Schule : Go, Cowboy, go!

Mit dem Navara präsentiert Nissan einen Offroad-Pick-up, der als Nutzfahrzeug und Freizeitvehikel überzeugen kann – und beim Ausflug in die Großstadt ein echter Blickfang ist

Nora Sobich

Selbst auf dem Lande sind Pick-ups bei uns nur selten anzutreffen. Man kennt den robusten, irgendwie auch gemütlichen Fahrzeugtyp am ehesten noch aus dem Hollywood-Kino, wenn Robert Redford im coolen Pritschenwagen als lonesome Cowboy über staubige Landstraßen brettert. Pick-ups sind in Amerika die „Arbeitstiere“ – Symbol fürs bodenständige Farmerleben. Wer auf dem Lande lebt, hat dort meistens einen dieser verlässlichen Kumpels in der Garage stehen.

In Deutschland ist das Marktsegment des Pick-up, das Nissan, Mitsubishi und Mazda weitgehend unter sich aufteilen, so verschwindend gering, dass man im Grunde kaum von einem Marktsegment sprechen kann. Doch das soll sich ändern. Das praktische Nutzfahrzeug erlebt derzeit einen Imagewechsel. War der Pick-up-Truck früher ähnlich wie der Mercedes-Unimog streng auf Funktion und Zweck ausgerichtet und im Innenraum so spartanisch, dass man sich mit ihm kaum zum Einkaufen in die Stadt traute, geht die Entwicklung seit einigen Jahren zum komfortablen Crossover-Pick-up. Mit einer Aufwertung zum Sports Utility Vehicle (SUV) soll der Truck für neue Zielgruppen interessant werden und in Regionen auf die Straße beziehungsweise ins Gelände kommen, wo er bisher kulturell nicht recht Fuß gefasst hat.

Mit dem Offroad-Pick-up Navara, der ab sofort europaweit im Handel ist, ergänzt der japanische Hersteller Nissan jetzt seine gerade komplett erneuerte 4x4-Familie bestehend aus Patrol, Pathfinder und Murano. Der geländegängige, ab 25 750 Euro erhältliche Pick-up ist technisch und optisch mit dem Pathfinder verwandt. Beide Modelle werden in Barcelona produziert, haben die gleichen Instrumententräger, die gleiche robuste Leiterrahmenkonstruktion und auch das gleiche Antriebskonzept: einen 2,5-Liter-Turbodiesel mit 128 kW (174 PS), der ein bulliges maximales Drehmoment von 403 Nm bietet. Selbst die prägnante, chromglänzende Frontpartie des Navara ist mit dem Geländewagenbruder Pathfinder identisch.

Nissan führt mit dem zum SUV aufgemotzten Navara die bereits mit dem Vorgängermodell von 2001 eingeleitete Entwicklung fort. Sowohl beim Radstand (3,20 Meter) als auch in der Länge (5,22 Meter) hat der Navara gegenüber dem Vorgänger zugelegt; er ist ein mächtiges Lasttier, das sich geschmeidig und gut abgefedert fahren lässt und mit seiner Mischung aus Komfort und Robustheit kaum noch nutzfahrzeugartige Charakterzüge trägt.

Das zeigt sich auch im Innenraum. Die Ausstattung hier entspricht nicht nur wegen der „Soft-touch-Materialien“ der Komfortstufe eines Pkw. Zur Standardausrüstung gehören auch Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, einstellbare Lendenwirbelstütze für den Fahrersitz und ein lederummanteltes Lenkrad. Bei der Sonderaussattung reicht die Auswahl von beheizbaren Vordersitzen bis hin zum Birdview-DVD-Navigationssystem.

Mit seiner großzügigen Ladefläche und dem für eine Traglast von 100 Kilogramm konzipierten Dachgepäckträger soll das Gefährt gleichermaßen für Freizeitaktivitäten wie für gewerbliche Zwecke attraktiv sein – nach dem Motto: Heute wird Bauschutt oder Stroh und morgen Surfbrett, Mountainbike oder Motorrad aufgeladen. Die Ladefläche dieses sportlichen Komfort-Pick-ups ist Klassenprimus. Sie beträgt – je nach Art der Fahrerkabine – 1,51 bis 1,86 Meter Länge und eine Mindestbreite zwischen den Radhäusern von 1,13 Meter. Sie besitzt ein speziell zur Befestigung von Mountainbikes oder Motorrädern entwickeltes Schienensystem und misst ausgeklappt sogar 2,40 Meter. Das heißt, der Multifunktions-Pick-up lässt sich mit Zelt bequem auch zur Schlafstätte umrüsten.

Zwei Kabinen für Fahrer und Beifahrer stehen zur Wahl: ein Double-Cab- und ein King-Cab-Aufbau. Die King-Cab-Version bietet neben Fahrer- und Beifahrersitz zwei weitere ausklappbare Sitze im Fond. Bei der Double-Cab-Version ist zwar weniger Ladeplatz vorhanden, dafür aber im Innenraum mit fünf vollwertigen Sitzen deutlich mehr Platz.

Der Navara-Fahranspruch könnte aus dem wilden Westen stammen. „Go anywhere, do anything“ heißt die Losung dieses modernen, zwei Tonnen schweren Pick-ups, der fast 800 Kilo zuladen und bis zu drei Tonnen ziehen kann. Als echter Offroader nimmt es der Pick-up-Truck, der serienmäßig mit einem manuellen Sechsganggetriebe ausgestattet ist (Fünf-Gang-Automatik gibt es für einen Aufpreis von 1500 Euro), spielend mit verschlammtem Baugelände oder verschneiten Passstraßen auf. Er hat einen rangierfreundlichen Wendekreis und ist trotz langem Radstand mit einer Bodenfreiheit von 238 Millimetern bestens geländetauglich. Bei einem Verbrauch von 8,5 Litern schafft der Navara eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h.

Mit seinem betont sportlichen Appeal verspricht der Navara ein echter Allzweck-Renner zu werden. In dem Offroad-Pick-up kann man mal kurz in die Berge zum Mountainbiken fahren, einen Nachbarn aus dem Schlamm ziehen oder den Umzug von A nach B transportieren – und beim Abstecher ins Kino kann man sich neugieriger Blicke anderer Asphalt-Cowboys gewiss sein.

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