Schule : Gar nicht so leicht, seinem Charme zu erliegen Kia hat den unscheinbaren Magentis überarbeitet

Henrik Mortsiefer

Was zeichnet einen Kia aus? Das Design japanischer Hersteller ist einem ja inzwischen vertraut. Aber Kia, die Tochter des südkoreanischen Hyundai-Konzerns – was fällt einem dazu großartig ein? Mit dem neuen Magentis kommen uns die Asiaten entgegen. Die völlig überarbeitete Mittelklasse-Limousine kann man eigentlich nicht verwechseln, denn sie sieht gut aus. Oder: Sie sieht besser aus, als man es den südkoreanischen Designern zugetraut hätte. Das mag auch daran liegen, dass der neue Magentis von Entwicklern in Korea, den USA und Europa gemeinsam konzipiert wurde. Dabei hatte die Gemeinschaftsaufgabe ein Ziel: die Verführung europäischer Kunden. Hält man sich den Geschmack der „Generation Opel“ vor Augen, dürfte dieses Ziel erreicht worden sein.

Der Neue hat weniger Chrom als sein barocker Vorgänger, die Linienführung ist weicher, eleganter, das Auto hat Selbstbewusstsein. Obwohl er länger (4,73 Meter), breiter (1,80 Meter) und höher (1,48 Meter) ist als das erste Modell, wirkt der überholte Magentis zugleich kompakter und kraftvoller. Neben etablierten Wettbewerbern dieser Klasse wie dem Ford Mondeo oder dem Toyota Aventis macht dieser Kia auf den ersten Blick eine gute Figur.

Mit der Werbebotschaft „The Power to surprise“ hat sich der Konzern in den vergangenen Jahren als eine der am schnellsten wachsenden Automarken der Welt auf dem europäischen Markt präsentiert. 49 820 Autos hat Kia im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft. Der Magentis fiel dabei freilich nicht besonders ins Gewicht. Das Auto, das eigentlich ein Massenpublikum ansprechen soll, kam gerade mal auf gut 900 zugelassene Magentis im Jahr 2005. Mit dem neuen Magentis soll es schneller vorangehen, wie Vizepräsident Young Mo Ahn bei der Weltpremiere sagte. 1000 bis 1500 Fahrzeuge will Kia dieses Jahr absetzen.

Gefallen finden könnten deutsche Kunden nicht nur am neuen Erscheinungsbild des Magentis. Mit einem Einstiegspreis von 21300 Euro für das gut ausgestattete Basismodell mit 144 PS/106 kW, mit 22 990 Euro für den kleinsten, erstmals angebotenen Diesel und mit27470 Euro für das 188-PS-(138-kW-) starke Sechs-Zylinder-Spitzenmodell bieten die Koreaner ein fast konkurrenzlos günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Etwas an Vorsprung verliert Kia allerdings, wenn man den nach wie vor rapiden Wertverlust und preislich ebenfalls attraktive Konkurrenten im Blick behält – etwa den Skoda Octavia.

Asiatisch höflich präsentiert sich der Magentis in Bewegung. Selbst bei hohen Drehzahlen (die nötig sind, um dem Auto Biss zu geben) und in der Diesel-Variante stört das Auto nicht. Das ist angenehm – und langweilig. Will man den Magentis etwas zügiger über kurvenreiche Landstraßen treiben, macht sich seine wohl größte Schwäche bemerkbar: Er schwimmt. Die direkte Lenkung harmoniert nicht mit dem weichen Fahrwerk, die Sitze bieten zu wenig Halt, wenn die Karosse auf Bodenwellen schnell ins Schaukeln gerät; eine Kinderkrankheit, die man von den frühen Japanern kennt. Und: Liest man die Tankuhr richtig, dürfte das Auto dabei deutlich mehr als die angegebenen elf Liter Normalbenzin im Schnitt verbrauchen. Zu viel.

Versöhnen lässt sich der europäische Fahrgast vom schlichten Ambiente. Denn was man dem neuen Magentis nicht absprechen kann, ist Geschmackssicherheit, auch im Innenraum. Das gilt vor allem für die Lederausstattung in Schwarz, die – serienmäßig im Top-Modell – hochwertig und elegant aussieht, und zudem riecht, wie echtes Leder riechen muss. Armaturen und Cockpit haben ihr Plastik-Feeling verloren, matte Oberflächen und Alu-Optik schmeicheln dem Auge. Nur die voluminöse CD-Radio-Station sieht noch so aus, als käme sie als Billigprodukt aus der Fälscherwerkstatt.

Fazit: Der Kia Magentis ist ein gelungenes Konsens-Auto für deutsche Mittelklasse-Kunden. Sozusagen ein Auto wie gemacht für die Große Koalition. Er sieht nach mehr aus, er tut niemandem weh, er verbraucht leider zu viel und gerät bei Belastungen in leichte Turbulenzen.

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