Schule : Gemischtes Doppel

BMW kehrt mit dem 645Ci zu den sportlich-eleganten und luxuriösen Coupés zurück und präsentiert den kleinen Bruder des X5

Ingo von Dahlern

Ein größeres Kontrastprogramm konnte BMW kaum liefern. Denn der Charakter der beiden neuen Modelle, die in diesen Tagen vorgestellt wurden, ist völlig verschieden. Hier der praktische und vergleichsweise robuste hochbeinige X3 und dort das elegante und luxuriöse Coupé 645Ci. Eine Fahrzeugkategorie, von der BMW-Entwicklungschef Prof. B. Göschel sagte, dass man sie in den letzten Jahren arg vernachlässigt hatte. Zu sehr, um genau zu sein. Doch nun hat man diesen Fehler korrigiert und es gibt wieder ein betont sportliches Coupé. Und das gehört in eine Kategorie, in der es auch BMW schwer fällt, einen direkten Konkurrenten zu entdecken. Auf jeden Fall gehört es in die Linie der klassischen Coupés – jener Autos also, die betont sportlich sind, das bereits durch ihre dynamische Linie ausdrücken und dann auch durch entsprechende Agilität bestätigen.

4,82 Meter lang ist der neue 2+2-Sitzer, der mit knapp 1,86 Meter recht breit und mit 1,37 Meter relativ flach ist. Die Motorhaube zeigt sich lang und die Fahrgastzelle mit der kürzeren Dachlinie ist weit nach hinten gerückt. Da verwundert es nicht, wenn trotz eines Radstands von 2,78 Meter der Innenraum im Fondbereich entsprechend knapp ausfällt. Gewiss, auf kürzeren Strecken können auch hinten zwei Mitfahrer untergebracht werden. Doch für eine Langstreckenfahrt ist es dort für Erwachsene einfach zu eng. Obwohl der Kofferraum unter der Heckklappe mit dem integrierten Spoiler mehr als das Gepäck von zwei Personen aufnehmen könnte. Aber Coupés sind nun einmal immer irgendwie „unvernünftige" Autos.

Autos als Kunstwerke

Früher dachte man bei einem neuen BMW zuerst meist an die Technik untern Blech – die wichtigste Voraussetzung für jene Fahrfreude, die eines der entscheidenen Kennzeichen der Autos der weiß-blauen Marke ist. Heute kommt ein weiteres wichtiges Element hinzu. Denn im Rahmen der vor einigen Jahren eingeleiteten Designrevolution bei BMW muss man sich nun bei jedem neuen Modell auch mit einer ganz neuen Formensprache auseinander setzen. Bei der lässt sich mit jeder Neuerscheinung immer deutlicher der neue Stil der Münchener erkennen, die ihre Autos nicht nur als technisches Gerät, sondern auch als Kunstwerke verstanden sehen wollen – als Skulpturen gewissermaßen, die mit ihren Wechselspiel aus konvexen und konkaven Flächen, aus sanften Rundungen und scharfen Kanten voller Spannung stecken. Kontrastreich, aber dabei immer wieder verblüffend harmonisch. Interessante Formen, die allerdings auch polarisieren.

Ganz klar ist die Zielrichtung bei der Technik. BMW setzt beim Antrieb auf den bewährten 4,4-l-V8 mit Valvetronic und 245 kW (333 PS), der das mit 1690 kg vergleichsweise leichte Coupé binnen 5,6 Sekunden Tempo 100 und maximal 250 km/h erreichen lässt. Die beachtliche Motorkraft bringt man mit dem in seinen wesentlichen Elementen dem neuen 5er entsprechenden Fahrwerk problemlos auf die Straße und hat den wahlweise mir Sechsgang-Schaltgetriebe, automatisiertem Sechsgang-SMG-Getriebe oder Sechsgang-Automatik ausgestatteten 645Ci jederzeit sicher im Griff. Straff aber nicht zu hart abgestimmt bereitet er viel Fahrvergnügen, das man allerdings auch mit mindestens 72 000 Euro erkaufen muss. Wer die wegweisende Aktivlenkung und den Wankausgleich Dynamic Drive wünscht, muss dafür kräftig dazuzahlen. aber er wird durch ein besonderes Fahrerlebnis entschädigt. Interessant beim neuen 6er aus München ist schließlich das Innendesign. Denn mit dem ganz leicht zum Fahrer orientierten Cockpit und dem Dank neuem i-Drive extrem sparsam instrumentierten Cockpit scheint BMW einen entscheidenden Schritt zu einem für BMW typischen Interieur in der neuen Designphilosophie näher gekommen zu sein.

