Gymnasium : Keine Angst vorm NC

Wem nutzt ein strenger Zugang zum Gymnasium und wem schadet er? Unter den Schulleitern gehen die Meinungen stark auseinander. Der Bildungssenator will bald entscheiden.

Susanne Vieth-Entus

Berlins künftige Sekundarschulen warnen vor einer Beibehaltung des liberalen Zugangs zum Gymnasium. Wenn die Gymnasien zu viele Schüler aus dem Mittelfeld aufnähmen, würde die Sekundarschule zwangsläufig zur „Restschule“, lautet die Befürchtung. Deshalb müsse die Koalition einen strengen Numerus clausus (NC) für die Gymnasien festlegen. Es sei das kleinere Übel, wenn es dann in den sozialen Brennpunkten kaum noch Gymnasien gäbe, lautet die vorherrschende Meinung.

„Wenn es starke Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe gibt, wäre die Angst der Eltern nicht so groß, das Gymnasium zu verpassen“, glaubt Klaus Brunswicker. Seine Schöneberger Sophie-Scholl-Schule gehört zu den Gesamtschulen, die auch jetzt schon viele Kinder mit Gymnasialeignung gewinnen. Brunswicker verlangt allerdings, dass die Sekundarschulen die Möglichkeit erhalten, Profile zu bilden, die auch für leistungsstarke Schüler interessant sind. Es könne nicht sein, dass allen gleichermaßen das Fach „Arbeitslehre“ oktroyiert werde – unabhängig von der Klientel. Im Übrigen appelliert Brunswicker an die Brennpunkt-Gymnasien, sich in Sekundarschulen umzuwandeln „und nicht weiter an ihrem Etikett zu kleben“.

Auch Elmar Kampmann, der ehemalige Leiter der Spandauer Martin-Buber-Gesamtschule, plädiert dafür, die Leistungsfähigkeit der Sekundarschulen stärker in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen den Beigeschmack der „Zweitklassigkeit“ zu nehmen, den sie noch bei vielen Eltern hätten. Kampmann möchte Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe „Kombiniertes Gymnasium/Sekundarschule“ nennen, um den Eltern klarzumachen, dass ihr Kind hier genauso Abitur machen kann wie an einem „richtigen“ Gymnasium.

Birgit Vogel von der Köpenicker Merian-Gesamtschule will es nicht dem Zufall überlassen, ob die Eltern die Sekundarschule als gleichwertige Alternative anerkennen. Ebenso wie der GEW-Schulleiterverband ist sie für einen strengen NC von 2,0 für die Gymnasien. Die Folge, dass dann Kinder aus bildungsfernen Familien kaum noch die Gymnasien besuchen könnten, würde Vogel in Kauf nehmen – schließlich sei eine Sekundarschule mit Oberstufe eine „gute Alternative“. Als „halbherzig“ bezeichnete es Angelika Jurczyk von der Treptower Anna-Seghers-Gemeinschaftsschule, auf den NC zu verzichten und stattdessen ein Probejahr einzurichten. Das schade den Kindern, die scheiterten und ihre Schule verlassen müssten.

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