Ferien-MENSCHEN : Zeit zum Durchatmen

Holger Ambrosius war Schulleiter am Albert-Einstein-Gymnasium in Britz. Jetzt geht er in den Ruhestand. Und kann endlich mal wieder außerhalb der Schulferien verreisen.

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Zum Abschied. Holger Ambrosius wurde Kunstobjekt seiner Schüler. Foto: Kleist-Heinrich
Zum Abschied. Holger Ambrosius wurde Kunstobjekt seiner Schüler. Foto: Kleist-Heinrich

Ein Ferientag im leeren Albert-Einstein-Gymnasium in Britz, das Telefon klingelt. „Jetzt müsste ich eigentlich schon wieder Sekretariatsarbeit machen", sagt Holger Ambrosius. Mit diesem Sommer geht für den 65-Jährigen nicht nur wieder ein Schuljahr zu Ende, für ihn beginnt das Leben im Ruhestand. Eigentlich. Denn momentan genießt er es zwar, nicht um 5.30 Uhr aufstehen zu müssen – und in Ruhe zu frühstücken. Danach ist er aber schon wieder in seinem Büro.

„Für Lehrer sind die Ferien nicht so ein einschneidendes Erlebnis wie für Schüler“, erzählt Ambrosius. Gutachten für Stipendien, Unterrichtsplan, Statistiken und die Klasseneinteilung für das kommende Jahr. Auch als er einfach Lehrer für Deutsch und Französisch war, saß er immer an Korrekturen oder der Unterrichtsvorbereitung.

Mehr Siebtklässler, gleichzeitig der Doppeljahrgang beim Abitur: Ambrosius' letztes Schuljahr war wohl sein anstrengendstes. Es sei unendlich viel zu tun, zu manchem komme er eben erst jetzt. Ein bis zwei Wochen nach Schulende komme er gewöhnlich zu dem Punkt, an dem er durchatmen kann.

Bevor Ambrosius 1998 an das Albert-Einstein-Gymnasium kam, arbeitete er acht Jahre an einer deutschen Schule in Spanien. Sein Ziel war immer eine Schule, die „anspruchsvoll, aber gleichzeitig liberal und großzügig ist“ Offene Türen zu haben, auch wenn es anstrengend ist. Die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre hält er für einen Fehler. Zusammen mit den ständigen Prüfungen ab Ostern bleibe kaum Zeit, die Lehrpläne zu erfüllen, noch für „Dinge neben der Spur“ wie ein Schul-Musical. Die Schule sei unterbesetzt, seit Monaten fehle die zweite Sekretärin, also geht eben er am Nachmittag ans Telefon.

„Aber mürrisch wird der Tag auch nicht kürzer“, meint Ambrosius. Im Zweifelsfall sei man lieber gut gelaunt und nicht perfekt vorbereitet als umgekehrt. Für eine Schulleitung heiße das manchmal auch, Verwaltungsaufgaben nicht fristgerecht zu erfüllen oder mit geringst möglichem Aufwand, um dem, was pädagogisch wichtig ist, Vorrang zu geben.

Im Schulflur lächelt Ambrosius' Gesicht aus einer Badewanne, auch ein Kleinkind trägt sein Konterfei. Schüler eines Kunst-Leistungskurses haben zum Abschied des Schulleiters alle möglichen Berliner mit Ambrosius-Masken fotografiert. Kunstprojekte, Schüleraustausch, die vielen Exkursionen und Aktivitäten, „mit all dem verwachsen zu sein“, das werde ihm fehlen.

Im September wird er sich erstmal den „Wunschtraum eines jeden Lehrers“ erfülle, außerhalb der Schulferien zu reisen. Erst nach Frankreich, später mal Venedig oder die Insel Amrum. Den Rest lasse er auf sich zukommen. Seine Aufgaben übernimmt dann vorerst sein Stellvertreter, die Stelle ist noch nicht neu besetzt. Katharina Ludwig

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