Schule : Hinter der Kurve geht es weiter

Viele Fahrer bekommen Panik, wenn der Wagen hinten ausbricht – in Linthe lernen sie damit umzugehen

Gerd Nowakowski

Gas geben! Wer hat hier die höhere Drehzahl: das Herz des Fahrers oder der Motor des Wagens? Die Reifen quietschen bereits auf der kreisförmigen Piste und eigentlich möchte man jetzt voll auf die Bremse steigen, weil sich der Wagen stark zur Seite neigt. Dennoch geht es in eine neue Runde und der Trainer befiehlt gleichzeitig übers Funkgerät: Gas geben!

Untersteuern ist etwas, was neben dem richtigen Bremsen auf vereistem Boden, ausweichen und der Reaktion auf plötzliche Gefahrensituationen wie einem geplatzten Reifen beim Fahrsicherheitstraining auf dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Linthe trainiert wird. Was der Formel-Eins-Fahrer Ralf Schumacher im Rennen als spektakulären Fahrstil perfektioniert hat, ist für normale Autofahrer zumeist ein Schreckmoment mit feuchten Händen.

Erlebt hat es fast jeder Autofahrer schon mal. Nach langer Autobahnfahrt das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren und bei der Ausfahrt mit zu hohem Tempo in die Kurve gegangen – und schon schiebt sich der Wagen über die Vorderachse bedrohlich auf die äußere Leitplanke zu. Was tun? „Auf welcher Seite der Ausfahrt sind die Leitplanken beschädigt?“, fragt Trainer Henry Hilbert, dessen Glatze so glatt ist wie die Pisten, über die er die Teilnehmer quält. Richtig, im Kurveninnern. Wie das kommt? Die Autofahrer reißen in ihrem Schrecken vor der äußeren Leitplanke das Steuer immer weiter herum – bis ihr Fahrzeug jäh und unerwartet übersteuert und nach innen abschmiert. Mit fatalem Ergebnis.

Den acht Teilnehmern, die zuvor schon trainiert haben, wie man auf ausbrechende Hinterachsen reagiert, mit spiegelglatten Fahrbahnen fertig wird und plötzlich auftauchende Hindernisse sicher umkurvt, wird vom Trainer auch beim Thema Untersteuern nichts geschenkt. Den meisten Fahrern wird hier in Linthe bewusst, wie oft man sich im täglichen Verkehr unbewusst in Grenzsitutationen befindet - und im Ernstfall all die moderne Automobil-Technik wie ABS, ESP oder ASR nur bedingt hilft. Deswegen gilt in kritischen Situationen vor allem, ruhig zu bleiben und richtig reagieren.

Immer wieder jagen die Wagen um das Asphaltrondell mit der tückisch glatten Fahrbahn, die Karosserie geneigt, bis der Wagen wegrutscht. Mal rechts herum, mal links herum, bis man das Gefühl hat, auf den Beifahrersitz zu rutschen. Der schwere Porsche Cayenne neigt sich so stark gegen das Vorderrad, dass das hintere innere Rad den Bodenkontakt und damit die Haftung verliert, der Porsche Carrera bricht aus. Die schweren Audis radieren über die Piste. „Kupplung durchtreten“, ruft der Trainer über Funk. Und siehe da: Der Wagen stabilisiert sich und bleibt in der Spur, ohne dass der Fahrer das Lenkrad weiter einschlagen muss. Ganz simpel, bereits vor dem Schieben, welches durch Fahrfehler häufig zum Schleudern wird, richtig handeln.

Auch bei Automatikwagen ist es einfach. „Fuß vom Gas wirkt Wunder“, erklärt Henry Hilbert. Dann hört es plötzlich auf, so nervig zu quietschen und die Karosserie richtet sich wieder auf, ohne bremsen, ohne stärker zu lenken. Aber wird nicht oft gesagt, man solle die Bremswirkung des Motors ausnutzen? Alles Unsinn, erwidert der Trainer. Der Motor schiebt den Wagen nur weiter voran, in eine unkontrollierbare Situation. Außerdem: Die modernste Technik im Auto ist nicht mehr viel wert, wenn der Motor abgewürgt wird, stört er die Wirkung des ABS-Systems. Die Räder würden schließlich blockieren und das Lenken bleibt erfolglos. Auch deshalb: Kupplung treten und lange halten.

Während der Sommerferien können junge Fahrer preisgünstige Angebote nutzen: Beim 2-für-1-Paket nimmt ein zweiter Fahrer kostenlos teil. Infos und Buchungen unter Telefon: (033844) 750 750 oder im Internet: www.fahrsicherheit.de/linthe.

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