Hochschulen : Profil für Potsdam

Die Universität Potsdam setzt auf Kognitionsforschung. Als "Exzellenzbereich“ soll sie das Aushängeschild der Hochschule sein.

Tilmann Warnecke

Könnte die Universität Potsdam bald „Helmholtz-Uni“ heißen? Die Hochschule solle sich nach dem großen Naturwissenschaftler Hermann von Helmholtz benennen, schlug jetzt der Psychologe Reinhold Kliegl vor, als die Uni ihre Zukunftspläne vorstellte. Helmholtz sei 1821 in Potsdam geboren worden – der beste Namenspatron für die junge Uni, die 1991 gegründet wurde und die größte in Brandenburg ist.

Zudem sei der als Physiker bekannte Helmholtz der Pionier der Kognitionsforscher – so untersuchte er, wie Nervenerregungen weitergegeben werden. Mit den Kognitionswissenschaften will die Uni künftig besonders punkten. Sie sollen als „Exzellenzbereich“ das Aushängeschild der Hochschule sein. Die Psychologen und Linguisten, die den Kern der Kognitionsforschung bilden, haben bereits bundesweite Erfolge vorzuweisen. Sie warben vor einigen Jahren den ersten Sonderforschungsbereich der Universität ein.

Acht „Profilbereiche“ will die Uni zusätzlich ausbauen, sagte Präsidentin Sabine Kunst. Dabei wolle sich die Hochschule „auf einzelne Themenstellungen“ konzentrieren, die die vorhandenen Stärken vertiefen. Dazu gehören die Erdwissenschaften, die Pflanzengenom- sowie die Evolutionsforschung. Gefördert werden auch die Bereiche „Komplexe Systeme“ und „Funktionale Weiche Materie“. Die Geisteswissenschaften sollen sich auf das Thema „Kulturelle Begegnungsräume“ konzentrieren, die Sozialwissenschaften auf „Politik, Verwaltung und Management“. Die Lehrerbildung will die Uni als Schwerpunkt erhalten, sie soll in einen Profilbereich „Empirische Bildungswissenschaften“ einfließen. Um die Lehrerbildung hatte es zuletzt Streit gegeben, weil die Unileitung das Fach Kunst als Lehramtsstudium einstellte.

Mit dem Konzept revidiert die Uni teilweise ihre Forschungsplanung von vor acht Jahren. So sei der bisherige Schwerpunkt Lebenswissenschaften „zu unspezifisch“ gewesen, sagte Kunst: „Damit kann man sich national nicht profilieren.“ Die Uni, mit 210 Professoren und 19 000 Studenten zwar die größte Brandenburgs, aber die kleinste im Ballungsraum Berlin-Potsdam, befinde sich auf einem guten Weg. Innerhalb von vier Jahren konnten die Forscher die Drittmitteleinnahmen um zehn Millionen Euro steigern. 2007 warben die Potsdamer 29 Millionen Euro ein. Die HU und die FU Berlin, beide etwa doppelt so groß wie Potsdam, kamen 2006 je auf rund 50 Millionen Euro.

Die Forschung soll eng mit der Lehre verzahnt werden, sagte Kunst. Ein Vorbild könnten die Erdwissenschaften sein. Dort haben die Leibnizpreisträger Manfred Strecker und Gerald Haug ihre millionenschwere Auszeichnung genutzt, um ein Nachwuchszentrum aufzubauen. Bereits die Studierenden forschen an Projekten. Die besten können in ein Graduiertenprogramm übernommen werden. Sich den Nachwuchs selber heranzuziehen, sei oft sinnvoller, als um fremde Graduierte zu werben, sagte Strecker: „Wir wissen, wen wir beschäftigen. Das ist einfacher, als bei Bewerbungen zwischen den Zeilen vom Empfehlungsschreiben lesen zu müssen.“

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