Freiheit gewählt : John-F.-Kennedy-Schule feiert 50. Geburtstag

Die John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf war ein Experiment: Zwei Sprachen, zwei Abschlüsse, zwei Kulturen.

Jan Ludwig

Am Anfang waren sie Nomaden. Als die ersten Schüler 1960 aufgenommen wurden, einige erst fünf Jahre alt, waren sie Untermieter anderer Schulen, zogen von einem Gebäude zum nächsten. Es war ein Experiment: Zwei Sprachen, zwei Abschlüsse, zwei Kulturen – kann das gut gehen? Ein „Beispiel der praktischen Völkerverständigung“ sollte die Schule sein, zitierte der Tagesspiegel damals den Berliner Senat.

Doch die frühen Jahre waren steinig. Stefan von Hammerstein, geboren 1954, gehörte zum ersten Jahrgang, der die Schule komplett absolvierte, von der Vorschule bis zum Abitur. „Uns wurde vorgeworfen, wir könnten weder vernünftig Deutsch noch Englisch“, sagt Hammerstein. Erst 1970 zog die Schule in den Neubau am Teltower Damm. Das Zehlendorfer Großbürgertum sah auf die Schülerschar herab, die „kein richtiges“, weil amerikanisches Englisch sprachen.

Nach dem Attentat auf Kennedy 1963 dauerte es keine 72 Stunden, bis man entschied: Die bisherige „Deutsch-Amerikanische Gemeinschaftsschule“ soll den Namen des Präsidenten tragen, der für Erneuerung stand, vor allem aber für den uramerikanischen Wert der Freiheit.

Es sind Werte, die auch im Schulalltag gelten. Den klassischen 68er-Rebellen konnte man hier nicht finden: „Wir hatten nicht diese Autoritäten, an denen man sich hätten reiben können“, sagt Hammerstein. Die jungen amerikanischen Lehrer sangen mit ihnen „We shall overcome“, die Hymne der US-Bürgerrechtsbewegung. Draußen auf dem Teltower Damm donnerten derweil die Panzer vorbei. Die JFK-Schule ist auch ein Kind des Kalten Krieges.

Heute ist von den mehr als 1700 Schülern etwa die Hälfte deutsch, ein Drittel hat die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Plätze an der Schule waren und sind begehrt, auf Jahre im Voraus – Eltern meldeten schon Kinder an, die noch gar nicht geboren waren. Es liege vor allem am Zusammenhalt in der Schule, dem „Spirit“, sagt Schulleiter Reinhard Roth. Das Miteinander von Lehrern, Schülern und Eltern sei eben einzigartig.

Am 2. Oktober lädt die Schule ab 11 Uhr zum „Fun Day“ mit Musik, Spielen, Infoständen zum Programm der Schule und Tanz ein. Teltower Damm 87–93, Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben