Festival in Cannes : Frustrierende Fahrt

Ein Musiker, ein Bauer, ein in die Jahre gekommener Wrestler: In “Bad Day to Go Fishing” begleitet der uruguayische Regisseur Álvaro Brechner eine Reisegruppe in einem rumpelnden Bus. Leider geraten seine Figuren ziemlich oberflächlich.

Nora Heidorn,Julia Parizo
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In den Seilen. Beim Preiskampf gibt es ein paar Scheine zu gewinnen, aber auch ein gutes Stück Würde zu verlieren. -Foto: promo

In einem rumpelnden Bus, der durch Uruguay fährt, befindet sich allerhand zusammengewürfeltes Landvolk. Einige Musiker, die vorne im Bus melancholische spanische Lieder singen, ein junger Bauer, der seine Hennen krault, und ein stilles Mädchen, das das ganze lebhafte Geschehen mit großen Augen beobachtet. Ein Film über das Leben dieser Figuren hätte interessant werden können, doch in Álvaro Brechners Film „Bad Day to Go Fishing“ (Mal Día Para Pescar) nehmen sie leider nur die Rolle von Statisten ein.

Auch die einfallslosen Protagonisten, ein zu alter Wrestler, ein verlogener Charmeur, der zwar aussieht wie ein Sheriff, sich aber Prinz Orsini nennt, und eine verbissene Schwangere, die ihren 4-Zentner-Ehemann wie einen Kampfhund einzusetzen vermag, wirken stereotyp und machen im Laufe des Films keinerlei Entwicklung durch.

Es sind die Geldprobleme, die diese Figuren in die Enge treiben. Aus der prekären Situation kann nur ein Gewinner hervorkommen, der zwar ein wenig Geld gewinnt, dabei aber seine Ehre verliert. Der Geschlagene wird brutal in die Ecke des Boxrings gedrängt, wo er zugrunde geht. Die anfängliche Oberflächlichkeit dieser Protagonisten hätte man noch ertragen können, wäre die Entdeckung einer authentischen, zweidimensionalen Persönlichkeit eingetreten. Da der Zuschauer sich mit diesen wenig glaubwürdigen Figuren weder identifizieren noch von ihnen lernen kann, bleibt am Ende nur Frustration.

Nicht weniger monoton ist auch das Setting, das zwar anfangs durch eine desolate, zwielichtige Atmosphäre Interesse weckt, welches wegen mangelnden Kontrastes aber schnell schwindet. Da die abgedroschene Story eine schlechte Voraussetzung für den Aufbau von Spannung bietet, muss diese durch pathetische Musik und eine zwar gekonnte, aber wenig originelle Kameraführung erzeugt werden.

Mit dem Erscheinen des Abspanns fragt sich so mancher Zuschauer: Was soll man von diesem Film wohl mitnehmen? Er kann guten Gewissens aufhören, verzweifelt nach einer Aussage zu suchen, und muss sich damit abfinden, zudem noch schlecht unterhalten worden zu sein. Die Heimfahrt im Bus wird wahrscheinlich abwechslungsreicher ausfallen.

"Mal día para pescar" (Bad day to go fishing), Uruguay/Spanien 2009, 100 Minuten, auf Englisch und Spanisch. Regie: Ausstattung: Álvaro Brechner, Drehbuch: Álvaro Brechner & Gary Piquer, Kamera: Álvaro Gutiérrez, Ton: Fabian Oliver & Nacho Royo, Schnitt: Teresa Font, Ausstattung: Gustavo Ramírez, Musik: Mikel Salas. Besetzung: Gary Piquer, Jouko Ahola, Antonella Costa, César Troncoso, Bruno Aldecosea, Roberto Pankow.

Link: www.semainedelacritique.com

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