Hochschulreform : Bachelor-Fans ziehen Bilanz

Hermann Horstkotte

„Bachelor und Master rücken dankenswerterweise die Studierenden in den Mittelpunkt der Hochschulen.“ Das erklärte Imke Buß vom bundesweiten „Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften“ (FZS) jetzt in Bonn auf einer Tagung der Initiative „Promoting Bologna in Germany“, die die Hochschulreform unterstützt. Die neue Studienstruktur mit Lernbausteinen (Modulen) und Leistungspunkten in jedem Semester gebe nicht zuletzt den Professoren klare Unterrichtsziele vor und erhöhe damit die Qualität der Lehre. Verschulung ist für Buß kein Schimpfwort, wenn damit eine klare Studienorganisation mit inhaltlichen Variationsspielräumen gemeint sei. Alle Bologna-Unterstützer aus Hochschulen und Unternehmen stimmten der Studentenvertreterin zu.

Uneins war man sich jedoch über die erwünschte Auslandsmobilität der Studierenden während der drei- oder vierjährigen Bachelor-Phase. Ein Auslandssemester sei ohne Weiteres möglich, sagt der Darmstädter Maschinenbauprofessor Manfred Hampe. Seine Fakultät habe Vereinbarungen über anrechenbare Module mit zehn Universitäten in Europa und einer in USA. Noch nicht so weit ist etwa die Uni Hamburg. Dort ist der Wechsel in die Fremde erst im Masterstudium verbindlich vorgesehen, sagt der Leiter des Auslandsamts, Jochen Hellmann. „Dabei unterstützen wir aber unsere Studenten mit Auslandsstipendien aus den Studiengebühren.“ Diese Finanzhilfen seien ein praktischer Beweis für den verbesserten Stellenwert der Lehre in der Hochschule.

Ob die Umstellung auf Bachelor und Master ein Erfolg wird, entscheide sich an den Bologna-Schlagworten „Beschäftigungsfähigkeit“ aufgrund erworbener „Kompetenzen“, sagte der Osnabrücker Wirtschaftsprofessor Volker Gehmlich. Es werde aber wohl noch ein Weilchen dauern, bis sich Hochschulen und Arbeitgeber im Klaren seien, was darunter zu verstehen ist. Dabei müssen sie auch klären, für wen der Bachelor schon die Endstation an der Hochschule sein soll.

Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft stellte klar: „Solange nicht abzusehen ist, welchen Wert der erste akademische Abschluss auf dem Arbeitsmarkt hat, muss jedem Studierenden der Weg zum Master offenstehen.“

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