum einen die ungeklärte rechtliche Lage, ob man an (s)eine Federgabel überhaupt einen Gepäckträger anbringen darf. Die meisten Hersteller schweigen zu diesem Thema. Beim Test wurde der Faiv an eine RockShox-Gabel (SID XC für 510 Euro) montiert. Auch von RockShox gab es bisher keine Freigabe für die Montage. Das Anbringen erfolgt also auf eigenes Risiko. Aber die Gabel hat die ungewöhnliche Belastung gehalten.

Wer einen Träger montiert, muss sich auch darüber im Klaren sein, dass sich durch das Gepäck das Fahrverhalten spürbar verändert. Zudem ist es angebracht, zu wissen, wie die Gabel gewartet wird und wie man die Gabel auf das zusätzliche Gewicht einstellt. Auch der Transport des Fahrrades in einer Bikebox wird schwieriger. Mit dem Träger passt das Rad nämlich nicht mehr in handelsübliche Kartons. Mit einer Breite von rund 22 Zentimetern sprengt dieser jede Papphülle. In diesem Fall hilft nur abbauen und das wertvolle Stück mit ins Handgepäck zu nehmen. Mühsam, aber nur so kann der Urlaub sorgenfrei beginnen ( www.faiv.de E-Mail: info@faiv.de , Tel. 0221- 7202578).

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