Hochschulen : Beliebtes Berlin

Die Bewerbungszahlen für die Berliner Hochschulen steigen weiter – nur die Humboldt-Universität verzeichnet in diesem Jahr einen Rückgang.

Tilmann Warnecke

Nach ersten Auswertungen stieg die Zahl der Bewerbungen für das Wintersemester an der Technischen Universität im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf 16 000. Die Freie Universität zählte 32 000 Bewerbungen (plus 1000). Auch an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, der größten Berliner Fachhochschule, gingen mit knapp 9000 Anfragen 500 mehr als zuletzt ein. An der Humboldt-Universität sank die Zahl dagegen um 3000 auf jetzt 21000 Bewerbungen. Das teilten die Hochschulen auf Anfrage des Tagesspiegels mit. Bewerbungsschluss für das kommende Wintersemester war vor einer Woche.

In den vergangenen Jahren war die Zahl der Bewerbungen an allen Berliner Hochschulen – auch an der HU – kontinuierlich nach oben gegangen. Auch jetzt übertrifft die Zahl der Bewerbungen die der Studienplätze für Erstsemester um ein Vielfaches. Die HU bietet 3400 Plätze an, die FU 4100. Die TU nimmt 3600 Studienanfänger auf, die FHTW 1920.

Wird es mit den fast durchgehend steigenden Bewerbungszahlen für Abiturienten immer schwieriger, einen der begehrten Studienplätze zu ergattern? Aus den Hochschulen heißt es, dass diese Frage nicht eindeutig zu beantworten ist. Die Zahl der Bewerbungen ist nämlich nicht identisch mit der Zahl der Bewerber. Vielmehr bewerben sich viele Schulabgänger inzwischen an mehreren Unis gleichzeitig, was die Zahlen in die Höhe treibt. Die Abiturienten reagieren so darauf, dass bundesweit immer mehr Hochschulen Fächer mit einem Numerus Clausus versehen. Für die Hochschulen bedeutet das, dass ihnen viele potenzielle Erstsemester auch wieder absagen, weil sie doch lieber woanders studieren wollen. So kommt es dazu, dass in den vergangenen Jahren selbst in beliebten Massenfächern trotz steigender Bewerbungszahlen immer wieder Plätze frei blieben.

Welche Auswirkungen der Wunsch vieler Schulabgänger haben kann, mit Mehrfachbewerbungen ihre Chancen auf einen Studienplatz zu steigern, zeigen die aktuellen Zahlen der Universität Potsdam. Anders als in Berlin können Abiturienten dort Bewerbungen für mehrere Studienfächer gleichzeitig abgeben. Zum Wintersemester seien in Potsdam 28500 Bewerbungen eingegangen, sagt eine Sprecherin. Dahinter steckten aber nach ersten Auswertungen nur 17600 Abiturienten. 10000 Bewerbungen gingen also allein auf das Konto von Abiturienten, die sich für zwei oder mehr Fächer in Potsdam beworben hätten. Man könne zudem davon ausgehen, dass viele auch auf einen Platz in Berlin hofften.

Wie sind in diesem Zusammenhang die rückläufigen Zahlen der Humboldt-Universität zu erklären? Hat ihr Ruf darunter gelitten, dass sie nicht Elite-Uni geworden ist? Oder dachten angesichts der Bewerbungsflut der vergangenen Jahre womöglich mehr Schulabgänger, sie hätten ohnehin keine Chance auf einen Studienplatz an der HU – und haben sich deshalb jetzt gar nicht erst beworben? Ein Sprecher sagte gestern, die Universität wolle die Zahlen nicht kommentieren – zumal die HU immer noch deutlich überbucht sei. Genauso wie die steigenden Bewerbungszahlen der vergangenen Jahre sei jetzt auch der Rückgang wenig aussagekräftig.

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