Gemeinschaftsschule in Berlin-Pankow : Eltern kämpfen für eigene Oberstufe

Die Pankower Gemeinschaftsschule hat sich zu einer der besten Schulen der Stadt entwickelt und bekam Spitzenwerte bei der Inspektion. Eine eigene Oberstufe aber hat die Schule bisher nicht. Das soll anders werden.

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Schüler der Wilhelm-von-Humbodt-Schule in Pankow bei einer Aufführung in der Max-Schmeling-Halle.
Schüler der Wilhelm-von-Humbodt-Schule in Pankow bei einer Aufführung in der Max-Schmeling-Halle.Foto: Alice Epp

Berlins Schulwesen hat einen neuen Star: Nach nur sechs Jahren hat sich die Pankower Wilhelm-von-Humboldt-Schule zu einer der erfolgreichsten Schulen der Stadt entwickelt. Das lässt sich den Anmeldezahlen entnehmen, aber vor allem dem sensationellen Bericht der Schulinspektion. Nun will sich die Gemeinschaftsschule nicht länger ohne eine gymnasiale Oberstufe begnügen. Am Mittwoch wird demonstriert.

„Beste Schule Berlins ohne Abitur?“ lautet die selbstbewusste Ansage der Elternschaft, die sich nicht damit abfinden will, dass ihre Kinder nach der zehnten Klasse auf andere Schulen wechseln müssen. Den Superlativ „beste Schule“ leiten sie aus den Bewertungen der Schulinspekteure ab. Die gaben der Schule im Qualitätsprofil 14 Mal die Note A, je einmal die Note B und C und kein einziges Mal D. Darüber liegt kaum eine Berliner Schule. Lediglich die Karlshorster Grundschule schaffte es, in ihrem Schulinspektionsbericht ausschließlich „A-Noten“ im Qualitätsprofil zu bekommen, hatte dafür aber dreimal C im Unterrichtsprofil. Beide Schulen rissen die Schulinspekteure denn auch zu Begeisterungsstürmen hin.

Der geburtenstarke Bezirk braucht seine Immobilien für weitere Schulen

Erstaunlich ist bei der Humboldt- Schule auch, dass nach der sechsten Klasse kaum jemand in ein Gymnasium wechselt. „95 Prozent der Schüler bleiben“, berichtet Gesamtelternvertreterin Carola Ehrlich-Cypra. Dergestalt auf ihrem Weg bestärkt, fehlt nur noch die gymnasiale Oberstufe. Da aber fangen die Probleme an, denn der Bezirk leidet aufgrund seines Geburtenreichtums massiv unter Raumnot. Die Schule lässt sich davon aber nicht beeindrucken. „Wir haben dem Bezirk zehn Immobilien vorgeschlagen“, betont Ehrlich-Cypra, darunter das leer stehende ehemalige Gebäude der Coubertin-Schule. Der Bezirk winkt allerdings ab, weil diese Gebäude für weitere Schulen, darunter ein neues Gymnasium, gebraucht würden. Allerdings sei man mit der Schule im Gespräch und suche eine Lösung, weshalb der Bezirk sich über den Zeitpunkt der Demonstration wunderte.

Auch die Bildungsverwaltung verwies auf laufende Verhandlungen. „Es soll eine neue Form der Kooperation zwischen Gemeinschaftsschule und OSZ entwickelt werden, bei der beide Schulen sich als gleichberechtigte Partner begegnen und von Anfang an ein gemeinsames Konzept für die Oberstufe entwickeln“, erläuterte Sprecherin Beate Stoffers. Diese Form der Kooperation könne im Rahmen des Schulversuchs Gemeinschaftsschule ausprobiert werden, um diese später gegebenenfalls auf andere Gemeinschaftsschulen oder Sekundarschulen zu übertragen. Am 27. Mai finde das nächste Treffen mit den beiden Schulleitungen und den Schulaufsichten statt, kündigte Stoffers an. Die Bildungsverwaltung tut sich schwer mit der Genehmigung zusätzlicher Oberstufen. Zuletzt hatte die Montessori-Gemeinschaftschule in Lichterfelde sehr lange kämpfen müssen, bis die Genehmigung für die Oberstufe kam.

150 Anmeldungen für 75 Plätze - die Nachfrage ist groß

In Pankow ist der Bedarf an Schulplätzen insgesamt viel größer aufgrund des Geburtenanstiegs. Die Humboldt-Schule, die als Gemeinschaftsschule mit der ersten Klasse beginnt, hatte jetzt für rund 75 Schulplätze etwa 150 Anmeldungen. Zudem hat sich längst herumgesprochen, dass die Schule gute Arbeit macht, zumal sie 2012 als eine der 50 besten Schulen Deutschlands durch die Jury des Deutschen Schulpreises ausgelobt wurde.

Die Demonstration, die die Elternschaft organisiert hat und die unter dem Motto „Suchen Raum bieten Zukunft“ steht, soll ab 17 Uhr auf dem Gelände der Bezirksverwaltung Pankow, Fröbelstraße 17, stattfinden. Erwartet werden Schüler, Eltern und „weitere prominente Unterstützer“. Die Oberstufe wird ab 2016 gebraucht, wenn die ersten Zehntklässler ihren Mittleren Schulabschluss abgelegt haben.

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