Schule : Fiats Polen-Connections

Der neue Panda und auch der 1,3-l-Multijet-Dieselmotor werden in Schlesien gebaut

Ingo von Dahlern

Nun gibt es ihn endlich auch mit einem modernen direkt einspritzenden Turbodiesel – den neuen Fiat Panda. Ein Auto, mit dem Fiat sich konsequent jener Fahrzeugklasse zuwendet, mit der das Unternehmen groß gewordenen ist – den Kleinwagen. Hier hat man im Laufe von mehr als hundert Jahren viel Pionierarbeit geleistet und maßgeblich zur Motorisierung breiter Massen beigetragen, die nur über vergleichsweise bescheidene Geldreserven verfügen.

Ihnen viel Auto für wenig Geld zu bieten, verlangt hohe Kreativität. Denn längst sind aus einst bescheidenen und einfachen Kleinwagen Fahrzeuge geworden, die trotz kompakter Abmessungen nicht nur familientauglich und variabel, sondern auch reisetauglich sind und hohen Komfort- und Sicherheitsanforderungen gerecht werden, bis hin zur Ausstattung mit automatisierten Schaltgetrieben, Klimaautomatik oder der Fahrdynamikregelung ESP.

So ist der neue Panda mit einer Länge von gerade einmal 3,54 Meter und 1,59 Meter Breite zwar sehr kompakt, bietet aber mit einer Höhe von 1,54 Meter dank geschickter Nutzung des Innenraums trotzdem überraschend viel Raum für vier oder auch fünf Personen. Dank variabler Bestuhlung mit längs verschiebbarer und umklappbarer Rückbank lässt sich der Laderaum bei Bedarf auf bis zu 860 Liter vergrößern – ein multfunktionales Auto also, das mit einem Einstiegspreis von 8590 Euro für das Basismodell mit 40 kW (54 PS) leistendem 1,1-Liter-Vierzylinder durchaus erschwinglich ist.

So günstig allerdings ist der neue 1.3 JTD mit seinem 51 kW (70 PS) leistenden Turbodiesel der neuesten Generation nicht. Da es ihn nur in den höheren Ausstattungsversionen Dynamic und Emotion gibt, muss man 11 390 oder gar 13 550 Euro auf den Tisch legen. Dafür allerdings bekommt man neben einer sehr komfortablen Ausstattung auch ein ausgesprochen agiles Auto in die Hand. Denn der aufgeladene Vierventiler mit einem Drehmoment von 145 Nm bei 1500/min erreicht mit Fünfgang-Schaltgetriebe in nur 13,0 Sekunden Tempo 100 und maximal 160 km/h – und das bei einem Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 4,3l/100 km. Da reicht der 35-Liter-Tank bequem 800 km Fahrtstrecke. Und er ist auch sauber, denn er erfüllt, auch ohne Partikelfilter, die Abgasnorm EU4.

Erstmals mit dem Panda 1.3 JTD unterwegs waren wir zwischen Kattowitz und Bielsko-Biala – im schlesischen Industriezentrum Polens also, für das dieses Auto eine ganz besondere Bedeutung hat. Denn es wird ausschließlich dort gebaut. In einem hochmodernen Automobilwerk von Fiat Auto Poland in Tychy, einem Unternehmen, das 1992 durch Übernahme der FSM-Automobilwerke entstand und inzwischen eine Produktionskapazität von 1250 Fahrzeugen täglich hat. 203 630 Panda und Fiat Seicento sind im vergangenen Jahr in Tychy vom Band gerollt – rund 300 000 sollen es in diesem Jahr werden. Davon wurden 70 Prozent exportiert, was Fiat Auto Poland zu einem der wichtigsten Exporteure Polens mit rund drei Prozent des gesamten Exportvolumens des neuen EU-Partners macht. Und im Fiat-Verbund ist Polen neben Italien und Brasilien eines der wichtigsten Produktionsländer. So hat Fiat Auto Poland bereits im vergangenen Jahr sein dreimillionstes Fahrzeug gebaut. Und hierbei werden immer mehr Teile verwendet, die von in der Nähe des Werkes basierten Zulieferern angeliefert werden, so dass neben den direkt im Werk beschäftigten Mitarbeitern noch einige Tausende weiterer Arbeitsplätze durch dieses Werk geschaffen wurden

Tychy ist hochmodern. Seine voll roboterisierte Schweißstraße für den Karosseriebau lässt 87 Roboter auf dem Seicento-Band und 307 auf dem Panda- Band im Funkenregen tanzen. Und auch die Lackiererei, in der die Fahrzeuge korrosionsfest gemacht werden, arbeitet mit den modernsten robotergestützten Lackiertechniken. Und es erfüllt auch höchste Ansprüche, was den Umweltschutz angeht.

