Gewaltbericht der Senatsverwaltung für Bildung : An Berlins Schulen wird weniger zugeschlagen

Der Gewaltbericht der Senatsverwaltung für Bildung hat neue Zahlen über die Zustände an Berlins Schulen herausgegeben. Demnach soll die schwere Gewalt unter Kindern abnehmen. Es wird aber immer noch gedroht und beleidigt.

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Knapp die Hälfte aller gemeldeten Fälle waren Tätlichkeiten, Beleidigungen und Drohungen. Vier Prozent fielen unter den Begriff Mobbing. Foto: dpa
Knapp die Hälfte aller gemeldeten Fälle waren Tätlichkeiten, Beleidigungen und Drohungen. Vier Prozent fielen unter den Begriff...Foto: dpa

Weniger körperliche Gewalt, aber wesentlich mehr Beleidigungen, Drohungen und Tätlichkeiten – so lässt sich der aktuelle Gewaltbericht der Bildungsverwaltung für das Schuljahr 2011/2012 bilanzieren. Insgesamt ist die Zahl der gemeldeten Vorfälle um 25 Prozent gestiegen und liegt nun – trotz sinkender Schülerzahlen – bei über 1800 und damit höher als in allen Vorjahren, die im Rahmen der Bildungsstatistik erfasst wurden. Die Zahl der schwereren Delikte wie körperliche Gewalt, Amokdrohungen und Erpressung nahm aber um elf Prozent ab.

Während die meisten Zwischenfälle in Mitte und Steglitz-Zehlendorf registriert wurden, gab es in Neukölln einen leichten Rückgang um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp die Hälfte aller gemeldeten Fälle gehörten zum Bereich der Tätlichkeiten, Beleidigungen und Drohungen, wobei vier Prozent unter den Begriff Mobbing und zwei Prozent unter sexuelle Belästigung fielen. Nur ein Prozent der Meldungen gehörte zur höchsten Gefährdungsstufe wie Waffengebrauch. Vermerkt wurde auch ein Todesfall, über den die Senatsverwaltung für Bildung aber keine näheren Angaben machten konnte.

Jungen sind überproportional häufig in Gewaltvorkommnisse verwickelt. Betroffen sind vor allem die Acht- bis Dreizehnjährigen, weshalb auch die Grundschulen besonders bei der Prävention gefordert sind. Welchen Anteil bei den Opfern und Tätern die Kinder aus Migrantenfamilien ausmachen, wird in der veröffentlichten Kurzfassung des Berichts – anders als in früheren Jahren – nicht angegeben.

Monika Hirsch-Sprätz, Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg, mahnt bei der Definition von Gewalt zur Differenzierung. Es sei schwierig, etwa bei Beleidigungen von „minderschweren Fällen“ zu reden. „Psychische Gewalt kann unter Umständen in körperlicher Gewalt enden. Seelischer Terror läuft in der Regel verdeckter ab und wird von Außenstehenden schwerer wahrgenommen“, so Hirsch-Sprätz. Nicht selten entwickelten die Betroffenen körperliche Symptome wie Bauchschmerzen und Migräne. Nach ihrer Einschätzung ist die Dunkelziffer bei Gewaltvorfällen weitaus höher als die offiziellen Zahlen. Und Steglitz-Zehlendorf sei längst kein „Luxusbezirk“ mehr und habe sich wegen seiner Bevölkerungsmischung stark verändert. Während die Anti-Aggressionstrainings in Bezirken wie Neukölln allmählich fruchteten, habe man in Steglitz-Zehlendorf die Probleme unterschätzt. Gerade in den höheren Gymnasialklassen würden Konflikte sehr subtil ausgetragen.

Auch Michael Retzlaff vom Landesinstitut für Schule und Medien schätzt die Dunkelziffer hoch ein. „Besonders die Beleidigungen und Bedrohungen in den sozialen Netzwerken stellen ein ernstes und dauerhaftes Problem dar“. Die Bildungsverwaltung führt die Häufung der Vorfälle darauf zurück, dass die Schulen die Fälle konsequenter melden.

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