Gesetzesänderung : Zöllner lässt Grundschulklassen wieder schrumpfen

Die Schulverwaltung verabschiedet sich von einer umstrittenen Vorgabe: Künftig sollen nur noch 21 bis 26 Schüler in einer Grundschulklasse zusammen lernen. Dafür gibt es Lob von der Gewerkschaft. Und der Senat ändert das Schulgesetz.

Lars von Törne

Es war eine der umstrittensten Vorgaben des Schulsenators Jürgen Zöllner: Die Festlegung, dass in der Schulanfangsphase jede Klasse bis zu 28 Schüler – und damit mehr als zuvor – haben soll, provozierte Widerspruch bei den Schulen, bei Eltern- und Migrantenverbänden. Denn gerade die Situation der Lernanfänger ist sensibel, auch angesichts des herabgesetzten Einschulungsalters und der sozial schwierigen Mischung vieler Klassen vor allem in ärmeren Innenstadtvierteln.

Nun hat sich die Schulverwaltung von der kontroversen Vorgabe verabschiedet. Wie die Bildungsgewerkschaft GEW am Dienstag berichtete und die Schulverwaltung nachträglich bestätigte, ist im aktuellen Entwurf zur Änderung der Grundschulverordnung nur noch von Klassenfrequenzen der Lerngruppen in den ersten Schuljahren von 23 bis 26 Schülern die Rede. Bei einem Anteil von mehr als 40 Prozent Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache oder lernmittelbefreiten Schülern soll die Einrichtungsfrequenz sogar mit 21 bis 25 festgesetzt werden.

Das ist aus Sicht der GEW „eine Sensation“, wie deren Vorsitzende Rose-Marie Seggelke sagt. „Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.“ Erst habe es vergangene Woche den unerwarteten Senatsbeschluss zur verbesserten Kitapersonalbemessung gegeben und nun die Senkung der Klassenfrequenz in der Schulanfangsphase. Sie sei „froh, dass Senator Zöllner erkannt hat, welchen hohen Stellenwert die frühkindliche Bildung hat“. Die GEW sichere dem Senator „ihre volle Unterstützung bei der Durchsetzung dieses lobenswerten Vorhabens zu“.

Die Reform soll ab dem Schuljahr 2010/2011 durch eine Änderung der Grundschulverordnung festgeschrieben werden. „Wir setzen konsequent den Weg der Stärkung der Grundschulen fort“, sagte Bildungssenator Zöllner. „Schon zum vergangenen Schuljahr wurden für die Schulanfangsphase erhebliche pädagogische Verbesserungen beschlossen, so dass nahezu durchgängig ein Zwei-Pädagogen-System realisierbar ist.“ Auch bislang hätten Schulen gerade in sozialen Brennpunkten neue Klassen mit weniger als 24 Schülern einrichten können. „Mit den zukünftigen Bandbreiten schaffen wir Rechtssicherheit.“ Gleichzeitig ermögliche der Senat es dem Schulträger, „im Einzelfall sehr hohe Frequenzen zu vermeiden“.

Laut Bildungsverwaltung liegt die Durchschnittsfrequenz an Grundschulen in Berlin bei 23,4 Schülern pro Klasse, in Innenstadtbezirken wie Kreuzberg-Friedrichshain bei 23,01. Grundschulklassen mit mehr als 26 Schülern sind berlinweit die Ausnahme: Nur 6,5 Prozent aller 6216 Klassen wiesen zuletzt mehr als 26 Schülerinnen und Schüler auf.

Unabhängig von der Klassenfrequenz beschloss der Senat am Dienstag eine Änderung des Schulgesetzes, die unter anderem den Kantinenbesuch an Ganztagsgrundschulen verbindlich vorschreibt. Diese Änderung, die noch das Abgeordnetenhaus passieren muss, sieht auch vor, dass die Bezirke für Grundschulen gemeinsame Einschulungsbereiche bilden können, in denen Schwerpunkte wie Sprache, Musik oder Integration zu einem differenzierteren Profil der Schulen beitragen können.

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