Schule : Genf: Frühjahrskollektion komplett

Viele Neuheiten bei den kompakten Minivans und in der Cabrio-Szene – und eine Audi-Überraschung

Ingo von Dahlern

Die Sonne strahlte vom nur leicht bewölkten Himmel, als die Genfer Messehallen direkt neben Flughafen, Eisenbahn und Autobahn zum ersten Rundgang durch das dank der neuen Halle 6 um rund ein Fünftel gewachsene Areal der traditionellen Frühjahrsschau der internationalen Autoindustrie luden. Doch der kalte Wind draußen, der daran erinnerte, dass die Kraft des Winters noch nicht gebrochen ist, schien förmlich in die lichtdurchfluteten Hallen zu dringen, die sonst so lockere Stimmung jener Schau abzukühlen. Denn sowohl die aktuellen Wirtschaftszahlen, als auch die Perspektiven für die nähere Zukunft lassen allenfalls verhaltenen Optimismus aufkommen. Eine Situation, die jeden, der sie erfolgreich meistern will, zu besonderen Anstrengungen herausfordert. Zum Beispiel das in einer tiefen Krise steckende italienische Unternehmen Fiat, dass der mit einer wahren Flut von Innovationen bei allen drei Pkw-Marken begegnet – dem zwar kompakten aber zugleich sehr edlen neuen Lancia Ypsilon, einem sportlichen Alfa GT Coupé und zwei für den Massenmarkt besonders attraktiven neuen Fiat-Modellen. Das ist der Gingo als Nachfolger von Panda und Seicento und ein kompakter Minivan auf Punto-Basis, der auf den Namen Idea hört. Eine Fahrzeugkategorie, die dieses Jahr in Genf mit besonders vielen Neuheiten glänzt. Denn in ihr präsentiert Opel seinen neuen Meriva, Renault die neue Generation des Scénic, Ford seinen Focus C-Max und VW seinen neuen Touran.

All das sind Autos, die trotz kompakter Außenmaße einen vergleichsweise großen und vor allem variablen Innenraum bieten, der eine ganze Palette von Nutzungsmöglichkeiten für Familie, Beruf und Freizeit eröffnet – bei ordentlichen Fahrleistungen, überzeugendem Fahrkomfort, niedrigen Vebräuchen und vertretbaren Anschaffungs- und Betriebskosten. Rundum vernünftige Autos also, wie sie von einem schnell wachsenden Anteil der Autokäufer geradezu gefordert werden. Das heißt allerdings nicht, dass damit nicht auch Raum wäre für weniger vernünftige Autos, wenn man darunter zum Beispiel die vielen zwei- und viersitzigen Cabrios versteht, die in Genf ihr Debüt geben. Die Palette reicht von flotten Ford Streetka auf Basis des Fiesta über den Verwandlungskünstler Citroën Pluriel auf Basis des C3, den mit Variodach ausgestatteten Peugeot 307 CC und das mit versenkbarem Glasdach ausgestattete Coupé Cabriolet des neuen Renault Mégane bis zum neuen offenen Saab 9-3 und dem luxuriösen viersitzigen Mercedes CLK Cabrio. Offen zu fahren, hat offensichtlich nichts von seiner Faszination verloren, wobei man heute ganz allgemein davon ausgehen kann, dass moderne Cabrios problemlos auch dann Autos für alle Jahreszeiten sind, wenn sie nicht mit den immer weiter verbreiteten stabilen Variodächern ausgestattet sind, die binnen wenigen Sekunden aus einem Cabrio ein Coupé machen.

Ein Stichwort für eine weitere „unvernünftige“ Autokategorie, denn Coupés fallen im Fond im Dachbereich meist etwas enger aus. Dafür sind sie besonders dynamische Fahrzeuge – in der Linie ebenso wie ihren Fahrleistungen, wie zum Beispiel das GT Coupé von Alfa auf Basis des 156, unter dessen Haube neben dem Zweiliter-Triebwerk künftig auch ein 3,2-l-V6 arbeiten soll. In neuem Outfit tritt übrigens neben dem Spider auch Alfas Sportcoupé GTV an. Und ein Hauch von Coupé steckt schließlich auch im Audi A3, der neben dem VW Touran bereits das zweite Konzernmodell auf der neuen Golf-Plattform ist.

Audi ist es auch diesmal wieder gelungen, eine ganz besondere Überraschung zu präsentieren. Denn mit dem Coupé Nuvolari Quattro – der Name ist eine Hommage an den begnadeten Rennfahrer Tazio Nuvolari, der Ende der Dreißiger unter anderem auch die Auto-Union-Sechzehnzylinder zum Sieg steuerte – hat Ingolstadt einen luxuriösen GT auf Basis des A8 auf die Räder gestellt, der der obersten Klasse alle Ehre macht. Angetrieben von einem Lamborghini-V10-Biturbo mit 441 kW (600 PS) hat er Chancen, nicht nur Showcar zu bleiben, sondern Serienmodell zu werden.

Wie es gute Tradition in Genf ist, sind natürlich auch jene Marken mit dabei, die mit ihren leistungsstarken Sport- und Luxuswagen Fahrzeuge bieten, die zwar aller Besucher Herzen schneller schlagen lassen, die sich aber nur wenige leisten können – von Ferrari über Lamborghini, Bugatti, Porsche und Koenigsegg bis zu Bentley, Maybach und Rolls-Royce. Erstmals gehen dabei Rolls-Royce mit dem neuen Phantom und BMW-Technik und Bentley mit VW-Technik eigene Wege, wobei es beiden Marken zu gelingen scheint, gewachsene britische Traditionen und modernste Technik zu vereinen. Hierbei setzt der erstmals in Serienversion austretende Bentley Continental GT auf einen Sechsliter-W12-Biturbo.

Diese Autos sind das Salz in der Suppe für jene individuelle Mobilität, die längst zu einem integralen Bestandteil unseres Lebensgefühls geworden ist und durch kein anderes Verkehrssystem geboten werden kann. Ein System, das in seiner Masse allerdings auch tiefgreifend unweltverändernd ist, so dass enorme Anstrengungen nötig sind, es nicht zum Umweltzerstörer werden zu lassen – eine Vorgabe, der heute so gut wie alle Hersteller größte Priorität einräumen, wie einBlick auf die Technik unter die Motorhauben und die Elektronik gerade auch unserer ganz normalen Alltagsautos bestätigt.

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