Schule : Flott das Ziel verfehlt

Der 160 SR ist zwar der schnellste Micra, aber kein kleiner Sportler

Ingo von Dahlern

„Der heißeste Nissan Micra aller Zeiten steht in den Startlöchern“ – so kündigt Nissan seinen 160 SR als neuen Konkurrenten in der „Kleine-Wilde-Fraktion“ vom Schlage eines Citroën C2 VTR oder Ford Fiesta ST an. Da werden hohe Erwartungen geweckt. Und dann steht man zum ersten Mal vor dem „heißen“ Micra und erkennt ihn kaum.

Denn den neuen trapezförmigen großen Lufteinlass mit Gitter, den Dachspoiler und die ein wenig ausgestellten Türschweller hat auch der sportlich angehauchte Acenta Sport. Da bleiben als einzige Erkennungszeichen die 16 Zoll großen Leichtmetallräder, die verchromte Auspuffblende und das 160 SR-Logo am Heck. Ebenso unauffällig gibt sich der 160 SR auch innen. Denn mehr als die Aluminiumpedale mit den schwarzen Gumminoppen unterschieden ihn nicht vom Acenta Sport.

Den entscheidenden Unterschied allerdings sieht man nicht. Denn der steckt unter der Motorhaube: ein neu entwickelter komplett aus Aluminium gefertigter 1,6-Liter-Vierzylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen und variablen Ventilsteuerzeiten. Dieser Motor ist einer der modernsten aus Nissans HR-Familie. Bislang wurden sie nur in Japan eingesetzt. 81 kW (110 PS) leistet der Vierventiler, der bei 4400/min sein höchstes Drehmoment von 153 Nm liefert.

Mit 9,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 183 km/h macht er den Nissan Micra 160 SR tatsächlich zum schnellsten Micra, der je gebaut wurde. Da Nissan außerdem für ein verstärktes und spürbar straffer abgestimmtes Fahrwerk sowie eine direktere Lenkung gesorgt hat, macht es viel Freude, dieses Auto flott auf kurvigen Landstraßen zu bewegen. Dort überzeugt es durch sichere Beherrschbarkeit. Außerdem tritt, wenn man die Straßenbeschaffenheit oder auch die eigenen Fahrkünste nicht ganz richtig eingeschätzt hat, die Fahrdynamikregelung ESP in Aktion. Dessen Grenzbereich wurde gegenüber den normalen Modellen erweitert, so dass man auch bei sportlicher Gangart nicht zu früh eingebremst wird.

Das sind viele Pluspunkte bei Antrieb und Fahrwerk, zu denen auch noch der mit 6,6 l/100 km erfreulich niedrige Verbrauch und eine sehr ordentliche Komfort- und Sicherheitsausstattung hinzukommen. Dazu gehören unter anderem die Klimaautomatik, ein Sechsfach-CD-Wechsler sowie Kopfairbags und aktive Kopfstützen.

Dennoch blieb die erste Begegnung mit dem flotten Micra 160 SR enttäuschend. Denn ein echter kleiner Sportler ist dieses Auto leider nur in der Ankündigung. Sowohl optisch als auch bei der Art seiner Leistungsentfaltung mangelt es ihm an Ausstrahlung und Temperament. Man vermisst jenen schwer zu definierenden Kick, der dieses Auto zu einem – Originalton Nissan – „Ausbund an Temperament“ macht und das Herz des Fahrers schneller schlagen lässt.

Bei allem Respekt vor den Leistungen des Micra 160 SR: Wenn man dann auch noch erleben muss, dass einem der ebenso starke Citroën C2 VTR mit maximal 193 km/h auf der Autobahn den Auspuff zeigt und man mit dem Fiesta ST einfach nicht mithalten kann, bleibt die Erkenntnis, dass Nissan mit diesem Auto das hoch gesteckte Ziel eines „kleinen Wilden“ ganz offensichtlich nicht erreicht hat – und das mit einem immerhin 16 590 Euro teuren Auto.

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