Grundschule in Reinickendorf : „Bitte, bitte, schließt nicht die Peter Witte“

Eltern kämpfen für die Erhaltung einer Wittenauer Grundschule. Wegen Brandschutzmängeln soll sie geschlossen werden. Doch die Stadträte handelten offenbar ohne Beschlüsse. Kritik kommt auch von der BVV.

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Eltern, Schüler und Lehrer der Wittenauer Peter-Witte-Grundschule machen trotz der Sommerferien mobil, um die drohende Schließung der beliebten Schule zu verhindern. Während einer Sondersitzung der zuständigen BVV-Ausschüsse demonstrierten rund 100 Mütter, Väter und Kinder lautstark vor dem Reinickendorfer Rathaus. Via Internet, Facebook und Twitter informiert man über die neusten Entwicklungen, und selbst die Schulband hat einen Protestsong komponiert: „Bitte, bitte, schließt nicht die Peter Witte“.

Wie berichtet, hatte ein Gutachten zur geplanten energetischen Sanierung des Schulgebäudes erhebliche Brandschutzmängel ergeben. Unter anderem wurde festgestellt, dass bereits beim Bau vor vierzig Jahren gepfuscht worden war. Die von der Bauaufsicht auf 6,5 Millionen Euro geschätzten Kosten für die Mängelbeseitigung kann der Bezirk in diesem und den nächsten Jahren nicht aufbringen, teilten Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt und Baustadtrat Martin Lambert (beide CDU) den schockierten Eltern in einem gemeinsamen Schreiben am letzten Schultag mit. Ein provisorischer, kostengünstiger Umbau während der Sommerpause soll stattdessen die sofortige Schließung verhindern.

Seitdem widersprechen sich die Aussagen. In dem Brief hieß es, das Bezirksamt sei gezwungen, den Schulbetrieb auslaufen zu lassen und ab 2013 keine neuen Schüler mehr aufzunehmen. Das würde eine Schließung 2018 bedeuten. Später musste Baustadtrat Lambert einräumen, dass der provisorische Brandschutz nur zwei bis vier Jahre Bestand habe. Danach müssten die letzten Klassen spätestens ab 2016 ausgelagert werden. Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) sprach von einem „Zeitpuffer“, in dem über das Schicksal der Schule diskutiert werden solle.

Die Peter-Witte-Schule ist eine von nur vier gebundenen Ganztags-Grundschulen in Reinickendorf. Die Nachfrage ist so groß, dass die Plätze für Erstklässler verlost werden müssen. Entscheidend bei der Diskussion um die Zukunft der Schule dürfte deshalb auch die Frage sein, welches Gewicht der Bezirk dieser Schulform gibt.

Auf der Sondersitzung von Bau- und Schulausschuss musste Schultze-Bernd einräumen, dass es keinen Bezirksamtsbeschluss zur Schließung der Witte-Schule gibt. Auch die vorgeschriebene Einbeziehung der bezirklichen Gremien ist bisher nicht erfolgt. Für ihren mit dringlichem Handlungsbedarf begründeten Alleingang mussten die Bezirksamtsvertreter der CDU kräftige Schelte auch aus den eigenen Reihen einstecken. „Die etwaige Schließung eines Schulstandortes bedarf zwingend des Beschlusses der Bezirksverordnetenversammlung“, erklärte CDU-Fraktionschef Stephan Schmidt. „Einen solchen Brief ohne Rücksprache herauszuschicken, geht gar nicht“, sagte Klaus Hinrich Westerkamp von den Grünen, die mit der CDU in Reinickendorf eine Zählgemeinschaft bilden. Gilbert Collé von der SPD bezeichnete das Vorgehen der Stadträte als „kommunikatives Desaster“.

Alle Fraktionen sind sich einig, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Im August soll das Bezirksamt eine Entscheidungsgrundlage vorlegen, auf deren Basis die Bezirksverordneten im September verbindliche Beschlüsse „für die Grundschullandschaft in Reinickendorf“ fällen wollen. Rainer W. During

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