Mehr durch Handarbeit geprägt ist, wie in dem meisten modernen Automobilwerken, die Endmontage, in der ein Großteil der 3500 Beschäftigten des Werkes arbeitet und etwa jede Minute ein fertiges Auto in die Endkontrolle entlässt – nach einer Produktionszeit, die bei 16 Stunden für jedes Fahrzeug liegt, bei denen der Panda inzwischen das wichtigste Produkt ist. Das verlässt die Werke mit einer Fertigungsqualität, die im Fiat-Verbund eine Spitzenstellung einnimmt.

Wenn in Tychy bei der so genannten Hochzeit in der Montage die Karosserie und das Fahrwerk mit dem Motor vereinigt werden, dann kommt ein Teil der dabei verbauten Motoren aus unmittelbarer Nachbarschaft dieses Werks. Das sind die derzeit modernsten kleinsten Turbodiesel auf dem Markt. Dieser 1.3 JTD, der nach dem so genannten Multijet-Verfahren arbeitet. Im Unterschied zu der ersten Generation der direkt einspritzenden Unijet-Turbodiesel mit Common Rail, die zur Minderung der Verbrennungsgeräusche mit einer Pilot- und einer Haupteinspritzung arbeiteten, lässt sich der Verbrennungsverlauf dank der Multijet-Technik sehr viel genauer formen. Denn hier wird der Einspritzvorgang pro Arbeitstakt des Zylinders auf bis zu zwei Pilot- und zwei Haupteinspritzungen höheren Einspritzdrücken und noch schneller ansprechenden so genannten Injektoren sowie optimierten Einspritzdüsen ergibt das eine noch bessere Aufbereitung des Kraftstoffs und einen noch sanfteren und vor allen Dingen auch ökonomischeren und saubereren Verbrennungsvorgang. Das wiederum erfordert natürlich auch aufwändigere elektronische Motorsteuerungen. Mehr Leistung bei reduziertem Verbrauch ist das Ergebnis dieser Technik, von der nicht nur die verschiedenen Fiat-Marken, sondern auch andere Unternehmen profitieren – darunter vor allem Opel.

Die kleinen 1,3-Liter-Turbodiesel sind ebenfalls ein polnisches Produkt. Sie kommen aus dem von Tychy nur ein paar Dutzend Kilometer entfernten Motorenwerk von Fiat-GM Powertrain Polska in Bielsko-Biala – dem polnischen Werk des im Jahr 2000 gegründeten Joint Venture Fiat-GM Powertrain mit 23 000 Beschäftigten in insgesamt 17 Werken und sieben Entwicklungszentren in neun europäischen Ländern und Südamerika, dessen größte europäische Werke in Italien, Ungarn, Österreich und Deutschland liegen. Es fertigt jährlich rund vier Millionen Motoren und ebenso viele Getriebe.

Das polnische Werk mit seinen 1300 Beschäftigten ist nicht nur eines der besonders modernen, sondern auch das einzige, in dem der neue 1,3-Liter-Multijet-Turbodiesel gebaut wird. Und deshalb wird nur ein Teil der hier gebauten Motoren auf kurzem Weg nach Tychy geliefert, während der Löwenanteil zu Fiat und Lancia nach Italien geliefert wird, wo sie unter anderem in dem Fiat Punto und Idea und dem Lancia Ypsilon eingebaut werden. Ein Teil der Lieferungen kommt aber auch nach Deutschland, denn Opel setzt diesen Motor unter anderem im Corsa und seit kurzem auch im Microvan Agila ein. Für den kann das Aggregat allerdings gleich in Polen bleiben, denn den Agila baut Opel in seinem polnischen Werk in Gleiwitz, das wiederum zu Opels modernsten europäischen Montagewerken gehört. Und noch einen weiteren Abnehmer gibt es für den kleinen Multijet-Turbodiesel – die japanische Marke Suzuki, die in ihrem ungarischen Werk diesen Motor in den Wagon R+ und den Ignis einbaut – eine wahrhaft gesamteuropäische Kooperation, die schon lange vor dem EG-Eintritt Polens begann.

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