Freie Tage für Berliner Lehrer : Sind 150.000 Vertretungsstunden vertretbar?

Künftig dürfen Berliner Lehrer zwei Tage während des Schuljahrs individuell freinehmen. Für die Schulen bedeutet das, dass zusätzlich 150.000 Unterrichtsstunden vertreten werden müssen. Schulleiter warnen vor Chaos.

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Bald könnte der Platz vor der Tafel in Berlin noch öfter frei bleiben. Wegen eines zusätzlichen freien Tages für Lehrer könnte es bald 150.000 Vertretungsstunden mehr geben.
Bald könnte der Platz vor der Tafel in Berlin noch öfter frei bleiben. Wegen eines zusätzlichen freien Tages für Lehrer könnte es...Foto: dpa

Berlins Schulen müssen künftig pro Jahr für rund 150 000 Unterrichtsstunden zusätzlich eine Vertretung organisieren. Grund ist eine Neuregelung, wonach jeder Lehrer nicht nur einen, sondern zwei freie Tage individuell nehmen darf. Der Vorsitzende der GEW-Schulleitervereinigung, Paul Schuknecht, warnt deshalb vor „Planungschaos“.

Anlass der Neuregelung ist das „Maßnahmepaket“, das Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Vortag des Warnstreiks am 22. April vorgestellt hatte, um die „Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern“. Dabei ging es auch um die beiden freien Tage, die den Lehrern vor zehn Jahren unter dem damaligen Bildungssenator Klaus Böger (SPD) als Teilkompensation für Mehrarbeit gewährt wurden. Bislang durften sie aber nur einen der beiden sogenannten Böger-Tage frei wählen, der zweite Tag lag für alle gemeinsam am letzten Tag des Schuljahres. Diese Regelung entfällt ab Sommer 2014. Dadurch würden die Lehrer „flexibler“, hob Scheeres hervor.

Da Berlins 30 000 Lehrer im Schnitt fünf Stunden am Tag unterrichten, müssen die Schulen pro Jahr für 150 000 Unterrichtsstunden zusätzlich Vertretungslehrer organisieren. Nimmt man den zweiten „Böger-Tag“ hinzu, sind es sogar 300000 Stunden, die neben allen anderen Stunden, die durch Krankheiten, Klassenreisen und Fortbildungen ausfallen, vertreten werden müssen.

Die Sprecherin der Schulverwaltung, Beate Stoffers, reagierte überrascht auf die Kritik und verwies darauf, dass die Schulen genug Personal hätten, um den Ausfall zu kompensieren. Zudem habe die GEW selbst für einen zweiten individuellen freien Tag votiert. Die Vorsitzende Sigrid Baumgardt bestritt dies auf Nachfrage.

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