Praxisorientierung statt Luxus ist Maßstab für die ganz andere Machart des ebenfalls ganz neuen BMW X3 - einer kompakten Variante im Stil des großen X5. Auch wenn der in Geländewagenoptik antritt - ein Geländefahrzeug ist er nicht und will er auch nicht sein. Aber er bietet überzeugende technische Voraussetzungen, auch einmal abseits befestigter Straßen zuverlässig voranzukommen.Dafür hat ihm BMW einen permanenten Allradantrieb mit auf den Weg gegeben, der sogar recht aufwändig ist. Denn sein Herzstück ist der vom Allradspezialisten Magna Steyr, der dieses Auto übrigens auch in Österreich baut, entwickelte X-Drive mit einem Verteilergetriebe, das auf normaler Straße die Antriebskräfte gleichmäßig auf beide Antriebsachsen verteilt.

Flotter Kombi im Geländelook

Tritt an einer Achse Schlupf auf, dann aktiviert ein Elektromotor die Lamellenkupplung des X-Drive-Antriebs und leitet zusätzliche Antriebskräfte an die Achse mit bessere Traktion. Durchdrehende Räder werden zugleich gebremst. Und so schlägt sich der X3 wacker auch abseits fester Straßen. Nur wenn ein Rad den Bodenkontakt verliert und durchdreht, kann es problematisch werden. Denn das bevorzugte Terrain für den X3 sind ausgebaute Straßen. Auf denen bewegt er sich ebenso agil wie ein ganz normaler Kombi, erlaubt trotz seines vergleichsweise hohen Aufbaus eine durchaus sportliche Fahrweise, zeigt sich auch schneller Kurvenfahrt nicht abgeneigt. So ist der X3 auch dank seines tiefen Schwerpunkts eher ein flotter Kombi im Gewand eines Geländewagens.

Auf ersten Probekilometern erlebten wir dieses Auto mit dem kräftigen Dreiliter-Reihensechszylinder mit 170 kW (231 PS), den BMW auch im 330i Touring einsetzt. Allerdings wollte sich die beachtliche Motorkraft nicht so erschließen, wie man es von den reinen Personenwagen gewohnt ist. Denn mit 1835 Kilo Leergewicht ist der X3 doch relativ schwer. Und das bremst seine Dynamik, vor allem dann, wenn er statt mit dem serienmäßigen Sechsganggetriebe mir der wahlweise angebotenen Fünfgang-Automatik ausgestattet ist. Dennoch ist er mit 7,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 210 km/h alles andere als behäbig. Und mit dem Sportpaket mit spezieller Fahrwerkabstimmung bringt er es sogar auf eine Höchstgeschwindigkeit von 224 km/h. Schade, dass der als Alternative angebotene Dreiliter-Turbodiesel mit 150 kW (204 PS) nicht verfügbar war. Denn mit seinem kraftvollem Drehmoment von 410 Nm verspricht er dem Benziner ebenbürtige Fahrleistungen bei spürbar größerer Elastizität – möglicherweise ist er das ideale Triebwerk für dieses Auto, das künftig auch mit 2,5-l-Sechszylinder mit 141 kW (192 PS) angeboten werden soll. Als Dreiliter kostet der X3 übrigens sowohl als Benziner als auch als Turbodiesel 40 300 Euro.

Zu den Vorzügen des X3 gegenüber einem normalen Kombi gehört neben der hohen Sitzposition, die einen besonders guten Blick auf das Verkehrsgeschehen erlaubt, seine Vielseitigkeit. Denn je nach Sitzanordnung stehen bis zu 1560 Liter Laderaum zur Verfügung. Und angesichts einer Nutzlast von 500 Kilo kann man den auch richtig nutzen. Zudem bietet sich der X3 mit 1800 Kilo Anhängelast auch als flinkes Zugfahrzeug an.

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