Schule : Fremdenführer auf Tour

Berliner Lehrerin hat für ihr Projekt den Deutschen Lehrerpreis bekommen

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Innovativ. Lehrerin Gudrun Guhr mit ihrem Preis. Foto: Paul Zinken
Innovativ. Lehrerin Gudrun Guhr mit ihrem Preis. Foto: Paul ZinkenFoto: Paul Zinken

Vielleicht ist ein Unterrichtsprojekt dann am erfolgreichsten, wenn nicht nur die Schüler etwas gelernt haben, sondern auch die Lehrer. Gudrun Guhr jedenfalls war am Ende ihres Projekts nicht nur mächtig stolz auf ihre Schüler, sondern auch ziemlich überrascht: Dass sie bei den Führungen, die ihre Achtklässler im Modellpark Berlin-Brandenburg gaben, selbst noch so viel lernen könnte, hätte die 57-jährige Deutsch- und Kunst-Lehrerin dann doch nicht gedacht.

„Ich war verblüfft, was die alles wissen“, sagt Guhr und strahlt. Und dass die Merian-Schule in Köpenick für das Projekt „Merianschüler führen Grundschulklassen durch den Modellpark“ mit einem Sonderpreis des „Deutschen Lehrerpreises 2010 – Unterricht innovativ“ geehrt wurden, freut die Pädagogin sehr.

Merianschüler als Fremdenführer – das hat in Köpenick schon Tradition. Die Merianschule ist eine Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe. Seit vielen Jahren kooperiert die Schule unter anderem mit dem Unternehmen „Stern und Kreisschifffahrt“: Ab der 9. Klasse sind Schüler des bilingualen Zweigs im Sommer auf den Schiffen als Reiseleiter unterwegs und halten Vorträge auf Englisch, Französisch oder Russisch. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) lobte diese Kooperation anlässlich der Verleihung des Preises „Unterricht innovativ“ als „vorbildlich“.

Zwei Ziele verfolgten Guhr und ihre Kollegen mit dem Projekt: Sie wollten ihre Schüler für die Geschichte ihres Bezirkes interessieren und sie in Präsentationstechniken schulen. Anlässlich der 800-Jahrfeier Köpenicks entstand dann die Idee: Die Achtklässler sollten im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten Rundgänge für Grundschüler im Modellpark anbieten. Der Modellpark Berlin-Brandenburg in der Wuhlheide ist zugleich ein Freilichtmuseum und ein soziales Projekt. Die Modelle des Brandenburger Tors, der Gedächtniskirche, der Burg Rabenstein und 62 weiterer Sehenswürdigkeiten in und um Berlin entstanden in einem Qualifizierungsprogramm für Arbeitslose.

Im Herbst 2008 vereinbarten Schule und Park ihre Kooperation – und für die elf Schülerinnen, die sich für das freiwillige Projekt angemeldet hatten, begann die Vorbereitung. Jede durfte sich aussuchen, welche Sehenswürdigkeit sie präsentieren wollte, sammelte Informationen dazu, schrieb ihre Moderationstexte und plante ihre Route. Sobald der Modellpark im Frühjahr öffnete, wurde jede Woche vor Ort geübt. „Zwei Schülerinnen, die unter der Woche nicht konnten, kamen sogar am Wochenende zum Üben“, lobt Gudrun Guhr das Engagement.

Die Feuerprobe bestanden die Schülerinnen im Juni 2009: Als im Park das Modell des Köpenicker Rathauses eingeweiht wurde, übernahmen vier von ihnen die Präsentation. In Anwesenheit der Bezirksbürgermeisterin führten sie ein kleines Schauspiel auf und verpackten die Informationen zum Rathaus in Dialoge.

Im Juli folgte der Höhepunkt: Eine Woche lang führte jede der elf Schülerinnen zwei bis drei Grundschulklassen durch den Park, vom Unterricht waren sie in dieser Zeit freigestellt. Für eine Gruppe Kindergartenkinder dachten sie sich kurzerhand eine Schatzsuche aus.

„Alle meine Schülerinnen sind im Präsentieren sicherer geworden“, bilanziert Gudrun Guhr. Sie denkt auch schon an weitere Projekte – gefallen hat ihr etwa das Siegerprojekt des Lehrerpreises von einer Schule in Niedersachsen, bei dem Handwerker in Rente in einer Werkstatt mit Schülern arbeiten. „Da habe ich mir gleich gedacht: Das wäre vielleicht auch was für uns.“ Barbara Kerbel

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