Förderung : Zahl der Lernplätze für Analphabeten soll steigen

Berlinern, die nicht richtig lesen und schreiben können, soll in Zukunft besser geholfen werden. Entsprechende Anträge der Grünen und der CDU beschloss gestern der Schulausschuss.

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Der Bundesverband Alphabetisierung schätzt die Zahl der Betroffenen auf rund 164 000. „Diese Zahl ist alarmierend und nicht hinnehmbar“, sagte der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu. Trotz Schulbesuch und Sprachförderung verließen zu viele Jugendliche, vor allem solche mit Migrationshintergrund, die Schule, ohne gut lesen und schreiben zu können. Darüber hinaus müsse auch den Erwachsenen Unterstützung zugesagt werden, die zum Teil jahrelang „eklatant unterversorgt“ und ohne Hilfe seien. Bislang, so die Grünen, stünden jährlich nur 1500 Lernplätze bereit. Er begrüße, dass das „Tabuthema Analphabetismus“ endlich auf die Tagesordnung rücke, sagte Mutlu.

Nun sollen die Zahlen für Berlin geprüft, ein Finanzierungsmodell erarbeitet und die Angebote dem Bedarf angepasst werden, hieß es. Zudem sei eine Verzahnung der Arbeit der Erwachsenenbildner mit der Arbeit der Kitas und Schulen nötig. Eine Arbeitsgruppe im Senat soll den Prozess begleiten.

Thema im Bildungsausschuss war außerdem der Lehrerbedarf für die kommenden fünf Jahre. Bereits 2011, so Zöllner, würden durch den vorgezogenen Einschulungstermin mit fünf Jahren rund 16 Prozent mehr Schüler in den Oberschulen erwartet. Während dieses Jahr rund 25 000 Schüler in die siebte Klasse kamen, würden es 2011 rund 29 000. Der Lehrerbedarf, so Zöllner, solle entsprechend gedeckt werden. Die Schüler würden außerdem „überwiegend im eigenen Bezirk“ versorgt: Wegen des verkürzten Abiturs stünden mehr Räume bereit.

Nach einer Prognose der Senatsbildungsverwaltung sollen bis zum Jahr 2015 insgesamt rund 5600 Lehrkräfte in allgemeinbildenden Schulen neu eingestellt werden. Allerdings wird jetzt schon deutlich, dass es dafür in bestimmten Fächern wie etwa Sonderpädagogik oder Mathematik zu wenig Studierende, in Fächern wie etwa Deutsch oder Geschichte dagegen zu viele Studierende gibt. Dennoch könne niemand „zwangsverpflichtet“ werden, Mangelfächer zu studieren , sagte Zöllner. Konkrete Maßnahmen, der Unterversorgung entgegenzuwirken, könnten jetzt noch nicht ergriffen werden.

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