Schule : Gefährliches Gelände

Opel hat hohe Erwartungen an den Antara geweckt – aber der Newcomer macht nicht in allen Punkten Eindruck

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Seit der Frontera in Rüsselsheim weggeschlossen wurde, warten Fans auf einen Opel, der sich im Gelände sehen lassen kann. Nun gibt es den Antara – einen trendigen Onroadcruiser, der auch als gelegentlicher Geländegänger durchgehen kann. Für das raue Querfeldein ist die selbsttragende Karosserie nicht geeignet. Weder verfügt der Opel über einen Schutz des Unterbodens, noch lassen Böschungswinkel und Watttiefe größere Offroadfahrten zu. Lediglich ein sich automatisch zuschaltender Allradantrieb, den der Opel im Gegensatz zum Chevolet Captiva serienmäßig an Bord hat, sorgt für guten Vortrieb, auch abseits der Piste. Zu unwirtlich sollte diese jedoch nicht sein, denn der Verzicht auf Differenzialsperren und Geländereduktion begrenzt die Offroadfähikeiten des Antara. So bleibt sein Einsatz vermutlich auf Waldwege beschränkt.

Auf der Straße gefällt der Antara mit einem straffen, aber nicht unkomfortablen Fahrwerk. Zu schnell gefahrene Kurven quittiert der Opel mit bravem Untersteuern. Den Antrieb übernehmen Vier- und Sechszylinder-Motoren aus dem Bestand der weltumspannenden Organisation von GM (General Motors) – wobei der kleine, aus Italien stammende 2,0-Liter-Diesel nur wenige Tage nach Marktstart wieder vom Markt genommen wurde. Zu blamabel war die Anfahrtschwäche in Verbindung mit dem überdies hakeligen Schaltgetriebe. Tatsächlich erwies sich der Antara bei unserer ersten Ausfahrt als zu groß und zu schwer (1800 kg), als dass 150 PS hier Wunder in Sachen Fahrleistungen und Verbrauch bewirken könnten: Die eklatante Durchzugschwäche im unteren Drehzahlbereich ließ schon die Fahrt auf das nahe liegende Parkdeck des Einkaufzentrums zum Erlebnis werden.

Der ebenfalls aus dem GM-Baukasten stammende 3,2-Liter-V6-Benzinmotor mit Automatik stellt eine deutliche erfreulichere, wenn auch durstigere Alternative da. Flotte Fahrleistungen dank 227 PS und gute Laufkultur schaffen das gewünschte Wohlfühlambiente. Hierzu tragen auch die standfesten Bremsen und die präzise, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung bei. Ihr verdankt der Antara auch eine gute Handlichkeit, die eine Stadtfahrt mit dem immerhin 4,6 Meter langen Auto nicht zur Qual werden lässt.

Die Arbeit der Innenraumdesigner hinterließ bei uns einen zwiespältigen Eindruck. Der mit Opel-Möbeln und -Teppichen eingerichtete Innenraum ist eher schlicht. Zwar gibt es in den Punkten Funktionalität und Raumökonomie nichts auszusetzen, doch bleibt das von den Werbern versprochene Aha-Erlebnis aus. Spärliche Instrumentierung, Holzimitatleisten im Stil der 80er Jahre und eine wenig liebevoll verarbeitete Ledersitzausstattung wollen nicht so recht zum ambitionierten Anspruch passen. Auch die Sitze können mit ihrer zu kurzen Sitzfläche und der fehlenden Höhenverstellung des Beifahrersitzes nicht überzeugen.

Da richtet sich die Begeisterung des Interessenten eher auf das ungewöhnliche Fahrradträgersystem Flexflix (lieferbar ab Frühjahr 2007), was nach dem Corsa nun auch beim Antara Einzug hält. Eine in den Wagenboden eingelassene herausziehbare Plattform bietet Platz für zwei Fahrräder und lässt sich bei Nichtgebrauch problemlos und unsichtbar wieder versenken – fantastisch gelöst.

Der seit November erhältliche Antara kostet in der Basisversion 26 850 Euro und gehört schon damit nicht gerade zu den Sonderangeboten. Ein Preis von 37100 Euro in der Topversion rückt ihn dann bereits in die Nähe von deutlich anspruchsvolleren Fahrzeugen auf dem SUV-Markt. sjü

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