Gedichte von Schülern : 2300 Dichter auf dem Bebelplatz

Schüler aus Brennpunkten schreiben über ihre Stadt. Am Donnerstag findet eine Mammutlesung auf dem Bebelplatz statt. Wir veröffentlichen schon jetzt eine Auswahl der Gedichte.

Unter dem Pflaster befindet sich das Mahnmal zur Bücherverbrennung 1933. Über dem Pflaster finden sich am Donnerstag um 11 Uhr 2300 Schüler aus 18 Schulen der Gropiusstadt, aus Marienfelde und aus dem Brunnenviertel auf dem Bebelplatz in Mitte ein. Sie kommen aus den Stadtteilen, die als soziale Brennpunkte oder doch zumindest als „bildungsfern“ gelten, und sie lesen und schreiben über ihre Stadt: Für die Berliner Woche der Sprache und des Lesens haben sie unter dem Thema „So ist Berlin“ einen Schreibwettbewerb initiiert und dafür Gedichte, Slogans, Liebeserklärungen und Geschichten verfasst. Aus jeder Schule wird ein Schüler vom Balkon der Juristischen Fakultät der HU einen kurzen eigenen Text vortragen. Anschließend überreichen sie der Schirmherrin der Sprachwoche, Christina Rau, ein Exemplar aller an dem Schreibwettbewerb beteiligten Schüler-Autoren.

Veranstalter sind die Bildungsverbünde Gropiusstadt, Brunnenviertel und Marienfelde. Ihr Ziel ist es, mit diesem Projekt Sprachgestaltung und heimatliche Identität miteinander zu verknüpfen. Alle in den Bildungsverbünden zusammengefassten Schulen haben im Herbst letzten Jahres mit den Vorbereitungen begonnen. Die BVG unterstützt den Transport der Dichter. Wir veröffentlichen eine Vorauswahl der kreativen Erzeugnisse:

Schöner Tag

Laufe durch die Straßen,

alles voll und laut.

Drehe mich um.

Wer hat mein Handy geklaut?!

Isa, Sonja, David, Dennis, Walter-Gropius-Schule, Klasse 12

China–Berlin

China ist voll, Berlin ist toll!

Marina, Hugo-Heimann-Schule, 5a, Gropiusstadt

Berlin–Bayern

Berlin ist nett, Bayern weit weg.

Sümeyra, Hugo-Heimann-Schule, 5a

Berliner bauen
Katzen miauen, Hunde bellen, Berliner bauen.

Sümeyra, Hugo-Heimann-Schule, 5a

Gefälscht
Berliner laufen mit gefälschten Marken am Kudamm herum und haben die Nase stets vorn.

Sie haben ein oder zwei Kinder. Der Kinderwunsch hält sich bei ihnen in Grenzen.

Berliner schaffen sich lieber ein Haustier an und behandeln es wie ein Kind.

Die Liebe der Berliner hat ihren eigenen Lauf, egal ob zu einem Menschen oder zu einem Tier.

Fatima, Klasse 9, Hermann-von-Helmholtz-Schule (Gropiusstadt).

Romantisches Berliner Deutsch

Scheiße, Fuck, du Hurensohn

Was willst du tun?

Du bist umzingelt, darfst gleich die Faust küssen.

Sei  leise, sonst Klatsche!

Schnauze, sonst Beule.

Verstanden?

Also, halt die Fresse, du Spast!

Isa Kilian, Walter-Gropius-Schule, Klasse 12, Gropiusstadt

Berlin ist cool

Klaus Wowereit sitzt im Roten Rathaus auf seinem Stuhl.

Currywurst und Döner,

machen die vielen Menschen auch nicht schöner.

Wir haben Parks und auch viel grün,

im Britzer Garten die Tulpen blühn.

Das Gedicht ist aus,

alle Kinder aus Berlin gehen nach Haus.

Steffen, Hugo-Heimann-Schule, 5a, Gropiusstadt

Berlin isst wie es ist
Sascha isst Oladuschki.
Semanur isst Samar.
Veronika isst Plov.
Berlin ist cool.

Alexa isst Piervgi ruski.
Shiva isst Chicken Curry.
Leo isst Borsch.
Berlin ist bunt.

Elvira isst Wareniki.
Jay isst Naan.
Björn isst Sushi.
Berlin ist super.

Vannessa isst Schnitzel.
Daniel isst Nudel-Schinken-Gratin.
Mert isst Lasagne.
Berlin ist multikulti.
Klasse 4a, Marienfelder Grundschule, Gropiusstadt

So lebt Berlin

Berlin ist multikulturell,

der Lebensstil ist hektisch und schnell.

Volle Straßen, dreckig, bunt und laut,

alles ziemlich zugebaut.

Mitten durch fließt hier die Spree

Und gebadet wird im See.

Hertha BSC in der Relegation,

dafür besteigen die Füchse den Thron.

Nichts ist hier von ewiger Dauer,

noch nicht mal die Berliner Mauer.

Klar haben wir ´nen Bürgermeister,

der ist schwul: Wowereit heißt er!

Ob Alex, Ku´damm oder sonst in dieser Stadt,

Demos gibt es überall hier satt.

Und willst du mal hier essen,

„Curry 36“, damit kann sich keiner messen. 

Alicia, Klasse 5a, Katholische Schule St. Marien (Gropiusstadt)

Hertha

nicht gut

in meinem Berlin

sie spielen sehr schlecht

Fußball

Leon, 4b, Walt-Disney-Schule (Gropiusstadt)

Das ist Berlin

Das ist Berlin

so wie ich es mag

der Ort, wo der Fernsehturm

in den Himmel ragt

wo ein teures Auto neben einem billigen parkt

wo Graffities die Wände verzieren

und Touris Döner probieren

 

Das ist Berlin

so wie ich es mag

wo es ungewöhnlich ist, dass die S-Bahn planmäßig fährt

wo man nie weiß, wann und wie man heimkehrt

und mir ein Penner in der U-Bahn erklärt

wie man schwarz fährt

Das ist Berlin, so wie ich es mag

Pantaleon, Klasse 8b, Diesterweg-Gymnasium (Brunnenviertel)

Berlin, du riechst

nach Freiheit,

nach Currywurst und Döner

Du bist so groß

Und immer ist was los!

 

Ey, Alter,

haste mal n`Euro?

Warum sind manche nur so arm

und manche haben zu viel Geld?

Komm, lass uns Inline-Skater fahren

auf  dem Tempelhofer Feld!

Yasemin Dastan und Aleyna Daskan, 5a, Gustav-Falke-Schule (Brunnenviertel)

 

Holocaustmahnmal

Sehr traurig

Graue hohe Steine

Sehr viele ermordete Menschen

Weinen

Bashira, Noura, Klasse 4a, Heinrich-Seidel-Schule (Brunnenviertel)

Meen Berlin

Wenn ick aus mei´m Neubau jeh,

tret ick zuerst in Hundekacke.

Denn riech ick schon die Autoabjase,

dit is cool.

Ick hör ma wieder mein Freund Atze rufen:

„Willste ne Bockwurscht?“ „Jep!“

 

Und wo ick so da steh

und uf meene Bockwurscht warte,

hör ick an jede Ecke Krach vonne Baustelle.

Wenn ick denn mit meene Wurscht bei Hause komm,

kommt mir Culcha Candela aus´m Radio entjejen.

Berlin is cool!

Ada Müller, Klasse 4b, Papageno-Grundschule (Brunnenviertel)

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