Ferien-Menschen : Kochen wie die Omas

Kerstin Schwelm ist Beiköchin an einer Grundschule in Mitte. Hunger haben die Kinder immer, auch in den Ferien, sagt sie. Und sie weiß auch, wie sie den Schülern Rotkohl schmackhaft machen kann.

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Beiköchin Kerstin Schwelm an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Beiköchin Kerstin Schwelm an ihrem Arbeitsplatz.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bis zu 50 Grad sind es im Sommer manchmal neben den Töpfen, neben den großen Suppenkellen gehört dann ein Ventilator zum Kücheninventar. Doch Kerstin Schwelms Gästen vertreibt selbst Hitze nicht den Appetit. „Kinder haben immer Kohldampf“, sagt die Beiköchin und lacht. 550 Mahlzeiten bereitet sie seit 2009 täglich im fünfköpfigen Küchenteam an der Grundschule am Brandenburger Tor zu. Das Mittagessen ist Teil des Betreuungsangebotes des Trägers „tjfbg gGmbH für die Grundschüler“.

Während der Sommerferien essen pro Tag rund 60 Kinder, dann reicht ein großer Topf à 30 Liter für die Chinapfanne. Der Arbeitstag beginnt für sie auch in den Ferien um 7 Uhr in der Früh, der Küchenchef ist schon eine Stunde früher da. Schwelm mag, dass sie sich in den Ferien mehr mit den Kindern unterhalten kann. Manche erzählen von ihrem Urlaub, wie schön es da war. Im Schulhof wird auch mal gegrillt.

Bevor sie in der Schulküche anfing, arbeitete die gelernte Köchin in einer Konzernkantine. Erwachsene seien viel komplizierter als Kinder, erzählt sie, etwa wenn einer denkt, dass er eine Wurstscheibe weniger auf dem Teller hat. Die Schulkinder seien sehr dankbar und ehrlich, sie würden sagen, wann es schmeckt und auch wann mal nicht. Schwerfalle ihnen vor allem zu entscheiden, ob ein unbekanntes Gemüse wirklich auf ihren Teller soll. „Uschi“, wie Kerstin Schwelm in der Kantine auch genannt wird, erklärt dann, redet gut zu und lässt probieren. Der Rotkohlverbrauch sei so von anfangs zehn auf 50 Kilo gestiegen. Hülsenfrüchte kommen püriert sehr gut an.

In der hauseigenen Küche können die Schulkinder beim Kochen zugucken und mitschälen, manchmal bekommen sie eine Apfelspalte ab. Für den Speiseplan ist großteils Schwelm verantwortlich und lässt sich dabei inspirieren, wenn ein Kind erzählt, dass Oma etwas soundso koche. Bei Projektwochen werden dann auch mal Familiengerichte gemeinsam ausprobiert, letztens etwa Borschtsch. Für Milchreis und Grießbrei hingegen hat Kerstin Schwelm ein strenges Kontrollsystem mit Enten-Stempel eingeführt: „Den essen die sonst, bis sie Bauchschmerzen haben.“

Sie selbst habe abends manchmal Kopfweh vom Lärmpegel in der Kantine, auch das Töpfeschleppen sei anstrengend. Noch im Traum sagt sie manchmal zu Kindern, dass sie sich anstellen sollen, erzähle ihr Ehemann. Trotzdem mag die 49-Jährige ihre Arbeit „vom Abwasch bis zur Ausgabe“, wie sie sagt. Jetzt hat sie drei Wochen Zeit für das eigene Gemüse im Garten, und Kerstin Schwelm freut sich darauf, Obst zu ernten und mit ihrem Enkel Karotten zu schälen. Katharina Ludwig

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