Schule : Ganz schön eingebrochen

Sportler sind gefragt wie nie, Chopper und Klassiker verloren

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Der nach der Vereinigung von immensen Zuwachsraten verwöhnten Motorradbranche geht es nun schon im zweiten Jahr deutlich schlechter. Die Zahl der Neuzulassungen an Motorrädern über 125 Kubikzentimeter Hubraum lag schon 2001 gegenüber dem Jahr zuvor um etwa acht Prozent im Minus. Und nun verzeichnet Verbandsgeschäftsführer Reiner Brendicke in diesem Jahr bis Ende Juli wiederum einen Rückgang um 8,9 Prozent gegenüber den 2001er Werten. Wie er kürzlich auf der Intermot in München sagte, sei es vor allem der Euro gewesen, der Anfang April den Einbruch verursachte.

Der Eindruck, mit der Einführung des Euro seien die Preise gestiegen, stimme freilich nicht. Der Handel habe die Markbeträge sehr genau in die neue Währung umgerechnet, betonte Brendicke. Das ist richtig, nur waren bereits in den Jahren zuvor vor allem die Preise japanischer Motorräder erheblich gestiegen, und zwar wegen der Wertsteigerung des Yen gegenüber der Mark.

Dabei hatte die Entwicklung 2002 gut begonnen: mit 45 000 Neuzulassungen bis Ende März lag die Branche um die 4,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Doch April und Mai brachten einen Rückgang, der von der Konsolidierung des Absatzes im Juni und Juli nicht mehr aufgefangen werden konnte.

Der Trend allerdings geht hin zu mehr Hubraum und Leistung. Bei den Neuzulassungen stellen die Maschinen über 98 PS inzwischen einen Marktanteil von mehr als 32 Prozent - sind damit die stärkste Gruppe.

Betrachtet man die Hubraumklassen der im Verkehr befindlichen Fahrzeuge, sieht das Bild etwas anders aus, hier dominieren noch die Maschinen zwischen 500 und 750 Kubik. Allerdings stieg der Anteil jener Fahrzeuge, deren Motoren zwischen 750 und 1000 Kubik liegen, um 9,1 Prozent auf nun 27,9 Prozent aller Neuzulassungen. Wie auch immer, die sportlichen 600er bleiben durchaus noch im Trend, denn viele von ihnen erreichen die 100 PS fast spielend.

Zu den Marken: Unangefochtener Marktführer ist weiterhin Suzuki mit einem Anteil von 20,9 Prozent. Die nächsten Plätze liegen dicht beieinander: Honda erreicht 17,7 Prozent, BMW 17 und Yamaha 16,8. Kawasaki liegt bei etwa zehn Prozent Marktanteil.

Sportler und Supersportler sind also gefragt wie nie, Chopper und Klassiker verloren in der Gunst der Neukäufer entsprechende Anteile. Der Hintergrund ist leicht verständlich: Chopper werden nicht so schnell verschlissen wie Sportler, ihren Besitzern sind neue Leistungsrekorde auch nicht so wichtig - also kommt es auch nicht so häufig zu einem Neukauf.

An der Spitze der Zulassungszahlen rangiert auch in diesem Jahr wieder die Reiseenduro 1150 GS von BMW, auf den Plätzen zwei bis vier folgen die preiswerten Tourensportler von Suzuki wie die 1200er Bandit, dann die SV 650 und die 600er Bandit. Anschließend folgt die GS 650 von BMW.

Im Zuge der Verschärfung der Abgasgrenzwerte im nächsten Jahr und in einer zweiten Stufe 2006 wuchs die Zahl der Motorräder mit Einspritzung und G-Kat erheblich. Der eine oder andere Hersteller gibt aber auch zu, dass man mit der Umstellung von Vergasern auf Injection auch den Durst der Motoren etwas zügeln wollte. Das bleibt - über alle Fortschritte in der Abgasreinigung hinaus - noch ein Thema für die nahe Zukunft.

ABS - ursprünglich als Hilfe nur für Weicheier verunglimpft - ist im Kommen, langsam aber sicher. Auch da (wie schon beim G-Kat) scheint sich die Vorbildfunktion von BMW auszuwirken: fast alle Kunden der Weißblauen ordern das Antiblockiersystem nämlich. Ihnen ist diese Überlebenshilfe wichtiger als das Ansehen bei manch anderen Zeitgenossen. Zudem hat auch das Institut für Zweiradsicherheit (IfZ) festgestellt, wie wichtig es sein kann, bei Vollbremsungen stabil auf den Rädern zu bleiben statt übers blockierende Vorderrad ohne jegliche Kontrolle wegzurutschen.

Die fünftägige Internationale Motorradmesse Intermot zählte auch dieses Jahr wieder rund 150000 Besucher, die sich über das Angebot der 1070 beteiligten Unternehmen aus 38 Ländern informierten, teilte die Messe mit. Allerdings sind diesmal wesentlich mehr Besucher aus dem Ausland gekommen, noch im Jahr 2000 hielten sie einen Anteil von 22 Prozent, nun waren es 30. Zu den besucherstärksten Ländern gehörten Italien, Österreich, Tschechien, Großbritannien, die Schweiz und Frankreich. gih

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