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Homosexualität : "Wie, du bist schwul?"

14.04.2009 00:00 UhrVon Ferda Ataman
269609_3_xio-fcmsimage-20090413204320-006001-49e387c864847.heprodimagesfotos83320090409schulseite.jpgBild vergrößern
Schwierige Aufgabe. Vertreter des Schwulen- und Lesbenverbandes versuchen, Kreuzberger Schüler für das Thema Homosexualität zu sensibilisieren. Foto: David Heerde

Viele Einwandererkinder verabscheuen Homosexuelle. Wie ein Verband mit Rollenspielen gegen Vorurteile auf den Schulhöfen kämpft.

Am Anfang genieren sich die Siebtklässler noch, doch bald tauen sie auf, und es hagelt Schimpfwörter: „Schwuchtel“, „Transe“, „Homo“, „Tunte“ – die Kreuzberger Schüler rufen alle Beleidigungen für Schwule und Lesben durcheinander, die sie kennen. Schließlich haben die drei Besucher danach gefragt. Das Lieblingsschimpfwort der 29 Schüler der Carl- von-Ossietzky-Schule sei derzeit „schwules Opfer“, sagt ihr Lehrer.

„Solche Ausdrücke sind an der Tagesordnung“, sagt Ingo Niederschuh, und einige der Kinder würden das „auch so meinen“. Ressentiments gegen Homosexuelle seien schon bei den Kleinen ein Thema. Deshalb hat der Lehrer einen Aufklärungsworkshop des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD) gebucht, der vom Senat gefördert wird.

Nun sitzen seine Schüler im Stuhlkreis und reden mit den LSVD-Trainern, zwei jungen Frauen und einem Mann, über Hetero-, Homo- und Transsexualität. Was heißt das? Was sind die Merkmale?

Die Kinder hören interessiert zu. Blond ist hier nur einer, ein paar Mädchen tragen Kopftuch. Sie stammen alle aus Einwandererfamilien mit Eltern aus dem Libanon, der Türkei, Bosnien und dem Irak. Der Sonderunterricht macht deutlich: Über Sexualität wird bei den meisten zu Hause nicht offen geredet. Über Schwule und Lesben schon gar nicht, das Thema ist tabu oder kommt höchstens als Sünde vor. Wohl deshalb quillt die „Fragebox“ der Trainer über, ein Pappkarton mit Schlitz, in den Zettel mit Fragen eingeworfen werden können.

„Je jünger die Schüler sind, desto besser klappt die Sensibilisierung“, sagt Jörg Steinert, Projektleiter beim LSVD. Bei 14-jährigen Schülern etwa seien Vorurteile und Abneigung oft schon sehr gefestigt. „Einmal mussten wir von der Polizei aus der Schule geholt werden“, berichtet er, „weil sich einige Schüler so über uns aufgeregt hatten“. Auch seine Kollegin Katharina Doumler hat sich von Jungen anhören müssen, dass sie sie „fertig machen würden“, wenn sie ihre Schwester wäre. Doch davon lassen sich die Trainer nicht beirren: „Die Kids hier machen interessiert mit“, sagt Doumler, „das ist ein sehr guter Anfang“.

Zur Fortbildung gehören auch Rollenspiele: Beim Abendessen in einer Familie gesteht der Sohn, dass er schwul ist. Den Kindern fällt es schwer, ernst zu bleiben. „Papa, ich habe seit zwei Wochen einen Freund“, sagt der Sohn und kichert. Der Junge, der den Vater spielt, holt mit der Hand zum Schlagen aus: „Wie, du bist schwul?“, ruft er. „Verschwinde!“ Der Sohn geht. Alle lachen. „Ist das real?“, fragt Trainerin Doumler. „Nein“, sagt ein Schüler, „in Wirklichkeit wäre das noch viel schlimmer“. Wie schlimm, will er aber nicht sagen. Auch andere Kommentare lassen in den eineinhalb Stunden ahnen, dass ein Geständnis in einigen Familien zu Komplikationen führen könnte. Deshalb klingt es für die Kinder absurd, dass sich jemand freiwillig outen würde. „Dann muss man ja damit rechnen, dass andere einen verprügeln und Schwuchtel nennen“, sagt ein Junge. Darauf habe doch keiner Bock.

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