Grundschule in Lichterfelde : Toilettensanierung für 620.000 Euro

Während viele Berliner Schulkinder auf verrottete und kaputte Klos gehen müssen, schwelgen die 450 Schüler der Grundschule am Karpfenteich in Lichterfelde im Luxus: Satte 620.000 Euro kostet dort die Sanierung der Toiletten.

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340 000 Euro von insgesamt 620 000 Euro sind schon für zwölf Toilettenräume verbaut. Die Schule selbst ist darüber gar nicht glücklich: „Auf uns hat keiner gehört“, sagt eine Mitarbeiterin. „Speziell die eckigen WCs wollten wir nicht haben, denn dann können wir nicht mal schnell den Hausmeister zum Baumarkt schicken, wenn ein Klodeckel kaputt ist – und das passiert im Alltag öfters.“ Dann müsse man für jeden Toilettendeckel einen Antrag beim Schulamt stellen – die Folgekosten seien für die Schule kaum tragbar.

Der CDU-Haushaltspolitiker Uwe Goetze kündigte an, die Sache bei nächster Gelegenheit im Hauptausschuss zur Sprache zu bringen. „Der Fall wirft ein schlechtes Licht auf die Bezirke, die immer behaupten, sie hätten kein Geld“, sagte Goetze. „In Schulen, wo Zerstörung üblich ist, etwas anderes als Standard einzubauen, ist Verschwendung.“ Für das Geld hätte man besser auf niedrigerem Niveau die Sanitäranlagen an mehreren Schulen saniert.

Der zuständige Stadtrat Uwe Stäglin (SPD) wies die Vorwürfe zurück. „Das war keine Luxussanierung“, teilte er mit. „Das Bauvorhaben wurde entsprechend den wirtschaftlichen Standards des öffentlichen Bauens durchgeführt.“ An der Schule sei vor einigen Jahren ein „gestalterisches Leitkonzept Rot/Blau/Gelb“ eingeführt worden. Es sollte in den WC-Anlagen fortgesetzt werden. „Das pädagogische Ziel war, mit einfachen, sparsamen Mitteln kindgerechte Räume mit hoher Nutzerakzeptanz zu schaffen“, so Stäglin.

Es wurden farbige Fliesen verwendet, rot in den Toiletten der Mädchen und blau bei den Jungs. Diese Fliesen waren laut Stäglin nur unwesentlich teurer; hätte man weiß gefliest, so wären für das gesamte Projekt rund 500 Euro gespart worden. Die eckigen Klos verursachten Mehrkosten von 1320 Euro, die Waschbecken von 250 Euro. Selbst bei einfachster Ausstattung hätten die Mittel laut Stäglin nicht gereicht, um an der Schule alle Toiletten zu sanieren. Nächstes Jahr sollen deshalb die acht Toilettenräume im Hort für weitere 280 000 Euro aus dem Programm zur Schul- und Sportanlagensanierung erneuert werden. Die horrenden Gesamtkosten erklärt der Baustadtrat so: „Es wurden auch die Haustechnik, die Abflüsse und die Elektrik erneuert. In den Beträgen sind zudem die Honorarkosten für Architekten und Planer enthalten. Da kommen schnell fünfstellige Beträge zusammen.“

An vielen Schulen wird derzeit auch mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung gebaut. Hier läuft wohl ebenfalls einiges anders als geplant. „Die Verwaltung war hoffnungslos damit überfordert, in so kurzer Zeit so viele Maßnahmen umzusetzen“, sagt der Grünen-Haushaltspolitiker Oliver Schruoffeneger. Nicht abgerufenes Geld wäre aber verfallen. „So haben wir jetzt das Phänomen, dass beim Konjunkturpaket II fast durchgängig das, was eigentlich intendiert war, überhaupt nicht passiert – zum Beispiel die energetische Sanierung von Gebäuden“, so Schruoffeneger. „Stattdessen wird das Geld vor allem in die Umsetzung der Schulstrukturreform gesteckt.“ Es würden Mensen eingerichtet und die Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung geschaffen. Nach Angaben der Finanzverwaltung werden derzeit 785 Projekte mit 632 Millionen Euro gefördert.

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